Kreisverbände spinnefeind : AfD Dithmarschen hetzt auf Facebook öffentlich gegen Parteimitglied

<p>Julian Flak von der Alternative für Deutschland.</p>
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Julian Flak von der Alternative für Deutschland.

Der Angriff eines Mitglieds hat teils zu heftigen Reaktionen geführt. Den möglichen Urheber kannte man bereits.

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08. Februar 2018, 15:49 Uhr

Heide | „Zweifelhafter Kandidat vom AfD KV Segeberg zur Kommunalwahl aufgestellt“: Das ist nicht etwa ein polternder Tweet aus dem linken Lager, sondern ein Beitrag, den die AfD im Kreis Dithmarschen veröffentlicht hat. Verbunden war dieser wenig kameradschaftliche Anriss mit einem Verweis auf einen nicht mehr ganz frischen Internet-Artikel. Der verlinkte Text stellt das angesprochene Parteimitglied Julian Flak als Täuscher dar und verunglimpft ihn bis ins Persönliche. Hinter dem Portal stecke der „Bramstedter Kreis“ der Partei, wehrt sich der Angegriffene, das sei eine „parteiinterne Hetzanstalt“.

<p>Der Post, der die AfD durchrüttelte. </p>
Foto: Screenshot Facebook

Der Post, der die AfD durchrüttelte.

Dass bei der Alternative für Deutschland in SH im Großen wie im Kleinen mitunter ein unfreundlicher Ton herrscht, ist keine große Neuigkeit. Weil in diesem neuen Lagerkampf die Austragung des Richtungsstreits aber jegliche Parteimanieren außer Kraft setzte, gab es auf Facebook Redebedarf. Sogar der Fraktionsvorsitzende Jörg Nobis mischte sich ins Kampfgetummel der Kreisverbände ein. Doch zunächst meldete sich Flak zu Wort.

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Dass hinter dem hetzerischen Beitrag der Dithmarscher AfD-Kreisvorsitzende Mario Reschke steckt, davon ist nicht nur der Angeklagte selber überzeugt. Der Stormarner Karl-Heinz Lenz, entschiedener Gegner der Landesvorsitzenden Doris von Sayn-Wittgenstein, hegt den selben Verdacht. Lenz, der sogar Bücher über seine Aversion gegen Linke schrieb, half sich in diesem Dialog mit einen Link zum autonomen Portal Indymedia, in dem Waffennarr Reschke eine Nähe zu Reichsbürgern und zu anderen Verschwörungstheorien nachgesagt wird.

Die Vorwürfe „gegen eines unser fleißigsten Mitglieder“, so Lenz, seien „erstunken und erlogen“. Es widere ihn an, mit welchen Methoden hier ein Kreisverband gegen den anderen vorgehe, schrieb der Travenbrücker und forderte: „Es ist an der Zeit, dass der Bundesvorstand diesen Landesvorstand entfernt.“ Nach Löschung des Dithmarscher Facebook-Posts hat das streitbare Mitglied die Lautstärke wieder etwas gedrosselt.

Am Ende setzte dann doch vorübergehend die Selbstdisziplin ein. Die AfD Dithmarschen ging wieder dazu über, führende Mitglieder anderer Parteien an den Pranger zu stellen.

Dieser Streit zeigt dennoch unverhohlen die dicke Luft, die zwischen den Parteiflügeln und rivalisierenden Kreisgruppen herrscht und mit welchen Mitteln um die Hoheit gerungen wird. Personell kanalisiert sich der Zwist an der Vorsitzenden Doris von Sayn-Wittgenstein. Die AfD Kreis Dithmarschen antwortet denen, die hier parteischädigendes Verhalten sehen, mit dem selben Vorwurf. Angriffe gegen Teile der Fraktion und die Landesvorsitzende sollten aufhören und genannter Artikel sei viel zu selten gelesen worden.

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Beistand und Lob bekam Flak vom Fraktionsschef Jörg Nobis, der auf seine unaufgeregt Art dafür warb, das Gemeinsame zu suchen: Verständigen kann man sich in diesem Wortlaut auf ein gemeinsames Interesse an der Rückkehr zur politischen Sacharbeit.

 
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