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Feuer in Flüchtlingsunterkunft : 10.000 Euro für Hinweise nach Brandanschlag in Escheburg

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Die Angst vor den neuen Nachbarn in Escheberg (Kreis Herzogtum Lauenburg) sitzt tief. Die Suche nach dem Täter geht unterdessen weiter. Die Polizei hofft, mit einer Belohnung auf die richtige Spur zu finden.

Escheburg | 10.000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Brandstifter von Escheburg – dieses Geld setzt jetzt die Lübecker Staatsanwaltschaft für Hinweise aus, die zur Aufklärung des Brandanschlags vom Montag und die Ergreifung des Täters führen. Vermutet wird, dass der Brandstifter aus dem Umfeld der in der Straße Am Golfplatz stehenden Flüchtlingsunterkunft kommt. Dort regt sich massiver Protest gegen das Vorhaben. Am Montag gegen 13.15 Uhr flog von außen ein Kanister Verdünnung, der mit brennenden Stoffstreifen präpariert war, in das Haus, in das am nächsten Tag Asylbewerber einziehen sollten.

Die Staatschutzabteilung der Lübecker Kriminalpolizei hat gleich nach einer ersten Inaugenscheinnahme des Tatortes durch die Geesthachter Kriminalpolizei die Ermittlungen in dieser Sache übernommen. Man arbeite mit Hochdruck an dem Fall, so Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders am Donnerstag. „Die Belohnung haben wir sozusagen als Motivationshilfe für Zeugen ausgelobt. Das machen wir immer dann, wenn wir von einer Bereitschaft ausgehen, dass uns etwas mitgeteilt werden könnte“, erklärte Anders. „Man muss manchmal Geduld haben, aber wir hatten mit so etwas auch schon den erhofften Erfolg“, sagte er.

Escheburgs Bürgermeister Rainer Bork versucht derweil, mit den Nachbarn trotz aller Missstimmung ins Gespräch zu kommen. „Da sind aber keine vernünftigen Gespräche möglich, der Hass sitzt tief“, berichtete Bork am Donnerstag. Äußerungen von Anwohnern der Sieldung bezeichnet er als "grässlich“.

Verschiedene Gruppen rufen mittlerweile zu Demonstrationen und Mahnwachen in Escheburg auf. „Bei uns ist dazu noch nichts angemeldet. Wir versuchen jetzt, die Dinge zu klären“, sagte Brigitte Mirow, die Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Hohe Elbgeest, am Donnerstag. So hat die Gruppe „Antifaschistische Aktion Herzogtum Lauenburg“ im Internet für Sonnabend zu einer Demo auf dem Gelände der Grundschule aufgerufen. Das Haus, in das Kriegsflüchtlinge einziehen sollten und auf das einen Tag vor dem Einzug der Brandanschlag verübt wurde, steht in Sichtweite. Das Treffen um 14 Uhr steht unter dem Motto „Rassismus tötet – Dem rassistischen Mob entgegentreten!“.

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein ruft in einer Mitteilung dazu auf, wegen des Anschlags am Sonntag in Escheburg an einer Mahnwache teilzunehmen, die jedoch nicht näher benannt wird. Die Gruppe „Mut in Glinde“ unterstützt eine angeblich von den Jungsozialisten (Jusos) des Kreises für Sonntag um 18 Uhr auf dem Parkplatz am Sportplatz geplante Mahnwache.

„Wir müssen bei diesen Aufrufen jetzt erst einmal sehen, wer zu den Aktionen aufruft und werden unser Ordnungsamt und die Polizei einschalten“, kündigte Brigitte Mirow an. „Wir werden, solange der Anmeldeweg eingehalten wird, uns damit befassen, wie wir uns polizeilich aufstellen“, kündigte Sonja Kurz, die Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg, an. Eine Mahnwache könne durchaus spontan abgehalten werden. Eine Demo muss 48 Stunden vorher angemeldet werden.

In Escheburg selbst formierte sich nur langsam ein Widerstand gegen die Menschen, die gegen die Flüchtlingsunterkunft protestieren und der den Brandanschlag verurteilt. „Wir rufen alle Escheburger auf, unsere neuen Nachbarn willkommen zu heißen und ihnen offen zu begegnen“, teilten am Donnerstag Erich Fuhrt, EWG, Hans-Jürgen Pfeiffer, CDU, Matthias Sprenger, SPD, Isabel Detje und Rainer Köker, Grüne, mit. „Menschen in Not sollen sich in unserer Mitte sicher fühlen können“, schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung. Und weiter: „Wir sind bestürzt, dass einige unserer Mitbürger bereits im Vorwege Flüchtlinge stigmatisieren und in eine Ecke mit Schwerverbrechern stellen.“

Am 23. Februar will die Gemeinde über das Thema „Asyl in Escheburg“ in einer Einwohnerversammlung informieren. Unterdessen erreichen die Amtsverwaltung weiterhin Emails und Briefe von Nachbarn der Unterkunft, die sich gegen die Einrichtung zur Wehr setzen, so Brigitte Mirow.

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erstellt am 12.Feb.2015 | 13:03 Uhr

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