Interview : Björn Engholm: "Ein wenig Charme wäre hilfreich"

Björn Engholm über Stegner: 'Er ist keiner von diesen Glattgebügelten.' Foto: Dewanger
Björn Engholm über Stegner: "Er ist keiner von diesen Glattgebügelten." Foto: Dewanger

Über die Spitzenkandidatur von Ralf Stegner sprach unser Korrespondent Peter Höver mit dem vormaligen Ministerpräsidenten und SPD-Bundesvorsitzenden Björn Engholm.

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14. September 2008, 07:20 Uhr

Lübeck | Herr Engholm, ist Ralf Stegner der Richtige?

Ohne in jedem politischen Detail zu stecken, denn ich bin zu lange raus: Ich bin überzeugt, dass er der richtige Mann ist. Er besitzt klare Positionen, die sind sozialdemokratisch. Er ist keiner von diesen Glattgebügelten. Von denen haben wir viele in Deutschland. Er ist gut gebildet und besitzt Verstand. Und er gehört in Grenzen zur jüngeren Generation. Das alles ist nötig, um politisch Furore zu machen in einer Partei, die es ja sonst nicht leicht hat.

Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz und Spitzenkandidatur - so viel Macht in einer Hand war lange nicht. Geht das gut?

Wer solche Fragen stellt, kennt die Sozialdemokratische Partei nicht. Wer viel Macht in der Hand hat, löst viel kritisches Beäugen aus. Er wird nie sicher sein können, mit dieser Macht auch alles dominieren zu können. Ralf Stegner wird noch ein wenig zulegen müssen in seiner Fähigkeit zusammenzuführen - Willy Brandt hat das "versöhnen" genannt. Das ist ein bisschen zu viel Herz, aber der Versuch, mit dieser Macht nur eine Linie durchsetzen zu wollen und andere außen vor zu lassen, wird scheitern. Ich denke, er ist klug genug, das zu wissen.

Die größten Erfolge hatte die Landes-SPD in den Jahren, als die Macht verteilt war - Sie als Fraktionschef oder späterer Ministerpräsident, Günther Jansen oder Gerd Walter als Parteichefs.

Das gilt im Prinzip auch für die guten Zeiten der SPD auf der Bundesebene, als wir die Arbeitsteilung zwischen Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner hatten. In der jetzigen Phase, in der die SPD bei Umfragen mit eben über 20 Prozent schwer unter Druck steht, da ist es wichtig, die Ämter zusammenzufassen. Wenn es Stegner gelingt, und ich hoffe das persönlich, Ministerpräsident zu werden, wäre es höchst sinnvoll, eine neue Arbeitsteilung zu überdenken. Ministerpräsident zu sein - und ein wenig mehr zu haben als nur nordfriesischen Humor -, das erfordert unendlich viel Arbeit.

Was fehlt Stegner noch?

Um es freundlich zu sagen, er ist noch nicht auf dem Weg zum Olympia-Sieg im Charme. Ein wenig Charme, ein gutes Quantum Verbindlichkeit ist hilfreich. Es gibt Menschen, die zweifeln, welche Position sie einnehmen sollen bei einer Wahl. Da ist es ganz gut, wenn man denen auch im persönlichen Stil ein Stück entgegenkommt.

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