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Behandlung nach Dringlichkeit – nicht nach Kalender

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holsteinische Ärzteschaft fordert im Kampf gegen zu lange Wartezeiten Eil-Überweisungen zum Facharzt

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Sechs Wochen Warten auf die Behandlung beim Orthopäden, zwölf Wochen beim Augenarzt – die schwarz-rote Koalition will jetzt eine Termingarantie einführen. Neu eingerichtete Servicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sollen dafür sorgen, dass Patienten binnen vier Wochen behandelt werden.

Doch die Ärzteschaft ist wenig begeistert. Ihr oberster Standesfürst Frank Ulrich Montgomery macht deshalb einen Gegenvorschlag: Hausärzte sollen auf der Überweisung ankreuzen ob die Behandlung dringend ist. Wer nur zu Routineuntersuchungen soll, kann warten.

Mit dem Vorstoß will Montgomery vor allem verhindern, dass die schwarz-rote Koalition damit ernst mache, allen Patienten, die nicht binnen vier Wochen einen Termin erhalten, den freien Zugang zu Klinik-Ambulanzen zu öffnen – wo sie dann zu Lasten des Budgets der Niedergelassenen Ärzte behandelt werden.

Auch in Schleswig-Holstein regt sich Widerstand: „Kapazitätsprobleme werden dadurch nicht gelöst, sondern nur neue Bürokratie geschaffen“, erklärte gestern Delf Kröger von der KV in Bad Segeberg. Insofern weise Montgomery mit seinen Dringlichkeits-Überweisungen den richtigen Weg. „Allerdings wird dieser Weg im Praxisalltag längst beschritten“, so Delf. Bei wichtigen Fällen hänge sich der Hausarzt sogar selbst ans Telefon, um seinen Patienten beim Facharzt anzukündigen und eine zeitnahe Untersuchung zu vereinbaren. „Das Terminmanagement muss in den Händen der Ärzte bleiben und die Vergabe allein nach medizinischen Kriterien erfolgen“, so Delf. Zudem – so die Beobachtung der KV – bieten viele Fachärzte in Schleswig-Holstein inzwischen Akut-Sprechstunden an. Die sind für unangemeldete Patienten allerdings oft mit längeren Wartezeiten verbunden.

Dass Patienten sich auch im Krankenhaus behandeln lassen können, wenn sie keinen zeitnahen Termin bekommen, hält Montgomery „für unsinnig“. Die Kliniken sind schon jetzt überfüllt, klagen über Ärztemangel und nicht auskömmliche Vergütungen in der ambulanten Versorgung. Erst kürzlich hatte das Uni-Klinikum Schleswig-Holstein Millionen-Defizite durch die zu geringen Kassenleistungen bei der Behandlung von Patienten beklagt, die nicht stationär aufgenommen werden. Trotz dieser Bedenken hält SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach an der exakten Umsetzung des Koalitionsvertrags fest, um die Ungleichbehandlung zwischen Privat- und Kassenpatienten bei der Terminvergabe abzubauen.

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