Gespräch im Landeshaus : Beschluss: Hafen Friedrichskoog wird geschlossen

Der Hafen Friedrichskoog (Dithmarschen) aus der Luft.
Der Hafen in Friedrichskoog soll nach dem Willen der Landesregierung in Kiel seinen Status als Landeshafen verlieren.

Es war die wohl letzte Diskussion zwischen Fischern aus Friedrichskoog und Kieler Politikern über die Zukunft des Hafens. Das Land hat heute entschieden, ihn aufzugeben. Er soll zu einem Erlebnishafen umgebaut werden.

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18. März 2014, 12:46 Uhr

Friedrichskoog/Kiel | Das war’s. Das Land wird den Hafen in Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) zum Jahresende schließen. „Es gibt keine wirtschaftliche Alternative dazu“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) nach einem emotionalen Treffen mit Friedrichskoogs Bürgermeister Roland Geiger und Vertretern der Bürgerinitiative in Kiel. Das Land spare mit der Schließung 1,2 Millionen pro Jahr an Investitionen und 575.000 Euro an laufenden Kosten. In den vergangenen Jahren hatten immer weniger Fischer und Sportbootfahrer den Hafen angesteuert. Vor allem die immer wieder nötige Ausbaggerung der Fahrrinne sei nicht mehr finanzierbar gewesen, so Meyer. „Es bringt nichts, gegen die natürlichen Begebenheiten anzusubventionieren“, ergänzte Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Meyer bemühte sich, die positiven Seiten der Schließung hervorzuheben. „Das Land wird eine siebenstellige Summe für ein touristisches Konzept zur Verfügung stellen“, so Meyer. Im Juni sollen die Pläne dafür vorliegen. Dann könnte ein Erlebnishafen entstehen, auch der Betrieb der Seehundstation sei sichergestellt. „Ich hoffe, dass das keine leeren Versprechungen sind“, sagte der sichtlich enttäuschte Roland Geiger, der auch Unterstützung des Landes bei Betriebskosten für neue Projekte forderte. „Sonst habe ich Angst, das Friedrichskoog ausblutet.“

Für den Fischereihafen Friedrichskoog gibt es endgültig keine Zukunft mehr. „Ein Weiterbetrieb als Landeshafen ist wirtschaftlich nicht vertretbar“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) nach einem Treffen mit Fischereiminister Robert Habeck (Grüne), Friedrichskoogs Bürgermeister Roland Geiger und Vertretern örtlicher Bürgerinitiativen in Kiel. Alle Varianten seien durchgerechnet worden, sagte Habeck. Der Hafen soll nun zu einem Erlebnishafen umgebaut werden mit der Seehundstation als Kernstück. Geiger sagte, er sei weiter der Meinung, der Hafen hätte bleiben sollen.

Ein paar Krabbenkutter, Fisch-Bistros, ein Indoor-Spielplatz im Gebäude in der Form eines Wals und die bekannte Seehundstation – so liegt der Hafen hinter dem Deich vor der Elbe-Mündung in die Nordsee. Der Hafen in Friedrichskoog ist der touristische Höhepunkt des idyllischen Örtchens im Kreis Dithmarschen. Doch dem Land Schleswig-Holstein passiert dort wirtschaftlich zu wenig. Im Jahr kommen 73 Kutter ins Rugenorter Loch mit seinem 160 Jahre alten Hafenbecken hinter der Schleuse. Jeder Anlauf kostet den Steuerzahler 10.000 Euro. 350.000 Euro pro Jahr kostet allein das Ausbaggern der Fahrrinne zum Deich, die immer wieder versandet. Dies führt dazu, dass die meisten der 24 in Friedrichskoog gemeldeten Krabbenfischer ohnehin nach Büsum fahren, um ihre Fänge zu löschen. „Wir müssen die Region insgesamt sehen“, sagt deshalb der Wirtschaftsminister, will das Geld für Friedrichskoog sparen und den Hafen in die Hände der Gemeinde geben. Doch die kann sich den Unterhalt nicht leisten.

Meyer war bereits vor Ort, traf im Februar nicht nur auf wütende Friedrichskooger, sondern auch auf ihren Bürgermeister Roland Geiger. Der sagte dorft: „Wir unterhalten uns nicht darüber, was passiert, wenn der Hafen geschlossen wird, sondern wir unterhalten uns darüber, was passiert, damit wir den Hafen offen halten können.“ Der Hafen habe keine überregionalen Aufgaben mehr und fungiere auch nicht als Schutzhafen, sagt Meyer. Somit sei die Funktion als Landeshafen nicht mehr gegeben. Der Vorsitzende des Fischereivereins, Dieter Voss, argumentiert, dass zwar viele Friedrichskooger Fischer in Büsum anlanden, aber im Heimathafen ihre Kutter warten und reparieren lassen. „In Büsum ist dies nicht möglich. Die Slipanlagen dort sind heute schon überlastet.“ Mit der Schließung des Hafens würden somit auch Arbeitsplätze im Handwerk, vor allem aber im Tourismus verloren gehen – denn was wäre Friedrichskoog ohne seinen Hafen?

Das gesteht auch Meyer ein. Er garantiert den Fortbestand der Seehundstation und will Friedrichskoog zu einem „touristischen Leuchtturm“ machen, vielleicht mit einem Museumshafen. Er versichert, die Landesregierung werde die Menschen in Friedrichskoog nicht alleine lassen und die Gespräche weiterführen. Eines davon findet heute in Kiel statt – zwischen Meyer, Geiger, Dithmarschens Landrat Jörn Klimant und Umweltminister Robert Habeck. Aber Meyer betont auch: „Wir wollen nicht gegen den Strukturwandel ansubventionieren.“

In der Frage um den Fortbestand des Hafens spielt auch Hamburg eine Rolle: Nach Ansicht der Fischer steht die Hansestadt in der Pflicht, denn vor der Unterelbe wird Baggergut aus dem Hamburger Hafen verklappt. „Das treibt zu uns rüber, deshalb versanden wir so stark“, berichtet Dieter Voss, der wie seine Mitstreiter Zweifel daran hat, ob die Schließung des Hafens tatsächlich günstiger wird als der Fortbestand. Denn es müsste anstelle der Schleuse ein Schöpfwerk gebaut und unterhalten werden, um die Köge zu entwässern. Die Baukosten gehen in die Millionen und jedes Jahr fallen Energiekosten von etwa 140.000 Euro an. So ist Voss, der seit Jahren für den Erhalt des Hafens kämpft, davon überzeugt, dass es gar nicht ums Geld geht, sondern um die Ausweitung der Nullnutzungsflächen im Nationalpark Wattenmeer. „Wenn der Hafen geschlossen wird, gibt es zwischen Neufeld an der Elbe und der Vogelschutzinsel Trischen keinen Schiffsverkehr mehr. Nur die Bohrinsel Mittelplate wäre noch ein Störfaktor.“

Schleswig-Holsteins Landeshäfen:

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