zur Navigation springen

Noch eine neue Klage : A20 und der Elbtunnel: Erst Tiere, jetzt Windräder im Weg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Anlagen sollen wegen des geplanten Elbtunnels abgerissen werden. Doch der Windparkbetreiber klagt.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2016 | 09:46 Uhr

Kiel/Drochtersen | In Schleswig-Holstein sind es bisher vor allem bedrohte Tierarten - Fledermäuse, Seeadler, Schlammpeitzger - , die den Weiterbau der umstrittenen Küstenautobahn A 20 aufhalten. Doch nun stellt sich ein paar Kilometer südlich der Elbe in Niedersachsen heraus, dass dem Projekt auch ein von Menschen gemachtes Hindernis in die Quere kommt: Zwei Windräder eines Parks in Drochtersen stehen dem Bau des sechs Kilometer langen A-20- Elbtunnels zwischen der niedersächsischen Gemeinde und dem schleswig-holsteinischen Glückstadt im Weg. Das Land Niedersachsen will die zwölf Jahre alten Rotoren daher abreißen lassen – doch der Betreiber wehrt sich gegen eine Enteignung vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Wenn das Projekt Realität wird, handelt es sich um den zweitlängsten Straßentunnel Deutschlands. Doch die Planung wird immer wieder von Klagen unterbrochen.

Im sogenannten Planfeststellungsbeschluss für den südlichen Abschnitt des A-20-Elbtunnels kommt die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zu dem Schluss, dass die beiden Windräder „aufgrund des zu geringen Abstands zur Autobahn nicht an ihrem Standort verbleiben können“. Vielmehr müssten die 65 Meter hohen Anlagen weichen, um den künftigen Verkehr auf der A 20 „vor möglichen Gefahren aus dem laufenden Betrieb der Windenergieanlagen zu schützen“. Im Gegenzug sagen die Beamten des sozialdemokratischen Landesverkehrsministers Olaf Lies dem Parkbetreiber, der Umwelt Windrad GmbH & Co. (UWR), eine Entschädigung zu.

Die UWR allerdings will die Enteignung von zwei ihrer vier Anlagen in Drochtersen nicht hinnehmen. Geschäftsführer Uwe Leonhardt hat daher Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht und äußerte sich gegenüber shz.de erstmals öffentlich dazu. Der Abriss der Rotoren sei „keineswegs notwendig“, erklärte er. Denn: „Bei nur geringfügig geänderter Planung könnten die Windräder stehen bleiben.“ Daher habe man „zur Wahrung der eigenen Interessen und Besitzverhältnisse“ bereits im letzten Jahr Klage erhoben. Zwar hofft Leonhardt noch auf eine „einvernehmliche Lösung“ mit dem Land. Doch ein Sprecher von Minister Lies sagte shz.de, das Land könne die A-20-Streckenführung südlich des Tunnels „nicht mehr ändern“.

Die Klage der UWR ist nur eine von vieren, die gegen die Pläne für den niedersächsischen Teil des A-20-Tunnels eingereicht wurden. So prozessieren zudem die Umweltverbände Nabu und BUND, weil sie geschützte Tierarten bedroht sehen. Und auch der Betreiber der Fähre Glückstadt-Wischhafen geht juristisch gegen den Bau des Elbtunnels vor. Über die vier Klagen will das Bundesverwaltungsgericht am 25. und 26. Oktober verhandeln. Ein halbes Jahr früher, am 11. und 12. April, findet in Leipzig wie berichtet das Verfahren wegen der sieben Klagen gegen die Tunnelpläne auf schleswig-holsteinischem Gebiet statt – darunter eine des Landesnaturschutzverbands, in der es auch um eine Gefährdung des seltenen Schlammpeitzger-Fisches geht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen