„EinstellungsSache – Jobs für Eltern“ : 21.000 hilfebedürftige Alleinerziehende in SH: Bessere Bedingungen gefordert

Alleinerziehende sind häufig auf besondere Arbeitsbedingungen angewiesen.
Alleinerziehende sind häufig auf besondere Arbeitsbedingungen angewiesen.

Teilzeitausbildungen, flexiblere Zeiten und Kinderbetreuung – die Arbeitsagentur fordert Arbeitgeber zum Umdenken auf.

shz.de von
29. August 2018, 13:47 Uhr

Kiel | Die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende auf dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein müssen nach Ansicht der Arbeitsagentur dringend verbessert werden. Gut 36 Prozent der 58.000 Alleinerziehenden im erwerbsfähigen Alter – davon 92,6 Prozent Frauen – seien hilfebedürftig, sagte die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann, am Mittwoch in Kiel. Dagegen sei nur rund elf Prozent der Schleswig-Holsteiner im erwerbsfähigen Alter auf Hilfen wie Hartz IV angewiesen.

Am Mittwoch wurde bundesweit in vielen Jobcentern zum fünften Mal der Aktionstag „EinstellungsSache – Jobs für Eltern“ begangen. In Kiel lud die Arbeitsagentur zu einer kleinen Messe ein. Dort hingen Jobangebote aus, es gab Vorträge etwa für Bewerbungen. Mehrere Unternehmen präsentierten sich, unter anderem die Bäckerei Günther und das Krankenpflegeteam Kiel GmbH, die Teilzeit-Ausbildungen anbieten – eine noch wenig bekannte Option, sagte Haupt-Koopmann.

Kaum Teilzeitausbildungsverträge

Nur 0,7 Prozent aller Ausbildungsverträge im Norden (144 von 19.308) seien 2017 Teilzeitausbildungsverträge gewesen. Dabei sei Ausbildung ein zentrales Thema. Rund 60 Prozent der alleinerziehenden Arbeitslosen hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Gleichwohl seien Eltern und Alleinerziehende „ungehobene Schätze“ für viele Unternehmen, betonte auch der Geschäftsführer des Jobcenters Kiel, Karsten Böhmke.

Um Alleinerziehende wieder in Arbeit zu bringen, müsse es ein Bündel an Maßnahmen geben, forderte Haupt-Koopmann. Unternehmen sollten umdenken und flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten. Sie nannte ein Beispiel aus der Gastronomie, wo drei Teilzeitkräfte eine volle Stelle machten. Unternehmen sollten auch Möglichkeiten der Kinderbetreuung schaffen oder unterstützen. Bei den Krippen mit Kindern unter drei Jahre sei das Angebot in Schleswig-Holstein mit einer Versorgungsquote von 40 Prozent noch zu niedrig. Über drei Jahre gebe es ein Angebot für 98 Prozent der Kinder. Extrem wichtig sei auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen.

Hartz IV soll nicht weitervererbt werden

Zu den 21.000 hilfebedürftigen Alleinerziehenden in Schleswig-Holstein gehören nicht nur rund 6800 Arbeitslose. Die Arbeitsagentur rechnet dazu auch Geringverdiener, deren Lohn aufgestockt werden muss, Alleinerziehende in Weiterbildungsmaßnahmen und jene, die Kinder unter drei Jahre haben und nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen.

Haupt-Koopmann betonte neben den Chancen für Unternehmen, neue Arbeitskräfte zu finden, auch die Vorbildfunktion von arbeitenden Eltern für die Kinder: „Ich will es mal krass sagen: Wir wollen nicht, dass Hartz IV weitervererbt wird.“

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