Kieler Landtag : Bernd Buchholz will Marschbahn-Pendler entschädigen

Die Marschbahn fährt auf der Strecke Niebüll-Klanxbüll.

Die Marschbahn fährt auf der Strecke Niebüll-Klanxbüll.

Um die Sylt-Pendler zu entlasten, hat der Landtag den Druck mit einem Forderungskatalog auf die Deutsche Bahn erhöht.

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23. Februar 2018, 14:54 Uhr

Kiel | Züge kommen verspätet auf Sylt an, fallen aus, sind überfüllt und schmutzig. Die Pendler sind sauer und blicken besorgt auf die nahende Saison. Landtag und Regierung erhöhen den Druck auf die Bahn.

Der Bahnverkehr nach Sylt rollt immer noch viel zu holprig. Verärgert darüber zeigten sich am Freitag im Kieler Landtag Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und Sprecher aller Fraktionen. Der Landtag beschloss einstimmig einen Forderungskatalog an die Deutsche Bahn und appellierte an die Landesregierung, Vertragsverletzungen seitens der Bahn „unmittelbar zu sanktionieren“.

Buchholz gab bekannt, er habe schon Nägel mit Köpfen gemacht und der Bahn einen vertraglich nicht vorgesehenen Sondermalus angekündigt. Für jeden Monat, in dem die Pünktlichkeitsquote unter 90 Prozent bleibe, wolle das Land 250.000 Euro einbehalten und für jeden Monat mit mehr als ein Prozent Zugausfall 100.000 Euro.

In der vierten Kalenderwoche habe die Quote nur 48,4 Prozent betragen, sagte Buchholz. Danach sei sie gestiegen, aber immer noch deutlich unter den vertraglich vereinbarten 93 Prozent geblieben. Für Februar wolle das Land jetzt den Sondermalus realisieren und diesen notfalls auch juristisch ausfechten, sagte Buchholz. Er kündigte zudem für 2017 einmalige Entschädigungen für Pendler auf der Strecke Itzehoe-Westerland an: 50 Euro für Monatskarteninhaber der 2. Klasse und 75 Euro für die 1. Klasse.

Nach dem von den Koalitionsfraktionen CDU, Grüne und FDP eingebrachten Forderungskatalog des Landtags sollen die Züge deutlich pünktlicher sowie Reparatur- und Personalkapazitäten verbessert werden. Die Bahn hatte selbst vor kurzem einen Sieben-Punkte-Plan als Besserungskonzept vorgestellt, das aus Sicht von Kritikern aber nicht hinreichend funktioniert.

Die Situation der Marschbahn, die das Festland mit Sylt verbindet, ist nach Ansicht einer Pendlerinitiative immer noch desolat. Deren Sprecher Achim Bonnichsen listete die anhaltenden Probleme auf: akuter Fahrzeugmangel, Unpünktlichkeit, technische Probleme wie defekte Klimaanlagen, Bremsen oder Türen. Zudem fielen Züge aus, weil sich Zugführer kurzfristig krankmeldeten und aufgrund der Personalsituation niemand einspringen könne.

Von absolut inakzeptablen Zuständen sprach FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. „Die Situation auf der Marschbahn ist für die Pendler ein Desaster“, sagte auch der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel. Er griff den Minister an: „Auf der Marschbahn hat er bisher absolut nichts erreicht.“

Der CDU-Politiker Lukas Kilian bescheinigte der SPD „Verantwortungspingpong“. Ihr Ex-Minister Reinhard Meyer hat aus Sicht der Koalition für die Marschbahn nichts zustandegebracht. Menschen verlören ihre Jobs, weil sie wegen ausfallender Züge oft zu spät kämen, sagte Kilian. Beschäftigte haben auch von sich aus ihren Job auf Sylt aufgegeben und Arbeit auf dem Festland gesucht.

„Zu spät, zu dreckig, gar nicht“ – so beschrieb der Grüne Andreas Tietze die Lage. „Die Menschen an der Westküste sind es leid“. Die Deutsche Bahn lasse Infrastruktur verrotten. Tietze brachte die Überlegung ins Spiel, die Strecke in Landeshoheit zu übernehmen. Ein Antrag mit bloßem Appellcharakter reiche nicht aus, meinte Volker Schnurrbusch von der AfD. „Die Bahn hat uns lange genug an der Nase herumgeführt“, beklagte Flemming Meyer vom SSW.

Minister Buchholz forderte die DB Netz auch auf, ein Konzept zur Qualitätsverbesserung vorzulegen. „Denn ein großer Teil der Verspätungen liegt am schlechten Zustand der Netz-Infrastruktur. Das Ergebnis ist aber immer noch unbefriedigend“, sagte er.

Das Pendlerproblem könnte sich demnächst wieder verschärfen, warnte Pendler-Sprecher Bonnichsen. „Die Saison geht wieder los.“ Das heißt zum einen, dass mehrere hundert Pendler zusätzlich täglich nach Sylt pendeln, weil sie als Saisonkräfte in der Gastronomie arbeiten. Andererseits wird es für viele Arbeitgeber schwieriger, diese Kräfte zu finden, wie Bonnichsen sagte. „Es wird händeringend Personal gesucht, doch viele wollen nicht mehr auf Sylt arbeiten.“

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