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Dänische Minderheit : 60 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen: SH und Dänemark feiern

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Sie waren die Grundlage für das heutige gute Verhältnis der Nachbarn Deutschland und Dänemark. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen werden 60 - eine Neuauflage wird für unnötig gehalten.

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erstellt am 07.Mär.2015 | 09:32 Uhr

Flensburg/Apenrade | Mit Festveranstaltungen in Berlin, Oeversee und Sonderburg wird im März an den 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen erinnert. Darin wurden am 29. März 1955 grundlegende Prinzipien der Minderheitenpolitik festgelegt - und die Rechte der deutschen Minderheit in Dänemark und der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein festgeschrieben. Die Erklärungen wurden vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und seinem dänischen Amtskollegen Hans Christian Hansen unterzeichnet.

In Schleswig-Holstein wird am 13. März mit einem Festempfang des Landtages, des dänischen Parlaments und der Europäischen Akademie Schleswig-Holstein Sankelmark des Jahrestages gedacht. Unter anderem wird Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) ein Grußwort sprechen. In Sankelmark wird das Programm am nächsten Tag mit einer Tagung fortgesetzt, zu der auch Hinrich Jürgensen erwartet wird, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger, der Organisation der deutschen Minderheit in Dänemark.

„Wichtig war und ist die häufig zitierte Formel: ,Das Bekenntnis zum deutschen/dänischen Volkstum und zur deutschen/dänischen Kultur ist frei und darf von Amts wegen nicht bestritten oder nachgeprüft werden'“, findet Jürgensen. „Diese subjektive Definition des Nationalitätenprinzips wird oft umschrieben als ,Minderheit ist, wer will' und gehört zu den zentralen Merkmalen des deutsch-dänischen Minderheitenmodells.“

Auch ganz praktische Auswirkungen haben die Erklärungen gehabt, erläutert Jürgensen: Die deutsche Minderheit bekam das Examensrecht, so dass 1959 das deutsche Gymnasium in Apenrade eröffnen konnte. Den „Geist der Erklärungen“ macht für Jürgensen aus, dass versucht werde, einvernehmlich Lösungen zu finden. Die Bezugnahme auf die Erklärungen habe auch dazu beigetragen, die Partei der Minderheit, die Schleswigsche Partei, zu einer anerkannten regionalen Kraft in Nordschleswig zu machen.

Für Flemming Meyer, Vorsitzender des SSW, der Partei der dänischen Minderheit in Südschleswig, sind die Erklärungen „ein gelungenes Projekt“. Beide Minderheiten seien integrierte Teile der Gesellschaft, der SSW auch an der Kieler Regierung beteiligt, „und wir haben immer noch eine eigene Sprache, eine eigene Kultur“, sagt Meyer. „Das ist das grundsätzliche Prinzip: Wie kann eine Minderheit integriert werden, ohne assimiliert zu werden.“ In Sonderburg in Süddänemark erörtern am 17. März Teilnehmer einer Tagung der Historischen Forschungsstelle der deutschen Volksgruppe, Studieafdeling ved Dansk Centralbiblioteket und des Institut for Grænseforskning der Syddansk Universitet „die Stellung von Minderheiten und Volksgruppen im europäischen Vergleich“. Eingeladen sind beispielsweise Vertreter der deutschen Volksgruppe in Belgien.

Am 26. März erinnern in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin unter anderem Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein dänischer Amtskollege Martin Lidegaard (Radikale Venstre) an den Jahrestag.

Brauchen die Minderheiten nun, 60 Jahre nach den Erklärungen, eine Neuauflage? Nein, findet Meyer. „Dieser Staatsvertrag ist so gut, dass er heute noch volle Gültigkeit hat. Wenn man das lebt, was da drinsteht, ist es hervorragend.“ Dem schließt sich Jürgensen an.

Schon zum 50. Jahrestag sei eine Neuauflage verworfen worden, „nicht zuletzt, weil die Erklärungen in ihren recht allgemein gehaltenen Formulierungen weiterhin einen guten Rahmen darstellen“. Entscheidend sei, dass die Minderheiten in allen Bereichen „auf Augenhöhe“ einbezogen werden.

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