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Peter und der Wolf: Carstensens Jagdrecht-Idee

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Er ist scheu und gilt seit 1820 in Schleswig-Holstein als ausgerottet: Jetzt kehrt der Wolf zurück, zwei Tiere sind im Land nachgewiesen.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2013 | 08:07 Uhr

Rendsburg | Lange hatte sich Peter Harry Carstensen mit öffentlichen Auftritten zurückgehalten, selbst nach dem überraschenden Rücktritt von Jost de Jager als CDU-Landeschef im Januar feuerte der einstige Landesvater keine Querschüsse auf seine geradezu dilettantisch agierenden Nachfolger ab. Auf dem Landesjäger-Tag in Rendsburg lud der bekennende Waidmann am Wochenende allerdings ordentlich durch. Im Visier des Ex-Ministerpräsidenten: Canis lupus - der Wolf. Oder genauer: Naturschützer, die die Rückkehr des Räubers ideologisch verklären und sich einer Aufnahme des Tieres ins Jagdrecht verweigern.

Carstensen: "Ich habe immer für Sachverstand in politischen Diskussionen gesorgt und fühle mich diskriminiert, wenn mir unterstellt wird, ich hätte keinen." Und er lädt nach: "Ich will auch Beute machen und freue mich!" Einmal in Fahrt ist der Alt-Landesvater nicht zu bremsen: "Ob Wölfe hier heimisch sind oder nicht, unsere Kulturlandschaft wird sich dadurch nicht verbessern." Und: "Wenn vier oder fünf Wölfe in den letzten Wochen gesehen wurden, und zwei auf den Straßen tödlich überfahren wurden, ist Schleswig-Holstein sicherlich kein Wolfsbiotop."

Jäger sprechen von Unterstützung der Populationen

Damit befeuert Peter Harry Carstensen eine Debatte, die seit Wochen im Land schwelt und die der Präsident des Landesjagdverbandes angestoßen hatte. "Längst ausgediente Feindbilder immer aufs Neue heraufzubeschwören, ist kein praktizierter Wildtierschutz. Damit führt der Nabu die Öffentlichkeit nur wieder recht plakativ an der Nase herum", hatte Dr. Klaus-Hinnerk Baasch in der Diskussion um die Aufnahme des Wolfes in das schleswig-holsteinische Jagdrecht agrumentiert und dabei die Naturschützer hart angegriffen.

"Viele Wildtierarten gedeihen gerade deshalb, weil sie im Jagd- und Naturschutzrecht rechtlich verankert sind", ist sich Baasch sicher. Dies gelte zum Beispiel für den Seeadler, den Fischotter und den Seehund, deren Populationen sich nach seiner Überzeugung gerade in den letzten Jahren durch die Unterstützung der Jägerschaft im Land hervorragend entwickeln konnten. Für die Bekassine, die vor 40 Jahren unter großem Jubel der Naturschützer aus dem Jagdrecht herausgenommen wurde und in deren Schutz viele Millionen Euro aus Naturschutztöpfen geflossen sind, gelte das eben nicht, mahnt der Vorsitzende. Die Brutbestände der Bekassine sind seitdem von 10.000 Brutpaaren auf gerade noch 1000 zusammen geschrumpft.

Elf Wolfsbetreuer beobachten zwei Wölfe

Der Landesjagdverband hat bislang elf Jäger als Wolfsbetreuer intensiv geschult und unterstützt somit regelmäßig und dauerhaft das Wolf-Monitoring im Land. Der Nabu, so die Jäger, führe diese Kontrollen mit Wildkameras und nur drei anerkannten Wolfsbetreuern durch. "Wir haben noch gar keine Wolfspopulation im Land. Zuvor sollten wir jedoch die Zeit nutzen, um Fragen - Wie viele Wölfe verträgt Schleswig-Holstein, wo im Land findet diese Wildart sichere Lebensbedingungen vor, wie soll das Zusammenleben mit Nutztierhaltern gestaltet werden? - zu klären und uns nicht in ideologischen Diskussionen verrennen", erklärt Baasch. Genau wie Carstensen werde er den Eindruck nicht los, dass es eher um Profilierung von selbsternannten Wolfsexperten als um die Sache "Wolf" an sich gehe.

In Schleswig-Holstein gelten zurzeit zwei Wölfe als nachgewiesen. Bereits im Juli vergangenen Jahres tauchte ein Wolf im westlichen Kreis Segeberg auf, der erste seit 1820. Der Nachweis gelang durch Fotofallenbilder und genetische Analysen. Ende Januar, teilte das Kieler Umweltministerium mit, gelang ein bestätigter Hinweis auf einen zweiten lebenden Wolf im Kreis Herzogtum Lauenburg in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Durch einen geschulten ehrenamtlichen Wolfsbetreuer konnte im Schnee eine 1500 Meter lange Spur dokumentiert und sicher einem Wolf zugeordnet werden. Es sei davon auszugehen, dass der Wolf über Mecklenburg-Vorpommern eingewandert ist oder sich im Grenzgebiet der beiden Bundesländer aufhält.

Wölfe reißen Rehe und Schafe

In Deutschland leben derzeit 15 Rudel, insgesamt rund 120 Wölfe, die meisten in Brandenburg und Sachsen. Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), geht davon aus, dass sich demnächst auch im Norden ein ständiges Rudel bildet. Im Nachbarland gibt es seit 2010 immer wieder Wolfsattacken auf Nutztiere. Dabei starben schon mehr als 30 Schafe und Rentiere. Gemäß dem Wolfs-Managementplan von Mecklenburg-Vorpommern wurden die betroffenen Tierhalter mit bislang 25.000 Euro entschädigt, weitere 15.000 Euro zahlte das Land für Vorsorgemaßnahmen.

Wölfe meiden den Menschen, in den letzten 50 Jahren sind in ganz Europa nur fünf Fälle von tödlichen Wolfsangriffen bekannt geworden, die Tiere waren allesamt jedoch an Tollwut erkrankt. Ganz oben auf dem Speiseplan gesunder Wölfe stehen Rehe (53 Prozent), gefolgt von Rot- (21 Prozent) und Schwarzwild (18 Prozent), dabei wählen sich die Jäger immer alte, schwache oder verletzte Tiere als Beute aus.

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