Förderprogramm „Bildungsbonus“ : Bildungsministerin will Schulen in sozial schwierigen Lagen helfen

Der Bildungserfolg soll laut Karin Prien (CDU) nicht länger von der sozialen Herkunft abhängen. Die Unterrichtsqualität soll verbessert werden.

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12. September 2018, 17:13 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will mit dem neuen Förderprogramm „Bildungsbonus“ gezielt Schulen in sozial schwierigen Lagen unterstützen. „Wir müssen besser werden bei der Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg“, sagte Prien am Mittwoch in der Kieler Universität zum Auftakt einer Fachtagung mit rund 100 Experten aus Wissenschaft und Schule. Prien will Nachteile ausgleichen und die Qualität des Unterrichts an solchen Schulen verbessern.

„Zum Schuljahr 2019/20 starten wir mit zusätzlich zwei Millionen Euro, die Mittel werden jährlich aufwachsen auf zehn Millionen im Jahr 2022“, sagte Prien. „Der Bildungsbonus, den wir in Schleswig-Holstein auf den Weg bringen, soll ein Aufbruch zu mehr Bildungsgerechtigkeit und damit zu mehr sozialer Gerechtigkeit sein“, betonte Prien. Die Hilfe solle passgenau sein: „Es wird kein Gießkannenprinzip geben. Wir werden uns auf Schulen konzentrieren, an denen der Bedarf am größten ist.“

Schulen sollen nicht zusätzlich diskriminiert werden

Wie viele Schulen Hilfen erhalten, stehe noch nicht fest, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Es sei auch noch offen, ob sie überhaupt öffentlich bekanntgegeben werden. „Es muss verhindert werden, dass Schulen durch den Bildungsbonus zusätzlich diskriminiert werden - der sensible Umgang mit Daten scheint mir wichtig zu sein.“ Das an der Kieler Uni ansässige Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) hat laut Prien nach einer Ausschreibung den Auftrag erhalten, bis Anfang 2019 einen Sozialatlas als Grundlage für die Auswahl der Schulen zu erarbeiten.

„Die Kriterien für die Schulauswahl stehen noch nicht fest“, sagte die Ministerin. „Aber natürlich geht es um Kinder mit Migrationshintergrund, es geht um Transferbezug, den Bildungsstand der Eltern, ob sie arbeiten oder arbeitslos sind, das Vorhandensein von Kulturgütern wie Bücher, also den Zugang zu Kultur und schließlich auch die Ergebnisse unserer Lernstandserhebung.“

Eltern sollen mit einbezogen werden

Der „Bildungsbonus“ soll gemeinsam mit den Schulen und individuell flexibel ausgestaltet werden. Man setze dabei auch auf Abstimmung mit der Schulaufsicht. Voraussetzung für Zuschüsse sei vor allem ein nachvollziehbares Konzept und die Bereitschaft, den Erfolg zu prüfen. Ganz wichtig sei, die Eltern einzubeziehen. „Wir müssen sie stark machen, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können“, sagte Prien. Das Ministerium werde die Schulen auch fachlich unterstützen.

So soll ein Konzept gegen Schulverweigerung (Schulabsentismus) entwickelt werden, wenn also Kinder die Schule schwänzen oder von ihren Eltern vom Schulbesuch zurückgehalten werden. „Das ist inzwischen ein nennenswertes Problem in Schleswig-Holstein“, sagte Prien und verwies auf Gespräche mit Schulleitern und Lehrern. „Das Phänomen Schulabsentismus werden wir mit allen Beteiligten - auch der Jugendhilfe und der Polizei - nochmal neu überdenken.“

Den „Bildungsbonus“ wertet Prien als wichtigen Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit - „eines der zentralen Ziele der Jamaika-Koalition“, betonte die Ministerin. „Solange ich Einfluss darauf habe, werde ich dieses Förderprogramm erhalten.“ Bildungsgerechtigkeit sei aber nicht allein Aufgabe der Bildungs- und Landespolitik, sondern auch der Kommunen und Städte im Bereich der Stadtentwicklung. Außerdem helfe der Bund mit sozialpolitischen Maßnahmen - etwa dem Programm gegen Kinderarmut, der Erhöhung des Kindergeldes oder einem besseren Teilhabe- und Bildungspaket und dem Startchancenpaket - all das gehöre zusammen.

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