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Kaverneninspektionen : AKW Brunsbüttel: Jetzt 136 beschädigte Atommüll-Fässer entdeckt

vom

Die Zahl der Rostfässer mit radioaktiven Abfällen im Kernkraftwerk Brunsbüttel steigt weiter. Am Montag soll die letzte der sechs Kavernen inspiziert werden.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 14:23 Uhr

Brunsbüttel | Die Zahl der stark beschädigten Atommüll-Fässer im stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel ist weiter gestiegen. In den Kavernen - unterirdischen Lagerräumen - seien bisher 409 Fässer untersucht worden, von denen 136 stark beschädigt seien, teilte das für die Atomaufsicht zuständige Umweltministerium am Freitag in Kiel mit.

Zuletzt waren in Kaverne III insgesamt 74 Fässer inspiziert worden, von denen 34 beschädigt waren. Die letzte der sechs Kavernen wird von diesem Montag an untersucht. Die Fässer dort seien schwierig zugänglich, hieß es. Auch hier sei mit erheblichen Schäden zu rechnen. „Die Zustände in den Kavernen sind erschreckend“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). „Wichtig ist es, dass die Fässer zügig geborgen werden, damit sie nicht noch weiter rosten. Wir wollen das AKW Brunsbüttel schnellstmöglich zurückbauen und frei von Atommüll bekommen.“

Der Stromkonzern Vattenfall und die Atomaufsicht versicherten, für die Bevölkerung und das Personal im Kernkraftwerk bestehe keine Gefahr, da die Beton-Kavernen mit meterdicken Riegeln geschützt seien. Sämtliche 630 Fässer in den Kavernen sollen noch in diesem Jahr - und damit früher als ursprünglich geplant - geborgen werden. Auf Wunsch der Atomaufsicht habe der Betreiber Vattenfall einen Zwei-Schicht-Betrieb eingerichtet, betonte Habeck.

Am Freitag reichte der Konzern ein Konzept zur Räumung der Kavernen und zur Umverpackung des radioaktiven Materials ein. Die Arbeiten sollen Anfang 2015 beginnen. Die Betreibergesellschaft will demnach die Fässer in fünf Schadenskategorien einteilen. Hierbei sollen verschiedene Greifertechniken zum Einsatz kommen. Zentraler Punkt des Konzeptes sei eine containerähnliche Abschirmung. Sie soll in einem Schadensfall bei den Aufräumarbeiten den Austritt von Radioaktivität in den Innenbereich des Kraftwerks verhindern und das Personal schützen, erläuterte eine Vattenfall-Sprecherin. Die Atomaufsicht prüft zurzeit das Konzept. Nach Ende der Inspektion von Kaverne VI soll es vorgestellt werden.

Der Inhalt sämtlicher Fässer soll nach der Bergung in Spezialbehälter umgefüllt werden, die für die Einlagerung in Schacht Konrad bei Salzgitter notwendig sind. Die Inbetriebnahme des Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle verzögert sich seit Jahrzehnten - jetzt wird frühestens 2022 damit gerechnet. „Für diese endlagerfähigen Behälter ist eine Vielzahl von Zulassungen nötig, die derzeit noch nicht komplett vorliegen“, so Vattenfall.

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