Kritik an Blogeintrag : Antisemitismus-Vorwürfe gegen Mitglied der Jungen Union SH

Sorgt für Kritik: Der Blogeintrag der Jungpolitikerin Theresa Louise Priebe.
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Sorgt für Kritik: Der Blogeintrag der Jungpolitikerin Theresa Louise Priebe.

Theresa Louise Priebe ist Volontärin und berichtet in einem Blog aus Betlehem. Ein „Welt“-Redakteur und der eigene Landesverband üben Kritik an einem ihrer Artikel.

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20. Januar 2018, 14:17 Uhr

Theresa Louise Priebe ist Mitglied der CDU-Jugendorganisation (JU) aus Schleswig-Holstein und derzeit als Volontärin im von Israel besetzten Westjordanland unterwegs. Ein Blogeintrag über Jerusalem der Jungpolitikerin sorgt derzeit für heftige Kritik. Darin schreibt sie darüber, warum der Konflikt zwischen Israel und Palästina erst geklärt werden muss, „bevor Jerusalem zu irgendeiner Hauptstadt wird“. Welt-Redakteur Martin Niewendick wirft ihr in einem Kommentar vom Freitag eine „extreme Täter-Opfer-Umkehr“ vor und macht deutlich: „So schürt man den Judenhass“.

Priebe schreibt in ihrem Text darüber, dass „Palästinenser nicht alle Hamas“ seien und die Menschen „keine Juden aus dem Land vertreiben oder gar töten“ wollten. „Sie wollen schlichtweg kein besetztes Volk mehr sein, sondern eines mit Rechten und Bewegungsfreiheit, ob in einer Einstaat- oder Zweistaatenlösung.“ Sie kritisiert: „Trumps Anerkennung Jerusalems als die israelische Hauptstadt hat die letzte Hoffnung der Palästinenser genommen, dass es dazu noch kommen wird.“

Niewendick sieht das anders: Die Frau aus Rendsburg-Eckernförde nehme „den Leser mit auf eine aufschlussreiche Achterbahnfahrt durch kitschigen Antiimperialismus, Terrorverharmlosung und Geschichtsklitterung“. Der Welt-Redakteur kritisiert unter anderem, dass Priebe ein Palästinensertuch trägt, während sie für ein Foto vor einer israelischen Sicherheitsanlage posiert. Antisemiten und Israelhasser würden Palästinensertücher tragen, sagt Niewendick.

Außerdem wirft er Priebe eine „blumige Täter-Opfer-Umkehr“ vor, denn Priebe würde in ihrem Blogeintrag Vorgeschichten ausblenden und „die Mär von der zionistisch kontrollierten Lügenpresse“ reproduzieren. Unter anderem setzt Priebe in ihrer Einleitung in einer David-gegen-Goaliath-Metapher Palästinenser mit David gleich, Israel mit Goliath. „Der kleine David liegt am Boden, zappelt, wirft mit Steinen um sich und versucht immer wieder aufzustehen. Der Fuß Goliaths hält ihn jedoch am Boden. Die anderen Kinder auf dem Schulhof filmen, wie David aggressiv wird, wie er schreit, wie seine einzige Waffe ein paar Steinchen sind. Das Gezappel geht Goliath auf Nerven. Er springt einmal hoch und landet mit voller Wucht auf Davids Oberkörper. Jetzt zappelt nichts mehr. Goliaths Sprung haben die anderen Kinder nicht mehr gefilmt.“

Niewendick: „In der Realität ist Israel der David, nicht der Goliath. In Israel leben rund acht Millionen Menschen, davon rund zwei Millionen Araber, auf einer Fläche von der Größe Hessens. Demgegenüber steht eine gewaltige Übermacht arabischer Anrainerstaaten, die die Juden lieber heute als morgen ins Meer treiben würden. Das haben sie immer wieder unter Beweis gestellt.“ Dazu führt er an, dass Priebe wichtige Ereignisse ausblendet – wie zum Beispiel die Kriegserklärungen gegen Israel nach Ausrufung des Staates 1948.

Priebe plädiert in ihrem Blogeintrag dafür, beide Seiten anzusehen, „auch wenn die deutsche Berichterstattung zumeist die israelische Seite in den Blick nimmt“. „Setzen Sie nicht alle Palästinenser mit der Hamas gleich und gehen Sie Gesprächen mit ihnen nicht aus dem Weg. Für solche Gespräche müssen wir die Palästinenser jedoch erst einmal aufstehen lassen – auf Augenhöhe mit Israel. Dies ist ohne eine Einstellung der amerikanischen Importe von Waffen und Geld jedoch nicht möglich, denn einen weiteren Kampf wird David gegen Goliath im Heiligen Land nicht gewinnen.“

Tobias Loose, der Landesvorsitzende von Theresa Priebes JU-Landesverband, nennt den Text auf Welt-Anfrage „äußerst grenzwertig und wahrheitsverzerrend“. Meinungen dieser Art seien „sehr weit weg“ von der grundsätzlichen Beschlusslage. Nach Angaben von Loose gebe es in der Jugendorganisation derzeit eine Debatte darüber, in welchem Maße man abweichenden Meinungen auf JU-Kanälen Raum geben sollte. Ob der Nahost-Konflikt dafür ein geeignetes Thema ist, sei für ihn allerdings fraglich.

Anfang der Woche hatte der Verband die Bundesregierung aufgefordert, den Sitz der deutschen Botschaft ebenfalls nach Jerusalem zu verlegen und damit „auch anzuerkennen, dass West-Jerusalem die Hauptstadt Israels ist“.

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