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AKW Brunsbüttel : 18 rostige Atommüllfässer entdeckt

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Etwa ein Viertel der Fässer in einer Kaverne des stillgelegten Atomkraftwerks sind von Rost befallen. Ihr Inhalt: radioaktiver Abfall.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 09:54 Uhr

Kiel/Brunsbüttel | In einer Kaverne des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel sind 18 von 70 Fässern mit schwach radioaktivem Abfall von Rost befallen. Das gab Umweltminister Robert Habeck am Mittwoch nach Abschluss von Kamera-Inspektionen in einem der sechs Kellerräume bekannt. Die Korrosionserscheinungen seien teils stark. Die Kavernen sind mit dicken Betonriegeln verschlossen. Dort lagern insgesamt 631 Stahlfässer. Sie enthalten Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors. Umgebung und Umwelt seien nicht gefährdet, gab Habeck an. „Die Kavernen sind sicher.“ Ein Teil der Fässer sei aber nicht mehr sicher handhabbar.

Die Kamerainspektion hatte im Januar begonnen. Die Betreibergesellschaft geht derzeit von säuregetragener Korrosion aus, die sich vom Fassinneren heraus entwickelt. Die Ursache der Korrosion ist noch nicht abschließend geklärt. Im Zuge der bisherigen Inspektion wurde zudem bei einem Fass festgestellt, dass an einer Stelle Fassinhalt (Filterharz) in flüssiger Form ausgetreten ist.

Parteien in Schleswig-Holstein fordern derweil Konsequenzen wegen der rostigen Atommüllfässer. So fordert die CDU eine schnellere Inbetriebnahme des Endlagers Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen). Die Landesregierung in Kiel solle sich hierfür bei der rot-grünen Landesregierung in Hannover einsetzen, erklärte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hartmut Hamerich. Schacht Konrad soll voraussichtlich zwischen 2021 und 2025 in Betrieb genommen werden.

Detlef Matthiessen (Grüne) bezeichnete die „rostigen Fässer von Brunsbüttel und anderswo“ als „eine finstere Hinterlassenschaft der Atomindustrie. Sie offenbaren die vielen Irrtümer und Fehleinschätzungen, die in der Vergangenheit die Durchsetzung des Atomprogramms prägten“ Die Vorgänge zeigen, wie wichtig es gewesen sei, das Atomprogramm zu beenden, sagte Matthiessen. Es müssten Mittel und Wege gesucht werden, die derzeitigen Restlaufzeiten von Atommeilern zu verkürzen.  

Auch nach Ansicht des energiepolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Olaf Schulze, zeigen die rostigen Atommüllfässer „einmal mehr, dass die Energiegewinnung aus Atomkraft ein Irrweg“ war. Bis zur Inbetriebnahme von Schacht Konrad müssten die Abfälle in Brunsbüttel bleiben. „Der Betreiber muss dafür sorgen, dass dies ohne Gefährdung der Umwelt und der Beschäftigten im AKW geschieht. Dazu gehört auch die regelmäßige Überprüfung der eingelagerten Fässer. Es ist unbegreiflich, dass diese zum Teil seit 30 Jahren dort lagern und erst jetzt auf ihren Zustand überprüft werden“, sagte der SPD-Politiker.

„Da muss jetzt lückenlos alles auf den Tisch“ sagte Angelika Beer, Abgeordnete der Piratenpartei. „Es ist mir ein Rätsel, wie 18 verrostete, teils leckgeschlagene Fässer so lange unbemerkt bleiben konnten. Das schlägt doch buchstäblich dem Fass den Boden aus. So wie sich das heute darstellt, ist das Problem überhaupt erst durch Untersuchungen des TÜV Nord aufgefallen. Das Sicherheitskonzept des Betreibers hat hier also klar versagt.“ Beer forderte Vattenfall und die Landesregierung auf, alle im Zusammenhang mit diesem Versagen stehenden Unterlagen und Dokumente umgehend zu veröffentlichen.

Der FDP-Abgeordnete Oliver Kumbartzky forderte Umweltminister Robert Habeck auf, von seinen Plänen Abstand zu nehmen, weitere Castoren aus der englischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in Brunsbüttel einzulagern. Noch mehr Atommüll nach Brunsbüttel liefern zu lassen, sei auch der Bevölkerung vor Ort nicht länger zuzumuten, sagte Kumbartzky.

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