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Nach Keim-Krise am UKSH : Alheit unterstützt Gröhes Pläne gegen Klinikkeime

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat einen Aktionsplan vorgelegt. Die Bekämpfung multiresistenter Keime soll künftig beschleunigt werden.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2015 | 08:26 Uhr

Kiel/Berlin | Die Keimkrise am Kieler Uni-Klinikum hat den Stein ins Rollen gebracht: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CSU) macht jetzt Dampf bei der Bekämpfung antibiotika-resistenter Keime, an denen alljährlich in deutschen Kliniken Tausende sterben. Gestern legte er einen Aktionsplan vor. Demnach wird die Meldepflicht verschärft. Kliniken sollen künftig schon beim ersten Nachweis das Auftreten multiresistenter Keime den zuständigen Behörden und dem bundeseigenen Robert Koch-Institut Mitteilung machen, um die Keimbekämpfung zu beschleunigen. Zudem soll durch Schulungen der Ärzte der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika vermieden werden. Gröhe will auch prüfen, ob Patienten vor planbaren Klinikaufenthalten verpflichtend auf multiresistente Keime untersucht werden können.

Der Befall von 31 Patienten in Kiel mit dem multiresistenten Keim Acinetobacter baumannii geht nach wissenschaftlichen Analysen auf einen Türkei-Urlauber zurück. Der Mann war nach einem Unfall zunächst in einem Krankenhaus in der Türkei behandelt und im Dezember nach Kiel verlegt worden. Das türkische Krankenhaus hatte laut UKSH mitgeteilt, der Mann habe keine gefährlichen Keime. Dennoch sei ein Screening (Untersuchung) gemacht worden. Weil der Patient in Kiel aber notoperiert werden musste, konnte das UKSH das oft nach mehreren Tagen erst vorliegende Ergebnis nicht abwarten. Auf der Intensivstation war zudem kein Einzelzimmer frei.

Experten haben in den vergangenen Tagen vor Symbolpolitik gewarnt und das diskutierte Massenscreening mit den Fieberkontrollen auf der Stirn verglichen, die etliche Flughäfen zur Eindämmung von Ebola eingesetzt haben. Es sei weder technisch noch räumlich noch finanziell möglich, alle Patienten auf Keime zu untersuchen, bevor sie in die Klinik kommen. „Die Tests sind teuer“, bestätigt UKSH-Sprecher Oliver Grieve auf Nachfrage. Pro Test gegen den Keim Acinetobacter, der in Kiel für Aufregung sorgte, zahle das Klinikum knapp 1000 Euro.

Laut Grieve testet das UKSH schon heute alle Risikogruppen, zum Beispiel Patienten, die aus südost-europäischen Krankenhäusern nach Kiel verlegt werden. Bei der Fahndung nach mulitresistenten Bakterien werden Abstriche genommen und auf Kulturplatten aufgetragen, die mit Antibiotika versehen sind. Ob das Medikament wirkt und das Wachstum der Bakterien einschränkt, kann man meist erst nach 24 Stunden sehen. Neuere Techniken führen zwar schneller zu einem positiven oder negativen Befund, sind aber viel teurer. Besonders in Notfällen – wie im Februar in Kiel, als ein Schwerkranker aus der Türkei eingeliefert wurde – gibt es Probleme. „Legt man den Patienten auf die Intensivstation, besteht womöglich Ansteckungsgefahr, wartet man mit der Behandlung, bis das Testergebnis vorliegt, geht man das Risiko ein, dass er vorher verstirbt“, beschreibt Grieve das Dilemma.

„Die Kostenfrage darf keine Hürde für einen effektiven Infektionsschutz darstellen. Zumal wirksame Screenings helfen können, Krankheiten und damit auch Kosten im Gesundheitssystem insgesamt zu reduzieren“, meint Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD). Sie begrüßt, dass Gröhe ihre Forderung nach stärkerem Engagement gegen Klinikkeime aufgreift. „Dabei gehört auch die Vergütung von Tests auf die Agenda“, so die Ministerin. Das Kieler Kabinett hatte vergangene Woche eine Bundesratsinitiative dazu beschlossen, die an diesem Freitag eingebracht wird.

Experten im Bundesgesundheitsministerium gehen davon aus, dass sich das Problem mit multiresistenten Keimen künftig noch verschärft. Gründe dafür seien die zunehmend älteren und damit anfälligeren Patienten, die steigende Zahl komplizierter Eingriffe sowie die zunehmende Zahl gefährlicher Erreger.

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