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Mülltrennung in SH : Bio-Abfall: Jetzt kommt die Pflichttonne

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Viele Menschen in SH trennen schon Bioabfall von Restmüll. Das Land ist bundesweit Spitze. Der Umweltminister fordert: Noch mehr Müll trennen. Und die Kreise haben Lust auf Bio-Abfall - das kommt nicht von ungefähr.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 06:39 Uhr

Kiel | Biotonne: hui oder pfui? Diese Frage wird derzeit im Land kontrovers diskutiert. Der Grund: Ab Januar müssen Haushalte bundesweit ihren Bioabfall – von der Kartoffelschale bis zum Kaffeefilter – vom Restmüll trennen. Viele Schleswig-Holsteiner machen das schon, andere bekommen in diesen Tagen eine zusätzliche Bio-Tonne vor die Haustür gestellt – ob sie wollen oder nicht. 

Pro Kopf sammelt jeder Schleswig-Holsteiner derzeit rund 76 Kilogramm Biomüll im Jahr. Zum Vergleich: In Brandenburg sind es nicht einmal drei Kilo, der Bundesschnitt liegt bei 50 Kilo. Der Norden ist bei der Mülltrennung also schon heute Spitze und will diese Position offenbar weiter ausbauen. „Wir wollen die Kreise dazu bringen, noch mehr Bioabfall über die Biotonne zu erfassen und hochwertig zu verwerten. Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft“, erklärt Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Dabei schlagen die Kreise unterschiedliche Wege ein. Unter dem Protest vieler Bürger hat etwa Rendsburg-Eckernförde für alle, die auf  Eigenkompostierung im Garten pochen, die Gebühren für die Reststofftonne kräftig erhöht. So soll der Anteil der Haushalte mit brauner Tonne  – heute sind es im Kreis rund 62 Prozent – weiter erhöht werden.

Schleswig-Flensburg hingegen setzt auf Anreize, obwohl hier die Quote nur bei gut 30 Prozent liegt. „Wer die Biotonne nimmt, kann eine kleinere Reststofftonne nehmen und spart so Geld“, erklärt Gabriele Dunker-Ulbrich von der kreiseigenen Abfallentsorgung. Auch in der Landeshauptstadt Kiel setzt man auf die Einsicht der Bürger und will nicht gleich die große Keule herausholen.

Vorbildlich sind schon jetzt die Kreise Dithmarschen, wo 80 Prozent aller Haushalte eine Biotonne haben, sowie der Kreis Stormarn mit 75 Prozent. Laut „Kreislaufwirtschaftsgesetz“ müssen bis zum Jahr 2020 mindestens 65 Prozent des Mülls stofflich verwertet werden – eine Quote, die der Norden locker erreicht.

Für die Eigentümerorganisation Haus&Grund sind das Gesetz und das Drehen an der Gebührenschraube „ein neuerlicher Beweis dafür, dass Eigenverantwortung nichts mehr gilt“. Es sei „Irrsinn und ein Systemfehler, wenn Bürger, die ihre Abfälle brav auf den Komposthaufen tragen, zur Strafe höhere Restmüllgebühren zahlen sollen – wofür denn?“, fragt Verbandschef Alexander Balcez.

Doch die Lust der Kreise auf Biomüll kommt nicht von ungefähr. Kaffeefilter und Kartoffelschalen sind Wertstoffe, aus denen Gas und Kompost gewonnen werden. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde macht es vor: 650.000 Euro brachte ihm die Biomüll-Sammelei im vergangenen Jahr ein – und das soll noch mehr werden.

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