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Landesbauerntag in Rendsburg : Bauern und Minister verstehen sich nicht

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In Rendsburg geht am Freitag eine Rede von Agrarminister Habeck in einem Pfeifkonzert unter. Zwischen Bauern und Politik herrscht derzeit eine große Kluft.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 15:35 Uhr

Rendsburg | Mit heftigen Protesten von Bauern gegen die Landwirtschaftspolitik von Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck (Grüne) hat am Freitagmorgen in Rendsburg der diesjährige Landesbauerntag begonnen. Die Bauern sind in wesentlichen Punkten anderer Meinung als die Politik - vor allem bei der Knickschutzverordnung und dem Dauergrünlanderhaltungsgesetz. "Es ist die Art, wie die Politik mit dem Begriff des Eigentums umgeht", sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. "Man entreißt uns nicht das Eigentum, aber die Verfügbarkeit darüber. Man schränkt die Nutzung ein, lässt und aber auf den Kosten sitzen." 

Habeck hielt dagegen. Immer wieder von Pfeifkonzerten und Zwischenrufen unterbrochen, forderte er ein Umdenken bei den Landwirten. Mit den Argumenten der Vergangenheit könnten nicht die Probleme der Zukunft gelöst werden, sagte der Minister in Rendsburg. In den vergangenen Jahren sei der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Falls sich nichts ändere, werde bei der Landwirtschaftsmesse Norla 2028 die Hälfte der Landwirte von heute keinen Hof mehr haben, warnte er. Aufgabe der Bauern sei nicht nur, die Menschen satt zu machen und auf dem Weltmarkt zu bestehen. Es gebe eine neue Aufgabe: Die Lebensmittelproduktion mit dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu versöhnen und dennoch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sagte Habeck. Den meisten Landwirten seien Natur, Umwelt, Wasser und Tierwohl keineswegs egal. Viele würden in ihren Betrieben schon heute nach Wegen suchen, Dinge anders zu machen.

"Wir Bauern wissen, was wir tun: Wir sind die Tierkönner. Und wir sind die Pflanzenkenner", betonte Schwarz. Die Verbraucher würden den Landwirten "völlig zu Recht" vertrauen. Dem widersprach der Minister. Das Problem: Landwirte, die 30 Jahre lang auf ihre Art gewirtschaftet haben, stehen heute fassungslos vor einer Gesellschaft, die nicht weiß, wie ein moderner Schweinestall aussieht. Dennoch sage sie auf einmal: So wollen wir es gar nicht haben, betonte Habeck und bot eine Lösung an: "Innovative Betriebe, bei denen die Rahmenbedingungen als erstes stimmen, werden einen gesellschaftlichen Vorteil haben, der auch ein ökonomischer Vorteil sein wird." 

Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die Landwirte und ihr Minister jedoch bislang nicht. "Wir verstehen uns nicht: Ich kann ihnen meine Argumente vortragen, und Herr Schwarz trägt die Argumente der Bauern vor", lautete Habecks Fazit.

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