Bürgerkongress in Büdelsdorf : Albig macht Bürger zu Landesplanern

Bildung ist eines der Hauptthemen. Torsten Albig zeigt auf dem Bürgerkongress Kindern Fotos auf einem Smartphone. Foto: dpa
Bildung ist eines der Hauptthemen. Torsten Albig zeigt auf dem Bürgerkongress Kindern Fotos auf einem Smartphone. Foto: dpa

Regierungschef Albig bezieht Bürger in die Landesplanung ein. Knapp 100 folgten der Einladung zu dem Experiment. Ihre Ideen will die Regierung berücksichtigen.

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10. Juni 2013, 12:36 Uhr

Büdelsdorf | Bürgerbeteiligung hautnah: Die Landesentwicklungsplanung ist in Schleswig-Holstein nicht mehr nur eine Angelegenheit von Fachleuten. In Büdelsdorf bei Rendsburg diskutierten knapp 100 zufällig ausgewählte Bürger am Sonnabend untereinander und mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) darüber, wie sie sich die Zukunft des Landes vorstellen. Ihre Ideen und Vorschläge sollen in die Landesentwicklungsplanung bis 2030 einfließen. Es geht um Fachkräftemangel, neue Windanlagen, Arbeitsplätze auf dem flachen Land, bezahlbaren Wohnraum, gute und schlechte Lehrer und marode Schulen.
"Das ist ein Experiment", sagte Albig zum Auftakt, nachdem er fast jedem Teilnehmer an den 13 Tischen zur Begrüßung die Hand geschüttelt hatte. Die direkte Bürgerbeteiligung gebe der repräsentativen Demokratie zusätzliche Impulse. "Ich bin aufgeregt, gespannt und neugierig, was der Tag heute bringt." Die 50.000 Euro für den Kongress seien gut investiertes Geld. Er betrachte Landesplanung mehr aus politischer Sicht und nicht so technokratisch wie es bisher praktiziert worden sei.

Energiewende, Wirtschaft, Bildung

Nach einigen Stunden zieht der Regierungschef eine positives Fazit: "Die Menschen haben etwas beizutragen", sagte Albig. "Bürger sind Experten für ihre Lebenswelt", bestätigte Maik Bohne von der Kommunikations- und Strategieberatung Ifok, der den Bürgerkongress moderierte.
Energiewende, Wirtschaft, Bildung und das Älterwerden der Gesellschaft waren die inhaltlichen Schwerpunkte. Zunächst sammelten die Teilnehmer spontan Gedanken, Probleme und Vorschläge zu ihren Themen und leiteten sie umgehend über Laptops weiter. Viele gingen sofort zum Du über und diskutierten munter los. Albig hatte die Teilnehmer zu einer "intellektuellen Traumreise" eingeladen. Ein Redaktionsteam bündelte das Material und bereitete ein Aufgabenheft vor. Schon nach zwei Stunden waren 200 Aspekte eingegangen.

Wunsch nach einem Schulfach Glück

Das Spektrum reichte von Straßenbau und Fachkräftemangel über dezentrale Energieversorgung, die Stärkung der lokalen Wirtschaft und schnelleren Internet-Zugang auf dem Lande bis hin zu bezahlbarem Wohnraum und dem Wunsch nach einem Schulfach Glück.
Die engagierten Debatten offenbarten, dass die Teilnehmer den Kongress als Chance sahen. "Man fühlt sich nicht mehr so übergangen", sagte der Zaunbauer Mathias Abraham aus Dithmarschen. Sehr gut fand auch der Projektmanager den neuen Ansatz in der Bürgerbeteiligung. "Nun müssen wir sehen, was daraus gemacht wird und wie es weitergeht. Wird es ein Erfolg oder bleibt es ein Schönwetter-Gespräch?" Albig sagte zu, die Bürger per Newsletter regelmäßig über den weiteren Verlauf zu informieren.

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