Zweifel an SPD-Sieg : Albig zur Bundestagswahl 2017: „Schwer, gegen Merkel zu gewinnen“

Hätte ein SPD-Kandidat eine reelle Chance gegen die Bundeskanzlerin? Torsten Albig hat da so seine Zweifel. Doch nicht jeder in der Nord-SPD sieht das so.

shz.de von
24. Juli 2015, 06:45 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat angesichts der Popularität von Kanzlerin Angela Merkel einen Sieg seiner Partei bei der Bundestagswahl 2017 offen infrage gestellt. Er habe keinen Zweifel, dass Parteichef Sigmar Gabriel „das exzellent machen wird“, sagte Albig dem Sender NDR 1 Welle Nord (Freitag). Aber: „Ich glaube, es ist schwer gegen diese Bundeskanzlerin zu gewinnen.“ Eine Regierungsbeteiligung könne daher auch Wahlziel für seine Partei sein.

Widerspruch erntete Albig umgehend aus der SPD in Schleswig-Holstein. SPD-Bundesvize Ralf Stegner teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Torsten Albig stimmen in den meisten Fragen überein - allemal was SH Politik betrifft.Was Kanzlerin Merkel angeht,gilt das nicht!Finis 2017!</p>&mdash; Ralf Stegner (@Ralf_Stegner) <a href="https://twitter.com/Ralf_Stegner/status/624263303552991232">23. Juli 2015</a></blockquote></center>

„Bei aller Übereinstimmung, die wir sonst haben: In der Frage bin ich wirklich anderer Auffassung und die SPD insgesamt auch“, sagte Stegner am Freitag. „Wir müssen natürlich immer den Anspruch haben, die Regierung zu führen.“

Natürlich habe Albig damit Recht, dass die Kanzlerin populär und schwer zu schlagen sei, sagte Stegner. „Aber es kann ja nicht unser Ziel sein, mit den Grünen darum zu wetteifern, wer der nächste Juniorpartner der Union wird.“ Die Umfragen sähen im Moment nicht günstig für die SPD aus. „Aber das heißt ja nicht, dass es nicht besser werden kann. Und dafür muss man kämpfen“, sagte Stegner. Bei ihm seien auf Albigs Aussagen „temperamentvolle Rückmeldungen“ aus dem Land und dem Bund eingegangen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix aus Eckernförde twitterte:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Torsten Albig ist ein ausgezeichneter Ministerpräsident - Angela Merkel aber keine ausgezeichnete Kanzlerin.</p>&mdash; Sönke Rix MdB (@SoenkeRix) <a href="https://twitter.com/SoenkeRix/status/624331320995528704">23. Juli 2015</a></blockquote></center>

Der Vorstoß sei „völlig abwegig“, sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi dem „Spiegel“. Sie betonte: „Die große Koalition ist eine Veranstaltung auf Zeit.“ Dafür kämpfe die SPD mit Politik, Programm und Personal. „Ich gehe davon aus, dass das auch für Schleswig-Holstein und seinen Ministerpräsidenten gilt.“

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hingegen freut sich über Albigs Prognose. Zu dessen Einschätzung sagte Tauber am Freitag in Berlin: „Es ist toll, dass viele Sozialdemokraten Angela Merkel für eine gute Kanzlerin halten - wie Torsten Albig. Aber die SPD soll sich aber keinen falschen Hoffnungen hingeben. Wenn Angela Merkel wieder antritt, dann für die CDU und nicht für die SPD.“ Zugleich warnte Tauber die Union davor, die nächste Bundestagswahl bereits als Selbstläufer abzutun.

Albig sagt in den NDR-Interview: „Ich glaube, jetzt reinzugehen und zu sagen, wir erwarten morgen die absolute Mehrheit, wäre ziemlich bescheuert, das glaubt uns doch kein Mensch.“ Bis 2017 sei es noch lange hin. „Aber wäre heute Wahl, dann finde ich, wäre es eine absolute legitime Wahlaussage, dass eine Regierung an der Sozialdemokraten beteiligt sind, eine bessere Regierung ist als eine, wo die CDU alleine regiert.“ Dafür brauche die SPD einen starken Kandidaten. „Ob da die Bezeichnung Kanzlerkandidat noch richtig ist, das werden wir sehen“, sagte Albig. „Er ist dann der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, und er sorgt dafür, wie wir das im Augenblick exzellent tun, dass sozialdemokratische Programmatik Gegenstand von vierjähriger Politik in Berlin ist, und dass wir nicht erleben, dass wir in der Opposition schöne Programme schreiben, die aber kein Mensch umsetzt.“

SPD-Chef Gabriel hatte es am Wochenende im ZDF-„Sommerinterview“ abgelehnt, zum jetzigen Zeitpunkt über die K-Frage zu reden. Für eine Festlegung, mit welchem Kanzlerkandidaten die SPD in den nächsten Bundestagswahlkampf ziehen werde, sei es viel zu früh. Auf die Frage, ob er sich dafür selbst in Stellung bringe, entgegnete Gabriel, es seien noch nicht mal zwei Jahre der Legislaturperiode vergangen. „Da macht es doch keinen Sinn, jetzt eine Debatte über Kanzlerkandidaturen zu führen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen