Rückbau des Atomkraftwerks : AKW Brunsbüttel: Habeck stellt sich Abriss-Kritikern

In zehn bis 15 Jahren soll das AKW Brunsbüttel Geschichte sein. Doch Kritiker befürchten eine erhöhte Strahlenbelastung durch den Abriss.

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06. Juli 2015, 07:29 Uhr

Brunsbüttel | Mit wenigen Teilnehmern hat am Montag in Brunsbüttel der Erörterungstermin zu dem geplanten Abbau des Atomkraftwerk Brunsbüttel mit Energieminister Robert Habeck (Grüne) begonnen. Bis zum Beginn der Veranstaltung fanden sich etwa 150 Menschen in der Halle ein.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel ist bereits seit 2007 wegen technischer Pannen nicht mehr am Netz. Jetzt soll es abgerissen werden. Betreiber Vattenfall hatte Ende 2012 den Rückbau des Kraftwerks beantragt. Gegen das Vorhaben haben fast 900 Menschen schriftlich Bedenken vorgetragen.

Die Entscheidung über den Abriss soll bis 2017 fallen. Der Energiekonzern rechnet für den vollständigen Rückbau des Atommeilers bis zur „grünen Wiese“ mit 10 bis 15 Jahren. Dafür hat er insgesamt 1,7 Milliarden Euro zurück gestellt.  Für die Kritiker stellen die Abrisspläne eine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung dar. Sie warnen vor einer Strahlenbelastung, die Vattenfall der Bevölkerung während des Abbaus zumute. Daher kamen viele Einwendungen gegen den geplanten Rückbau auch von erklärten Atomkraftgegnern, die nie ein AKW in Brunsbüttel oder anderswo haben wollten.


Insgesamt 300.000 Tonnen Material sind abzubauen: Stahl, Beton und Atommüll. Rund 96 Prozent des Materials sollen konventioneller Abfall sein. Aber auch um 6000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Abfälle geht es. Der Bau eines neuen, modernen Lagers dafür in Brunsbüttel ist ebenfalls beantragt. Bei der Anhörung wird es unter anderem darum gehen, wie hoch die radioaktive Belastung des Abfalls sein darf, der später auf Deponien landen oder im Straßenbau eingesetzt werden soll.

Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Grenzwert von zehn Mikrosievert. Das ist deutlich niedriger als die radioaktive Belastungen aus Nahrung oder Zigaretten. Der Rückbau des Atomkraftwerks soll im übrigen erst beginnen, wenn der Reaktor frei von Brennelementen sein wird. Derzeit sind dort noch so viele, dass für ihren Abtransport zur Zwischenlagerung - wohl nach Brokdorf - elf oder zwölf Castor-Behälter erforderlich sein werden.

Mit dem Rückbau kerntechnischer Anlagen gibt es schon Erfahrungen in Deutschland. An mehreren Standorten hat er begonnen, so in Stade (Niedersachsen) und in Greifswald (Mecklenburg-vorpommern).

Das AKW Brunsbüttel hatte 20 Prozent der im nördlichsten Bundesland verbrauchten Strommenge geliefert, wenn es am Netz war. Es gehört zu zwei Dritteln dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall und zu einem Drittel Eon. Der Meiler gehörte zu den acht Kraftwerken in Deutschland, die seit 2011 als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima keinen Strom mehr erzeugen dürfen.

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