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Demografischer Wandel in SH : Albigs Ideen: „Der ländliche Raum hat eine Zukunft“

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Mit neuen Ideen und Projekten die Probleme des demografischen Wandels entschärfen: Das ist das Ziel des ersten Demografie-Forums der Landesregierung. Das Treffen will Mut machen und Perspektiven bieten.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2014 | 13:59 Uhr

Neumünster | Fast trotzig beschwört Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Zukunftschancen des ländlichen Raums - trotz Überalterung und Strukturwandel. Bei der Eröffnung des ersten Demografie-Forums der Landesregierung am Mittwoch in der Stadthalle von Neumünster will Albig den rund 200 Fachleuten Mut machen, Perspektiven zu entwickeln. Solidarität und Lebensqualität könne der ländliche Raum besser bieten als jede Metropole, wo viele Alte vereinsamen, lautet die These Albigs. Neue Schulformen, neue Formen des Nahverkehrs, das alles lasse sich regeln, wenn man nur neue Ideen habe und sie ausprobiere.

Die Negativ-Szenarien des demografischen Wandels im Norden sind drastisch: Nachwuchs bleibt aus, Junge ziehen weg, Schulen schließen, die Kneipe ist dicht, der Landarzt geht in den Ruhestand. Bereits 2011 hat das Statistikamt Nord eine Prognose bis 2025 erstellt - mit teils alarmierenden Zahlen. Die Zahl der Kinder im Grundschulalter soll bis 2020 um 14 Prozent sinken, in Steinburg bis 2025 sogar um 27 Prozent.

Die Einwohnerzahl in Schleswig-Holstein sinkt ab 2015 bis 2025 um rund 43.000 (1,5%) auf rund 2.789.000. Ihn ärgere der Begriff der „Überalterung“, sagt Albig. Es sei „ein Gottesgeschenk“, dass viele Menschen viel älter werden als früher und Tatkraft bewahren. Er sei jetzt 51, sagt Albig und hoffe mit 70 eine andere Rolle in der Gesellschaft zu haben als noch sein Großvater. Die Gesellschaft müsse das Wissens- und Erfahrungspotenzial der Alten nutzen und Rollenangebote machen.

Ein anderes Stichwort: Schulbusse müssten nicht nur ein Ort des Verbringens sein, sondern könnten auch Orte des Lernens sein. Altersgerechte Wohnformen seien notwendig und eine angepasste Gesundheitsversorgung. Um Aufbruchstimmung zu erzeugen, werden auf der Tagung konkrete Beispiele in Filmberichten vorgestellt. Dabei geht es unter anderem um die Bereiche medizinische Versorgung, Wohnen, Verkehr und Lernen. „Best practice“, lautet dabei der Anspruch.

In Ladelund gibt's als Eigeninitiative einen Bürgerbus, der die Menschen in verschiedene Orte bringt - „mit großem Erfolg“. Smarte Ideen für den Nahverkehr hat zudem die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft entwickelt - noch als Projekt: Dazu gehören Car-Sharing, E-Bikes, Bürgerbus oder Leihfahrräder, Apps. Fernunterricht via Internet auf den Halligen ist ein anderes Beispiel. Die 16 Gemeinden im Amt Hüttener Berge haben eine eigene Demografiestrategie entwickelt, um Kirchturmdenken zu überwinden.

Als „Erfolgsmodell aus Schleswig-Holstein“ gelten sogenannte „Marktreffs“ in inzwischen 34 Gemeinden mit bis zu 2500 Einwohnern. Hier wird eingekauft, entwickeln sich Bildungs- und Gesundheitsangebote, begegnen sich Jung und Alt. Die Arbeiterwohlfahrt hat die KIWA begründet - die Koordinierungsstelle für Wohn- und Pflegeformen im Alter. Ziel ist es eine größere Angebotsvielfalt.

Applaus der Experten aus den Bereichen Politik, Soziales, Wirtschaft und Gesundheit bekommt auch das Modell „Wohnen für Hilfe“ des Studentenwerks Schleswig-Holstein: Studenten wohnen bei älteren Menschen und zahlen für ihr Zimmer nur 50 bis 60 Euro für Wasser und Strom. Dafür müssen sie pro Quadratmeter Wohnfläche im Monat eine Stunde im Haushalt helfen. Um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, planen Büsum, Lunden uns St. Michaelisdonn ein Hausarztzentrum mit angestellten Hausärzten. Das Sozialministerium will mit dem Konzept „seniorTrainerIn“ in den Kommunen Verantwortungsrollen für ältere Menschen fördern.

Die Landesplanung arbeitet an einem Landesentwicklungsplan, der ab 2017 greifen soll. Gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen auch in der Zukunft sind das erklärte Ziel. Wie die Probleme des demografischen Wandels zu lösen sind? „Es gibt noch keine richtige Antwort“, räumt Albig ein. Und so sollen die Teilnehmer zwei Postkarten ausfüllen zu den Fragen: „Welche Herausforderungen schätzen Sie am dringlichsten ein?“ und: „Welche Ideen haben Sie, um den demografischen Wandel zu gestalten?“ Im nächsten Jahr soll das Thema ein Schwerpunkt des Landesregierung sein und eine Strategie zur Landesentwicklung vorgestellt werden.

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