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Öffentlicher Dienst : Beamte dringend gesucht – auch in SH

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In SH braucht allein die Landesverwaltung 18.000 Nachwuchskräfte. Personallücken gibt es in mehreren Berufen.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 06:28 Uhr

Kiel | Noch findet Vater Staat Nachwuchskräfte für Behörden. Doch es wird immer schwieriger. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) warnt: 170.000 Stellen bei Bund, Ländern und Kommunen sind unbesetzt. DBB-Chef Klaus Dauderstädt: „Es brennt. Wir brauchen eine Personaloffensive, um junge Menschen für den öffentlichen Dienst zu begeistern.“

In Schleswig-Holstein sieht es kaum besser aus. Experten in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) haben hochgerechnet: In den nächsten zehn Jahren braucht allein die Landesverwaltung trotz notwendigen Stellenabbaus rund 18.000 Nachwuchskräfte.

Konkurrenten im Wettbewerb um kluge Köpfe sind nicht nur andere Bundesländer, auch die Wirtschaft sucht händeringend – und zahlt in der Regel besser. Zeigen junge Leute der Verwaltung die kalte Schulter, droht in Teilen der öffentlichen Daseinsvorsorge der Infarkt.

Schon zu Beginn des Jahres hat die Kieler Staatskanzlei eine Kampagne um den Behördennachwuchs gestartet. Die soll nach den Worten eines Regierungssprechers 2015 auf Messen, an Schulen und im Internet „noch einmal massiv verstärkt“ werden. Eng sei die Bewerberlage bei Gerichten und Staatsanwaltschaften, an Schulen fehlten Lehrkräfte für naturwissenschaftliche Fächer.

Nach einer DBB-Übersicht fehlen aktuell bei Städten und Gemeinden bundesweit 142.000 Fachkräfte. Dringend gesucht sind 120.000 Erzieher. In den Ländern sind 20.000 Lehrkräfte und 10.000 Polizeibeamte gesucht. Personallücken gebe es auch bei Feuerwehren, in Jobcentern, Jugend- und Gesundheitsämtern.

Ursache der Personallücken seien der Stellenabbau vergangener Jahre und die nach Ansicht des Beamtenbundes „nicht attraktive Bezahlung“ des Staatsdienstes. Dauderstädt sagte: „Wenn ein privater Arbeitgeber merkt, dass er den begehrten Ingenieur, Arzt oder IT-Fachmann nicht bekommt, legt er noch einen Tausender drauf. Das können Kommunen, Sozialversicherung oder das Finanzamt nicht.“

Ähnlich äußerte sich Schleswig-Holsteins DBB-Chefin Anke Schwitzer. Seit Jahren sei die Verwaltung von der Politik „zum Synonym für Stellenabbau und Einsparungen“ geworden. Dies habe eine „abschreckende Wirkung“ auf junge Leute. Um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu steigern, seien jeweils eine höhere Ausbildungsvergütung und Eingangsbesoldung nötig. Dauderstädt fordert zudem ein Ende der Praxis, bis zu 80 Prozent der Neueingestellten nur Zeitverträge zu geben.

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