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Sprachforscher tagen in Flensburg : Plattdeutsch liegt voll im Trend

vom

Jugendliche nutzen Redewendungen auf Niederdeutsch und Sønderjysk sogar im Internet.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 07:17 Uhr

Flensburg | "Mehrsprachigkeit in der Region" ist das Thema der Jahresversammlung des Vereins für die niederdeutsche Sprachforschung, die zum ersten Mal in Flensburg tagte. Dieser Schwerpunkt mache Flensburg zum perfekten Standort für das dreitägige Programm. "Schließlich existieren in Flensburg und der Region fünf verschiedene Sprachformen", erläutert die Vorsitzende des Vereins, Ingrid Schröder, Professorin am Institut für Germanistik an der Universität Hamburg. Sie nennt neben Deutsch und Dänisch, Friesisch, Niederdeutsch und Sønderjysk. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der deutsch-dänischen Beziehung. Elin Fredsted, Direktorin des Instituts für dänische Sprache an der Universität Flensburg, berichtet, dass durch die friedliche Koexistenz von Dänisch und Hochdeutsch "die Volkssprachen Niederdeutsch und Sønderjysk unterwegs verloren gegangen sind, besonders im letzten Jahrhundert".

Dieser Trend scheint sich jedoch langsam in die andere Richtung zu entwickeln. Elin Fredsted berichtet, dass Jugendliche, die der deutschen Minderheit in Dänemark angehören, mittlerweile ihre Regionalsprache Sønderjysk nutzen, um sich im Internet, vor allem bei Facebook, zu verständigen. "Das war früher undenkbar." Die Angehörigen der dänischen Mehrheit nutzten Sønderjysk dagegen eher als Identifikationsmerkmal. Durch gezielte Verwendung bestimmter Wörter und Redewendungen machten sie deutlich, aus welcher Region sie stammen, ohne die Sprache jedoch zu beherrschen. Diese Entwicklung zeichne sich in Deutschland auch mit dem Niederdeutschen ab. In Hamburg heißt es, dass ein typischer Hamburger Niederdeutsch sprechen muss. Dies könnten aber die Wenigsten. Dennoch seien viele in der Lage, bestimmte Redensarten auf Niederdeutsch von sich zu geben. So stellen sie sich willentlich als "echten Hamburger" dar und deklarieren sich als dazugehörig. Durch dessen Bedrohung genießt das Niederdeutsche heute wieder ein hohes Ansehen. Robert Langhanke, Lehrkraft und Organisator im Lehrgebiet Niederdeutsch an der Universität Flensburg, berichtete, der "Wunsch, Niederdeutsch sprechen zu können, wird wieder attraktiv". Auch Michael Elmentaler aus der niederdeutschen Abteilung der Kieler Universität bestätigt stolz, dass "die Niederdeutsch-Kurse überlaufen". Es wird nun sogar ein weiterer Kurs angeboten.

Im Zuge dieses Aufschwungs sei die Debatte aufgekommen, ob Niederdeutsch nicht auch in der Schule unterrichtet werden sollte. Sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein gibt es Modelle an Grundschulen, die Niederdeutsch auf dem Lehrplan vorsehen. Mithilfe einer Podiumsdiskussion wurde auf der Jahresversammlung nicht nur thematisiert, ob Niederdeutsch-Unterricht an Grundschulen und eventuell weiterführenden Schulen nötig ist - sondern auch, wie der Unterricht didaktisch gestaltet sein müsste.

Die 126. Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung ist mit Vorträgen von internationalen Wissenschaftlern gespickt. Insgesamt nehmen über 60 Wissenschaftler aus Schweden, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Russland und ganz Deutschland an den Veranstaltungen teil.

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