Internetverbindung : Breitband? So langsam surfen die Schulen in SH

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Wenn Schüler im Internet recherchieren, bricht vielerorts die Leitung zusammen.

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23. Mai 2015, 06:00 Uhr

Kiel | Goethe googlen, das Handout zur Hyperbelfunktion herunterladen oder im Musikunterricht Spotify streamen – die schnelle Internet-Recherche ist an vielen Schulen in Schleswig-Holstein noch mehr Traum als Wirklichkeit. Vielerorts ist Surfen nur im Schneckentempo möglich. Das ergab eine Kleine Anfrage der Piratenpartei.

Demnach hat das Bildungsministerium zusammen mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH)im Frühjahr 2014 zu einer Umfrage zur IT-Ausstattung aufgerufen. Ausgewertet wurden die Daten von 569 Schulen. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Schulen nutzt Internetanschlüsse mit einer Geschwindigkeit von höchstens 6 Mbit/s (Megabit pro Sekunde). 5,2 Prozent surfen noch per ISDN-Verbindung, die zu Beginn des Internetausbaus vor knapp 20 Jahren einmal als schnell galt. 1,6 Prozent haben sogar überhaupt keinen Internetanschluss. Nur 14,5 Prozent verfügen über Anschlüsse wie VDSL, Glasfaser und Kabel mit Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s.

Der Landtagsabgeordnete der Piraten Uli König ist alarmiert: „Mit 6 Mbit und weniger, wie es 41 Prozent der Schulen haben, kann man vielleicht noch eine Familie notversorgen. Wenn aber mehr als drei Schüler im Rahmen des Politikunterrichts auf die Idee kommen, in der Mediathek des Landtages zu einer Debatte zu recherchieren, bricht die Leitung zusammen.“

Die Beobachtung stützt Björn Schwarze, Geschäftsführer beim IT-Service-Anbieter Addix aus Kiel. Seine Firma rüstet auch Schulen mit der richtigen Internet-Infrastruktur aus – und für Schwarze ist klar: „50 Mbit/s brauchen Schulen mindestens.“ Denn je mehr Nutzer gleichzeitig im Internet unterwegs sind, desto mehr Leistung wird benötigt.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) betont, die Umfrage-Ergebnisse seien Grundlage für die weitere Planung. Sie hat das „Digitale Lernen“ zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. „Wir müssen Kinder und Jugendliche für das Leben in einer digitalen Welt vorbereiten und ausbilden“, sagt die Ministerin. Voraussetzung dafür sei, den Umgang mit digitalen Medien frühzeitig zu lernen und sie selbstverständlich anzuwenden. Als ersten Schritt dorthin hat Ernst einen Wettbewerb ins Leben gerufen: Schulen sollen Konzepte zum Thema einreichen. „Wir wollen, dass Schulen von den guten medienpädagogischen Konzepten anderer Schulen profitieren können“, so Ernst.

Das reicht Uli König von den Piraten allerdings nicht. Er fordert: „Jede Schule soll einen Glasfaseranschluss bekommen.“ Das würde nicht nur den Schulen helfen. An die so geschaffene Breitbandinfrastruktur könnten lokale Anbieter andocken und so die umliegenden Gemeinden mit schnellem Internet versorgen, so König weiter. Die kostenträchtigen Erdarbeiten zwischen den Internet-Knotenpunkten und den Gemeinden entfielen, und es müsste nur noch lokal gegraben werden. Die Investitionen dafür hält der Pirat für gering: Er kalkuliert 500 Euro pro Monat und Schule. „Das klingt erst mal nach viel Geld, ist aber weniger als zehn Prozent von dem, was das Bildungsministerium im Haushalt für eine Lehrerstelle ansetzt.“ König rechnet weiter: „Unterm Strich bedeutet das, dass man mit den Kosten für eine Lehrerstelle zehn Schulen schnell und zuverlässig ins Netz bringen kann.“

Wie schnell surfen Sie im Internet? Machen Sie hier den Test.

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