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Nach Tod von Pferden durch Virus in Mildstedt : Pferde-Herpes – Jetzt Impfstoff-Engpass

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein vorbeugendes Präparat gegen das gefährliche Virus gibt es derzeit nur im Ausland. Ein neuer Fall im nordfriesischen Mildstedt ist harmlos.

Mildstedt | Erneut Aufregung bei Pferdefreunden in Schleswig-Holstein: Nahe Mildstedt bei Husum gibt es einen neuen Pferdeherpes-Fall – allerdings handelt es sich um eine weitaus harmlosere Variante im Vergleich zu den bisher in Mildstedt aufgetretenen Erkrankungen. Wie berichtet, waren sechs Reitpferde in den Stallungen des Mildstedter Reit- und Fahrvereins an Pferde-Herpes verendet. Das jetzt erkrankte Tier hingegen stehe nicht in einem Reitstall, und es sei auch nicht von einem der aggressiven Virentypen befallen, sagt Dr. Dieter Schulze, Kreisveterinär in Husum. „Hätte es die Herpesfälle in Mildstedt nicht gegeben, wäre das Tier mit Sicherheit nicht auf die Infektionskrankheit untersucht worden.“

Kurz vor Beginn der Turniersaison indes können Tierärzte die Nachfrage nach Impfungen gegen das gefährliche Virus nicht bedienen. Schuld ist ein deutschlandweiter Engpass. „Bis voraussichtlich Juni kann der Hersteller keinen Impfstoff zur Verfügung stellen. Das ist höchst bedauerlich“, sagte Dr. Jürgen Martens, beratender Fachtierarzt für den Pferdesportverband Schleswig-Holstein.

Anfang Februar war in den Ställen des Mildstedter Vereins die hoch ansteckende Infektionskrankheit ausgebrochen. Ein Pony starb. Eineinhalb Wochen später verendeten fünf weitere Tiere. Obwohl es gegenwärtig in den zwei Ställen des Vereins keine neuen Erkrankungen gibt, kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Karsten Klein, Tierarzt aus Viöl und im Mildstedter Stall tätig: „Auch wenn die typischen Symptome abgeklungen sind, selbst wenn die Tiere fieberfrei sind, kann noch zehn Tage später eine Lähmung auftreten.“

Der Betrieb in Mildstedt ist nahezu zum Erliegen gekommen.
Der Betrieb in Mildstedt ist nach dem Tod der sechs Reitpferde nahezu zum Erliegen gekommen. Foto: ume

Es gibt verschiedenen Pferde-Herpes-Viren. Die weniger aggressiven verursachen üblicherweise grippeähnliche Symptome. Die gefährlichen können zusätzlich auch in die kleinsten Blutgefäße vordringen und dort Thrombosen verursachen, die zu schweren neurologischen Ausfällen führen. Auch gegen Herpes geimpfte Pferde sind nicht immer sicher, denn lediglich der Krankheitsverlauf werde abgeschwächt, betonen Dr. Schulze und Dr. Klein übereinstimmend. Mildstedts Vereinsvorsitzender Dieter Friedrichsen wartet nun auf die zweite Märzwoche, „denn wenn bis dahin keine weiteren Fälle auftreten, denke ich, dass wir mit dem Herpes durch sind.“ Dennoch bleibt der Stall bis Ende des Monats geschlossen.

Auch dem Kieler Landwirtschaftsministerium sind keine weiteren Fälle bekannt. Sprecherin Nicola Kabel weist aber darauf hin, dass es sich bei Pferde-Herpes nicht um eine meldepflichtige Tierkrankheit handelt. „Die wichtigste Prävention ist die vorbeugende Impfung möglichst aller Pferde eines Bestands“, so Kabel. Nur sei der Impfstoff schon seit vergangenem Herbst nicht mehr verfügbar. Einzige Alternative: Impfstoffe aus dem Ausland. Das Ministerium erteile dafür entsprechende Ausnahmegenehmigungen. Eine hohe Hürde. „Wir erleben jeden Tag, dass Tierärzte Pferdebesitzer vertrösten müssen“, berichtet Dr. Jürgen Martens vom Pferdeverband. Auch er weist darauf hin, dass die Impfungen nur Sinn in Verbindung mit einem Hygienemanagement machen. Dazu gehöre nach Angaben des Kreisveterinärs Dr. Schulze, dass auf Turnieren keine gemeinsamen Futter- und Wassereimer genutzt werden.

Das Turniergeschehen sei kaum beeinträchtigt. „Die Gefahrenlage in Schleswig-Holstein ist nicht anders als sonst“, so Martens. Schließlich würden die weitaus meisten Pferde Herpesviren in sich tragen, ohne dass es zu einem Ausbruch kommen muss.

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erstellt am 04.Mär.2016 | 08:54 Uhr

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