zur Navigation springen

Erneuerbare Energien : Albig gegen Seehofer: Nord-Süd-Zoff um Stromtrassen

vom
Aus der Onlineredaktion

Braucht Bayern Strom aus Norddeutschland? Ministerpräsident Seehofer sagt: Vielleicht nicht. Albig kontert.

Kiel | Zwei Ministerpräsidenten streiten um die Erneuerbaren Energien: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ist skeptisch gegenüber dem Bau neuer Stromleitungen und will Bayern mit Gaskraftwerken versorgen. Aus dem Norden kontert sein Amtskollege Torsten Albig: „Der Strom aus den norddeutschen Windmühlen hält Bayern am Laufen. Wer meint, Abwehrkämpfe führen zu müssen, hat nicht verstanden, worum es geht.“

In Schleswig-Holstein sind die Vorbereitungen, den Strom bis in südlichere Gefilde Deutschlands zu bringen, schon weit fortgeschritten. Die Westküstenleitung soll von 2018 an in großer Menge Windstrom von Niebüll nach Brunsbüttel abführen. Die 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung des Netzbetreibers Tennet wird in vier Abschnitten gebaut: von Brunsbüttel bis Süderdonn, von dort weiter nach Heide, danach bis Husum und dann hinauf nach Niebüll. Mit dem Bau der Ostküstenleitung soll Mitte 2018 begonnen werden. Die Gesamtstrecke der Ostküstenleitung gliedert sich in drei Abschnitte: Aus dem Kreis Segeberg und dem Kreis Stormarn in den Raum Lübeck (Netzverstärkung der bestehenden 220 Kilovolt-Leitung), aus dem Raum Lübeck nach Siems (Netzverstärkung der bestehenden 220 kV-Leitung) und aus dem Raum Lübeck in den Raum Göhl (Neubau einer 380 kV-Leitung).

Und warum streiten die Ministerpräsidenten? Seehofer sagte der „Welt“ in einem Interview: „Die norddeutschen Länder setzen sehr auf Offshore-Windkraft. Aber auch Bayern hat Interessen.“ Bayerns Stromversorgung müsse künftig vorrangig mit Gaskraftwerken gesichert werden. „Und dann schauen wir, ob wir neue Stromtrassen überhaupt brauchen.“ Das werde in aller Ruhe entschieden.

Das wollte Albig nicht auf sich sitzen lassen. Die Zukunft der deutschen Energieversorgung liege in kluger überregionaler und internationaler Vernetzung und nicht in Kleinstaaterei, sagte Albig. Die Energiewende als Jahrhundertprojekt müsse in langen Zeiträumen gedacht werden. „Wer nur in Wahlperioden plant und nicht einmal die nahe Zukunft in zehn Jahren im Blick hat, wird der Herausforderung nicht gerecht.“

Energieminister Robert Habeck (Grüne) nannte Seehofer verantwortungslos. „Was da aus Bayern kommt, ist so weit abseits jeder energiepolitischen Vernunft und politischer Verantwortung, dass ich mich langsam frage, ob die geheime bayerische Agenda nicht ist, erneut aus dem Atomausstieg auszusteigen und die Energiewende zu sabotieren.“

zur Startseite

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 18:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen