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Kontrollen der Bundespolizei : Anschlag in Kopenhagen: Bundespolizei kontrolliert an der Grenze bei Flensburg

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Die dänische Polizei sucht mit einem Fahndungsfoto nach dem Schützen von Kopenhagen. Die Grenzübergänge bleiben offen.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2015 | 23:00 Uhr

Kopenhagen | Nach dem Terroranschlag in Kopenhagen hat die Bundespolizei die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze verstärkt. Unter anderem überwacht sie nun an den drei Flensburger Grenzübergängen den Verkehr. Die Grenzübergänge blieben aber offen, sagte ein Sprecher. Am Samstagabend gegen 22.30 Uhr wurden an der A7 Sperren errichtet. Die Bundespolizei kontrollierte alle Fahrzeuge aus Dänemark auf dem Rastplatz Handewitter Forst. Nach Informationen der dpa verlegte die Bundespolizei außerdem Kräfte in die Region. Möglicherweise sollen feste Kontrollstellen eingerichtet werden. Zu taktischen Maßnahmen gebe man aber grundsätzlich keine Auskunft, hieß es.

Bei der Schießerei auf das Kulturzentrum Krudttønden im Stadtteil Østerbro wurde ein 40-jähriger Mann getötet. Drei Polizisten wurden verletzt. Die Polizei fahndet in ganz Dänemark nach einem Täter, der am Nachmittag gegen 16 Uhr von außen mit einem Maschinengewehr auf das Kulturzentrum gefeuert haben soll. Anfangs hatte die Polizei von zwei Verdächtigen gesprochen. Der Gesuchte soll zwischen 25 und 30 Jahre alt, 1,85 Meter groß und von sportlicher Statur sein. Außerdem habe er schwarze Haare. Der Mann habe eine dunkelblaue oder schwarze Skijacke getragen, sein Gesicht soll er mit einem Schal verdeckt haben. Es wurde auch ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Es stammt aus einer Überwachungskamera in der Nähe der Stelle, an der das Fluchtauto abgestellt worden war.

Der Mann war in einem VW Polo geflohen. Die Polizei habe das Fluchtauto inzwischen verlassen entdeckt, berichtet tagesschau.de. An den Hauptausfallstraßen Kopenhagens wurden am Samstagabend Straßensperren errichtet.

Die Bundespolizei beteiligt sich an der Suche nach dem mutmaßlichen Täter. Die dänischen Sicherheitsbehörden hätten um diese Unterstützung gebeten, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Ein Sprecher des Bundeskriminalamts sagte, die Entwicklung werde aufmerksam beobachtet. Man stehe in engem Austausch mit den dänischen Kollegen. „Wir bewerten die Lage fortlaufend“, betonte er. Für nähere Einschätzungen sei es aber noch zu früh.

Nach Angaben der Bundespolizei gibt es vier „große“ Grenzübergänge an der A7, der B200 und der B5 sowie in Harrislee sowie diverse weitere „kleine“ Übergänge. Eine Schließung der deutsch-dänischen Grenze steht nach Angaben des Bundesinnenministeriums momentan nicht zur Debatte. Dies sei eine „Ultima Ratio“, die derzeit nicht erwogen werde, sagte eine Sprecherin. Die zeitweise Wiedereinführung von Grenzkontrollen sei an strenge Kriterien geknüpft und komme nur in außergewöhnlichen Umständen in Betracht - etwa bei einer „ernsthaften Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder einer Gefährdung des Funktionierens des Schengenraums durch anhaltend schwerwiegende Mängel beim Schutz der Außengrenzen“.

„Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind“, sagte die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Die Polizei geht davon aus, dass der Anschlag dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks galt, der als Redner bei einer Veranstaltung zu Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit war.

Der schwedische Karikaturist Lars Vilks.
Der schwedische Karikaturist Lars Vilks. Foto: dpa

Der 68-Jährige wurde offenbar nicht verletzt. Er hat sich laut Medienberichten in einem Kühlraum aufgehalten. Auch der französische Botschafter in Dänemark, François Zimeray, war bei dem Anschlag anwesend und blieb unverletzt. Er twitterte nach der Schießerei, dass er lebend in dem Raum sei.

Inna Shevchenko nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil. Sie beschreibt auf Twitter, wie sie während ihrer Rede die Schüsse hörte. Sie habe gerade gesagt, dass Meinungsfreiheit in Europa oft nur eine Illusion sei.

Fünf Wochen nach dem blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris und den anschließenden Terrorattacken mit insgesamt 20 Toten lösten die Schüsse in Kopenhagen Panik aus. Zeitweise herrschte Chaos im Umfeld des Tatortes. In den Fenstern des Kulturzentrums waren Einschusslöcher zu sehen. 

Das Kulturzentrum in Kopenhagen.
Das Kulturzentrum in Kopenhagen. Foto: dpa
 

Am späten Abend durchkämmte die Spurensicherung das Café und das Gelände drumherum. Polizisten in weißen Overalls durchforsteten jeden Zentimeter in dem Gebäude aus rotem Ziegelstein nahe des Stadtparks Faelledparken, Spürhunde halfen ihnen.

Ein Teilnehmer der Diskussion sprach gegenüber der dänischen Zeitung Jyllands-Posten von etwa 30 Schüssen in etwa zwei Minuten. „Kurz nach 15.30 Uhr - der französische Botschafter hatte gerade gesprochen - hörten wir Schüsse aus der Halle“, sagte Dennis Meyhoff Brink.

Auf den Zeichner Lars Vilks war 2007 im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. Der schwedische Künstler hatte eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt und war schon mehrfach Ziel von Anschlägen.

Im Januar 2014 wurde in den USA die Amerikanerin Colleen LaRose alias „Dschihad Jane“ zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie nach Überzeugung des Gerichts zusammen mit islamistischen Verschwörern Vilks töten wollte. Das Mordkomplott wurde damals nicht ausgeführt. LaRose sei 2008 zwar nach Europa gereist, aber ein Treffen mit den Drahtziehern der Verschwörung kam nicht zustande, hieß es. Die Frau sei dann in die USA zurückgekehrt und später festgenommen worden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag in Kopenhagen als terroristischen Akt. „Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten jeder für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen“, sagte Steinmeier am Samstag bei einem Besuch in Peru. „Wir stehen ein für die Freiheit und wir wollen sie für die Menschen in unseren Staaten erhalten.“ Zusammen mit dem peruanischen Außenminister Gonzalo Gutierrez sprach er zugleich Dänemark sein Mitgefühl aus.

Auch die EU-Kommission verurteilte den Terroranschlag scharf. „Europa steht geschlossen mit Dänemark für Redefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Europa wird sich nicht einschüchtern lassen“, hieß es am Samstagabend in einer in Brüssel veröffentlichten Stellungnahme zu dem Attentat. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“

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