Vorläufige Zahlen : Antisemitische Straftaten: Drei Fälle in SH, bundesweiter Anstieg

Demonstranten verbrennen am 10.12.2017 eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln.
Demonstranten verbrennen am 10.12.2017 eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln.

Vor allem rechts motivierte Täter sorgten für den Anstieg. Spitzenreiter ist Berlin.

shz.de von
08. August 2018, 13:32 Uhr

Kiel/Berlin | In Schleswig-Holstein sind im ersten Halbjahr 2018 drei antisemitische Straftaten von den Behörden registriert worden. Von den 16 Bundesländern verzeichnete lediglich Bremen keine einzige solcher politisch motivierter Taten, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf die quartalsweise Abfrage der Linken-Abgeordneten Petra Pau hervorgeht. Die Zahlen sind vorläufig, weil noch Taten nachgemeldet werden könnten.

Die Zahl gemeldeter antisemitischer Straftaten nahm bundesweit im ersten Halbjahr deutlich zu. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg sie von 362 auf 401 – ein Anstieg um 10,7 Prozent.

Der Anstieg ist maßgeblich durch eine Zunahme in der mit Abstand größten Untergruppe verursacht, der rechts motivierten Täter. Sie verübten 349 Taten (erstes Halbjahr 2017: 334). Aber auch in allen anderen Untergruppen wuchs die Zahl der antisemitischen Taten: bei links motivierten Tätern (sechs) ebenso wie bei solchen mit ausländischer Ideologie (zwölf) und religiöser Ideologie (neun). In Schleswig-Holstein waren zwei antisemitische Straftaten rechts motiviert und eine links.

Die mit Abstand meisten antisemitischen Straftaten registrierte im laufenden Jahr bislang Berlin (80), gefolgt von Bayern (43), wie zuerst der Berliner „Tagesspiegel“ (Mittwoch) berichtet hatte. Auf Platz drei folgt Niedersachsen (41).

Zahlen steigen in Hamburg

Die Zahl der gemeldeten antisemitischen Straftaten hat in Hamburg im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich zugenommen – wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. So gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit 18 Fällen bereits doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2017.

Laut den Zahlen der Bundesregierung wurden sieben der 18 Hamburger Fälle des laufenden Jahres der „politisch motivierten Kriminalität - rechts“ (PKM - rechts), also rechten Tätern zugeordnet. Ein Fall ist als „PKM - links“ und die übrigen zehn als „PKM - nicht zuzuordnen“ eingestuft.

Der Hamburger Senat hatte Ende Juni in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Wolf abweichende Zahlen vorgelegt. Er zählte bis dato sogar 30 antisemitische Straftaten im laufenden Jahr, davon 13 als „PKM - rechts“,zwei als links und 15 als nicht zuzuordnen. Auch nach diesen Zahlen nehmen antisemitische Straftaten in Hamburg deutlich zu. Wurden laut Senat 2015 noch 30 Fälle registriert, waren es 2016 schon 35 und im vergangenen Jahr 44. 41 davon wurden einem rechten Täterspektrum zugeordnet, drei als „PKM - religiöse Ideologie“ klassifiziert.

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