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Bildung in SH : Britta Ernst will begabte Schüler fördern – Opposition wittert Wahlkampfcoup

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Die Kieler Bildungsministerin will mehr Hilfen für die Leistungsstarken. Ein Runder Tisch soll die Problematik erörtern.

Kiel | Um schwächere Schüler hat sich die Regierung in Kiel in den vergangenen Jahren gezielt gekümmert, nun will sie stärker auch die Einser-Schüler ins Visier nehmen. Bildungsministerin Britta Ernst verkündete am Donnerstag, sie wolle begabte Schüler besser fördern. Das nördlichste Bundesland stehe hier zwar im Bundesvergleich gut da, sagte die SPD-Politikerin. Internationale Studien offenbarten aber Nachholbedarf für Deutschland und damit auch für Schleswig-Holstein.

Es gehe nicht nur um die zwei Prozent Hochbegabte, betonte Ernst: Etwa 20 Prozent verfügten über ein besonderes Leistungspotenzial oder über Begabungen in speziellen Bereichen, die entdeckt und gefördert werden müssten. Dafür sollen auch besonders digitale Medien genutzt werden.

Zum bisherigen Stand legte Ernst einen Regierungsbericht vor. Nach der Landtagswahl und noch vor der Sommerpause will sie bei einem Runden Tisch die Problematik erörtern. Am Ende soll eine verlässliche Struktur sicherstellen, dass begabte Schüler flächendeckend gut gefördert werden. Der Bericht sei ein „großer Aufschlag“ mit dem Ziel, ein strukturiertes Konzept der Begabtenförderung zu bekommen.

Laut Ministerium stellt das Land für die Begabtenförderung seit 2011 unverändert jährlich 400.000 Euro bereit und darüber hinaus sieben Lehrerplanstellen. Kompetenzzentren an 17 Schulen wirken als Multiplikatoren in der Fläche. 48 Schulen haben Begabtenförderung als Markenzeichen. Zehn sogenannte Enrichment-Verbünde bieten in Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Hochschulen oder Wirtschaft fast 300 Kurse außerhalb des Unterrichts für 2500 Schüler mit besonderen Begabungen an. 140 Pädagogen haben bisher Zertifikate als Beratungslehrer für Begabtenförderung erworben. Besonders Begabte können sich an speziellen Wettbewerben beteiligen, ganze Jahrgangsstufen überspringen oder aber für einzelne Fächer den Jahrgang wechseln. Ein Juniorstudium ist auch drin - aber selten.

Die Opposition warf der Regierung vor, sie habe die Begabtenförderung lange vernachlässigt. „In den vergangenen viereinhalb Jahren ist unter Rot-Grün in der Begabtenförderung nichts passiert“, kritisierte die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen. „Und jetzt kurz vor dem 7. Mai entdeckt Frau Ernst dieses wichtige Thema. Das riecht gewaltig nach Wahlkampf.“ Weil der Ministerin in den vergangenen Jahren die Begabtenförderung nicht wichtig gewesen sei, solle die inhaltliche Arbeit nun ein Runder Tisch erledigen.

„Begabungsförderung wurde von Rot-Grün-Blau aus ideologischen Gründen stiefmütterlich behandelt, weil es nicht in das eigene bildungspolitische Konzept gepasst hat“, rügte auch Anita Klahn von der FDP. Dementsprechend habe diese Landesregierung so gut wie keine eigenen Initiativen entwickelt.

Auch der Pirat Sven Krumbeck sah das Wörtchen „Wahlkampf“ fett auf dem Bericht der Ministerin prangen. Der Regierungsbericht sage nichts darüber aus, wie das Bildungsministerium in Zukunft konkret bei der Begabtenförderung vorgehen wolle.
 

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erstellt am 02.Feb.2017 | 13:31 Uhr

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