zur Navigation springen

Langfristige Nutzung : Aus Flüchtlingsunterkünften sollen Studentenwohnheime werden

vom

An Schleswig-Holsteins Hochschulen sollen Erstaufnahmen für Flüchtlinge Entstehen. Innenminister Studt hat auch Ideen für eine langfristige Nutzung der Gebäude.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 19:38 Uhr

Kiel | Innenminister Stefan Studt (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, die geplanten Flüchtlingsunterkünfte an den Hochschulen des Landes so zu gestalten, dass sie später von Studenten oder Senioren bewohnt werden können. Eine „Task Force“ mit Sonderbeauftragten seines Ministeriums soll mit den Unis und Fachhochschulen in Kiel, Flensburg, Lübeck und Heide sowie den betroffenen Städten schnell konkrete Lösungen entwickeln. Auf dem Flensburger Campus etwa ist dazu für Freitag ein Ortstermin angesetzt.

Die Grund-Idee für Erstaufnahmen für mindestens je 500 Personen tragen die Hochschulen mit. Jedoch gibt Flensburgs Uni-Kanzler Frank Kupfer zu bedenken, dass eine Nachnutzung einen Haken hat, wenn ein Campus seine Zukunft plant: „Der Zeitpunkt ist nicht bestimmbar – denn es weiß keiner, wann die Flüchtlingsströme abebben.“ Auch müssten die Domizile so konzipiert sein, dass sie eines Tages ohne großen Aufwand zielgruppengemäß umgebaut werden könnten: „Für Studenten ist eher das Einzel-Appartement marktgerecht“, betont Kupfer und zweifelt: „Ich weiß nicht, ob die Raumaufteilung auch für Flüchtlinge so wäre.“

Die Kieler Universität erwartet laut Sprecher Boris Pawlowski für eine Flüchtlings-Erstaufnahme auf ihrem Gelände „ein Konzept, das nicht im Widerspruch zu Entwicklungsperspektiven des Campus’ steht“. Es gelte, bestehende Erweiterungspläne der Uni mit dem Raumbedarf für Asylbewerber in Deckung zu bringen. Inhaltlich hat ein Flüchtlings-Domizil in studentischer Nachbarschaft für Pawlowski Charme. „So lässt sich Wohnen gut mit Integration und Lernen kombinieren.“ Er denkt laut über ein Modellprojekt nach, in dem Lehramtsstudenten Sprachunterricht und Freizeitangebote für Migranten organisieren.

Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken plädiert dafür, Wohnraum für Flüchtlinge und weitere Studenten auch zeitlich parallel eng benachbart zu schaffen. Er drängt darauf, mit dem Land bis Ende dieses Monats eine Grundsatz-Entscheidung zu fällen, wie und in welcher Größenordnung geplant wird. Schließlich müsse bis zum Winter wohl zumindest ein Teil der Quartiere fertig sein.

Der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, Martin Link, ermutigt das Land bei einer Aufnahme von Flüchtlingen auf Hochschularealen. Er verspricht sich im studentischen Umfeld eine hohe Akzeptanz; zudem seien Studenten und Flüchtlinge „beide Zuwanderer, die sich gegenseitig unterstützen können.“ Für eine bauliche Flexibilität der Unterkünfte rät Link, sich an Norderstedt zu orientieren. Dort gebe es eine landesweit einzigartige Bauweise von leicht teilbaren oder erweiterungsfähigen Flüchtlingswohnungen, die zugleich Platz für Beratungs- und Betreuungskräfte böten.

Beifall von allen Beteiligten erhält Studt für seinen Appell, der Bund solle ehrliche Prognosen über die erwarteten Flüchtlinge anstellen. Rechne man die Schätzungen der Landesregierung auf Deutschland hoch, seien 2015 bis zu 550.000 neue Asylbewerber realistisch – statt 300.000 wie vom Bund angegeben. Schleswig-Holstein erwartet rund 20.000.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen