Wahlalter : 16-Jährige dürfen Landtag Schleswig-Holstein wählen

Wer sitzt wo? Kristina Stang (l.) und Julia Hannemann auf der Besuchertribüne des Kieler Landtages. Foto: Michael Staudt
Wer sitzt wo? Kristina Stang (l.) und Julia Hannemann auf der Besuchertribüne des Kieler Landtages. Foto: Michael Staudt

Das Kieler Parlament senkt das Wahlalter auch bei Landtagswahlen auf 16 Jahre. Nicht alle finden das gut.

shz.de von
28. April 2013, 01:52 Uhr

Kiel / Neumünster | Sie haben sich gerade erst hingesetzt auf der Besuchertribüne, da beginnt schon das Rätseln. Julia Hannemann und Kristina Stang beugen sich über den Sitzplan des Kieler Landtags als der Präsident gerade Waltraud Wende das Wort erteilt. "Wer ist das?", fragt Kristina. "Ministerin ist sie, hat er gesagt", entgegnet Julia. Doch am Thema merken die beiden 17-jährigen Gymnasiastinnen aus Neumünster schnell, dass die parteilose Bildungsministerin zum Parlament und zu ihnen spricht. "Ich bin auch für starke Gymnasien", sagt Wende, "und ich freue mich, dass wir heute Vertreter starker Gymnasien hier auf der Tribüne haben."

Ein Lächeln huscht über die Gesichter der Jugendlichen, die gerade Teil eines politischen Showkampfes werden. Es geht im Plenum um die Frage, ob Gemeinschaftsschulen eigene Oberstufen bekommen sollen - ein Thema, das Kristina und Julia nahe liegt. Doch in der Fragestunde, in der die Opposition versucht, die Ministerin mit Detailfragen über die Anmeldezahlen in die Enge zu treiben, geht es so kompliziert zu, dass Kristina sagt: "Es ist schon schwer, das zu verstehen."

"Wenn Politik unterhaltsam ist, finde ich das gut"

Wie ihr geht es wohl vielen Jugendlichen, die nach dem Beschluss des Landtags von Freitag nun mit 16 Jahren bei Landtagswahlen mitentscheiden dürfen. Das finden nicht alle jungen Leute gut. Die Junge Union lehnt das ab, weil sie fürchtet, "dass anscheinend einige junge Menschen zu radikalen Positionen neigen". Einige Forscher glauben, dass junge Menschen vor allem links wählen, aber verlässliche Daten gibt es dazu nicht. "Wir wissen nur, dass die Wahlbeteiligung der Erstwähler meist sehr gut ist", sagt Hans-Jürgen Thiel aus dem Büro der Landeswahlleiterin. Danach nehme die Teilnahme an Bundes- und Landtagswahlen aber wieder ab.

Seit 1998 können Jugendliche in Schleswig-Holstein schon an Kommunalwahlen teilnehmen. Kristina und Julia wollen davon auf jeden Fall Gebrauch machen. An diesem Tag im Landtag wollen sie sich informieren, wen sie wählen können. Es fällt ihnen nicht leicht. Sie kennen den Ministerpräsidenten und seinen Stellvertreter, dazu den aus den Medien bekannten FDP-Fraktionschef. "Wenn Politik unterhaltsam ist, finde ich das gut", sagt Kristina. Aber ansonsten sei das schon manchmal langweilig.

"Es ist gut, dass die Schüler merken, dass Politik kein einfaches Geschäft ist, sondern auch kompliziert sein kann", sagt ihr Lehrer Steffen Fuß. Seit 20 Jahren macht er Besuche mit Klassen im Landtag, sein Urteil ist nicht nur positiv. "Viele meiner Schüler interessieren sich null für Politik. Und die Kommunalwahl finden sie völlig uninteressant." Er glaubt nicht daran, dass viele wählen gehen. Die meisten würden sich nicht mal informieren, um was es geht.

Julia und Kristina machen das. "Fast täglich" schauen sie in Nachrichtensendungen oder Zeitungen. Und bei manchen Themen können sie ohne Probleme qualifiziert mitreden - etwa wenn es um die Vorteile von G 8 und G9 geht. "Ich bin für G9, da hat man auch mehr Zeit, sich zu entwickeln", sagt Kristina. Vielleicht ist es in der Politik ähnlich, denn im Moment haben die beiden Gymnasiastinnen keine Lust, sich politisch einzumischen.

Am Ende ihres Landtagsbesuchs wissen sie immer noch nicht, wen sie wählen sollen. Dabei haben sie eine Meinung. Vielleicht sollte Politik danach einfach mal häufiger fragen.

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