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„Windwahn“, „Gegenwind“ : 200 Bürgerinitiativen formieren sich gegen Windkraft in SH

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Naturschutz, Gesundheitssorgen, Angst um die Heimat: Die Argumente der Windenergie-Gegner werden vielfältiger.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2016 | 06:49 Uhr

Kiel | Um die 3000 Windkraftanlagen drehen sich zwischen Nord- und Ostsee, nirgends in Deutschland entstehen so viele neue Anlagen wie in Schleswig-Holstein – allein 2015 kamen 300 neue dazu. Doch die Akzeptanz sinkt. Überall im Land bilden sich Bürgerinitiativen gegen die Ausweisung von Windkraft-Eignungsflächen oder den Neu- und Ausbau von Anlagen.

„Es vergeht kein Tag ohne einen Anruf von Menschen, die gerne beraten werden möchten, wie sie sich wehren können oder die eine eigene Bürgerinitiative auf die Beine stellen wollen. Da ist viel Leben in der Szene“, sagt Jutta Reichardt von der Initiative Windwahn aus Neuendorf-Sachsenbande (Kreis Steinburg). Die gleiche Erfahrung macht Susanne Kirchhof aus Holtsee bei Eckernförde, Sprecherin des Bündnisses Gegenwind Schleswig-Holstein: „Es herrscht eine große Unruhe, besonders wegen der nach dem Urteil aus dem letzten Jahr neu festzulegenden Windeignungsflächen“, sagt sie. Seitdem fürchten viele Anrufer, künftig ebenfalls Windkraft-Anlagen vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Wie viele Menschen sich bereits zusammengeschlossen haben, ist nicht erfasst. „Es sind sicher an die 200 Initiativen“, schätzt Jutta Reichardt. „Als wir 2008 angefangen und die Gegenwind-Bewegung mit auf den Weg gebracht haben, waren es nur 90.“

Die Gründe, warum sich Bürger gegen Windkraft formieren, werden vielfältiger. „Zunächst war es meist die Sorge um die Heimat und ihre identitätsstiftenden Merkmale“, sagt Reichardt. „Plötzlich ist der Kirchturm hinter den Riesen verschwunden, prägende Bauernhöfe sind nicht mehr zu sehen.“ Doch immer häufiger spielten auch gesundheitliche Sorgen, besonders die Angst vor den Auswirkungen des Infraschalls, eine Rolle.

Einen weiteren Aspekt bemerkt Nicole Helmbold von der Initiative Gegenwind Schwedeneck aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde: „Immer häufiger bemerke ich in Gesprächen, dass weltanschauliche Gründe, der Naturschutz etwa oder die wegen der EU-weiten Deckelung überhaupt nicht vorhandene CO2-Einsparung, ausschlaggebend sind – und nicht nur die drohende Anlage vor der Haustür.“

In Schwedeneck fühlen sich viele Bürger von ihrer Gemeinde schlecht vertreten: Während die umliegenden Gemeinden sich bereits gegen neue Windkraftanlagen positioniert haben, wartet Schwedeneck – dessen Gebiet derzeit allerdings noch nicht als Windeignungsfläche gilt – noch ab. Dort sind derzeit drei 175 Meter hohe Neubauten geplant. „Der Investor sitzt in Hamburg, am Ende bleibt für die Gemeinde nicht viel von den Einnahmen übrig“, sagt Helmbold. 519 von 2800 Bürgern haben eine Resolution an die Landesplanung unterschrieben – „90 Prozent der Angesprochenen“, so Helmbold.

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