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Proteste auf G7-Treffen : Blockupy-Sprecher aus Lübeck: „Der Widerstand ist notwendig“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christoph Kleine trat in Frankfurt als Sprecher der Blockupy-Bewegung auf. Für das G7-Treffen in Lübeck kündigt er neue Proteste an.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 16:46 Uhr

Lübeck | Plötzlich war er das Gesicht einer ganzen Bewegung, die die Seiten der Zeitungen füllte. Christoph Kleine aus Lübeck trat als Blockupy-Sprecher auf. Das Bündnis, das zur EZB-Einweihung Frankfurt ins Chaos stürzte. „Eigentlich gehöre ich gar nicht zum Presseteam“, sagte der 48-Jährige, der in Lübeck einen Handel für Kinderspielzeug betreibt, im Gespräch mit dem sh:z. „Ich bin nur in die Bresche gesprungen.“ Dabei ist Kleine im Aktivisten-Lager kein Unbekannter. Er ist bei der Interventionistischen Linken aktiv, einer der wesentlichen Bündnispartnern von Blockupy. Schon in der Vergangenheit hat er in mehreren Initiativen mitgewirkt, zum Beispiel im Oktober vergangenen Jahres bei der „Lübecker Initiative Solidarität mit Kobane und Rojava“ oder bei dem anti-rassistischen Bündnis „Wir können sie stoppen“. Auch gegen das Treffen der G7-Finanzminister am 14. und 15. April in Lübeck will er mit der Gruppe „Stopp G7“ protestieren. „Friedlich“, wie er betont. Er geht von einer „deutlich vierstelligen Zahl“ an G7-Gegnern aus.

Herr Kleine, verändern die Ereignisse in Frankfurt in irgendeiner Weise Ihre Protest-Pläne für das G7-Treffen in Lübeck?
Nein, eigentlich nicht. Für die meisten Leute aus Lübeck und Schleswig-Holstein, die ich kenne und die jetzt in Frankfurt waren, war es eine zwar heftige, aber dennoch ermutigende Erfahrung. Die haben sich übrigens alle an den Blockupy-Aktions-Konsens gehalten. Das ist – wenn auch in viel kleinerem Rahmen – auch für die Aktionen und Demonstrationen in Lübeck zu erwarten.

Inwiefern sehen Sie eine Gefahr, dass es ähnliche, zum Teil schlimme Bilder auch aus Lübeck geben könnte?
Dafür sehe ich gegenwärtig keine Anzeichen.

Was ist denn der Blockupy-Aktions-Konsens?
Es ging in Frankfurt darum, die EZB zu blockieren und zu umzingeln. Dazu ist es notwendig, um die Polizei herumzukommen und zivilen Ungehorsam zu leisten. An den meisten Stellen haben die Leute es genauso gemacht, wie es vorher angekündigt worden ist.

Wie bewerten Sie mit Abstand die Geschehnisse in Frankfurt?
Wir fanden nicht alles gut, was da passiert ist. Das muss man sich im Detail einzeln angucken. Aber 25.000 Leute auf der Demonstration zum Abschluss haben ein starkes Zeichen der Solidarität gesetzt. Die Krisenproteste in Deutschland werden weitergehen, das Blockupy-Bündnis wird weitermachen. Insofern gibt es im Einzelnen eine gemischte Bilanz, insgesamt ist sie aber positiv.

In Frankfurt haben Sie gesagt: „Es ist uns gelungen, die Feier der EZB zu konterkarieren, zu einer Randerscheinung werden zu lassen.“ Wirkt das bei 150 verletzten Polizisten, 200 verletzten Aktivisten und einem Millionen-Sachschaden in Frankfurt nicht zynisch?
Verletztenzahlen der Polizei sind immer mit Vorsicht zu behandeln und oft übertrieben. Etwa 80 Prozent dieser Verletzten gehen auch nach den Angaben der Polizei auf Reizgas zurück, also auf eigene Einsatzmittel. (Die Polizei teilte gestern mit, dass etwa 80 Polizisten von einer unbekannten Flüssigkeit, die mit ABC-Masken geschützte Straftäter eingesetzt hätten, verletzt wurden. Kleine hält diese Angabe für „nicht glaubwürdig“; Anm. d. Red.). Zynisch ist vor allem die europäische Krisenpolitik, die tief in das Leben von Millionen Menschen eingreift. Das ist eine Krise, die Tote kostet. Zum Beispiel dadurch, dass in Griechenland das Krankenhauspersonal zusammengestrichen wird oder dadurch, dass die Krise für eine höhere Selbstmordrate sorgt. Wir müssen verstehen, dass diese Auseinandersetzung kein Spaß ist. Dass das, was da in Frankfurt angekommen ist, in der Dimension dazu in keinem Verhältnis steht.

Inwiefern?
Diese Krisen- und Verarmungspolitik geht maßgeblich von Deutschland aus, deswegen ist auch in Deutschland der Widerstand dagegen notwendig. Sie können sich denken, dass wir die Verletzungen – so viel ich weiß, ist auf unserer Seite nichts Lebensgefährliches passiert – nicht gut finden. Aber das ist dem Charakter dieser Auseinandersetzung geschuldet. Es ist auch das Resultat eines martialischen Polizeiaufgebots, das gegen alle Leute, die auf den Straßen waren, mit massiver Gewalt vorgegangen ist.

Aber Sie haben auch die Bilder gesehen, oder? Dass Polizeiwagen angezündet wurden, dass Polizisten mit Steinen beworfen wurden…

Ich weiß, dass es diese Dinge gegeben hat. Das sind nicht die Aktionen, die wir geplant hatten.

Haben Sie denn im Vorfeld damit gerechnet, dass es soweit kommen kann oder es sogar in Kauf genommen, dass es soweit gekommen ist?

Wie es konkret abgelaufen ist, hat uns in Teilen schon überrascht. Das war so nicht absehbar.

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