Paradies für Technik-Liebhaber

Ganz vorsichtig tragen Gustav Winkler und ein Helfer das Modell eines Lokomobils in den kleinen Laden Norderstraße 8. Foto: Staudt
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Ganz vorsichtig tragen Gustav Winkler und ein Helfer das Modell eines Lokomobils in den kleinen Laden Norderstraße 8. Foto: Staudt

Dampf-Fachmann Gustav Winkler eröffnete in Flensburg ein Museum für Dampfmaschinen-Modelle

shz.de von
09. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Für Liebhaber historischen Spielzeugs und Dampf-Fans ist dies das Paradies: ein kleiner Laden in Flensburg, Norderstraße 81, über dem Schaufenster provisorisch befestigt ein Transparent mit der Aufschrift Dampfmaschinen. Gleich die erste Vitrine, auf die der Besucher nach dem Eintreten zukommt, enthält einen Schatz: eine Dampfmaschine der längst verflossenen Nürnberger Firma Bing. Sammler würden sich die Finger danach lecken. Nebenan verkündet das kleine Info-Schildchen etwas, bei dem nur noch Technik-Freaks große Augen machen: Doll-Dampfmaschine mit Flammrohr und Kesselspeisepumpe. Nicht etwa ein tonnenschwerer Koloss, sondern ein kleines, zierliches Modell, aber mit allen Rafinessen. Einfach doll!

Zu der Stimme aus dem Hintergrund des Ladens kommt ein freundliches Gesicht: der Herr der Mini-Maschinen, Gustav Winkler, Motoren-Fachmann und früherer Technik-Professor an der Fachhochschule Flensburg, respektvoll auch "Dampf-Gustav" genannt. Er strahlt, freut sich über interessierten Besuch. Gerne gibt er über die wertvollen Exponate Auskunft, aber Achtung! Mit Gustav Winkler kann man sich während des Gesprächs in die unendlichen Weiten technischer Entwicklungen und Details verlieren. Wer sich darauf einlässt, sollte bei diesem Besuch keinen eng anschließenden Termin haben - auch nicht mit der Ehefrau zum Abholen verabredet sein. Bei den spannenden Geschichten, die Winkler parat hat, ist die Zeit blitzschnell vorbei.

Eine Dampfmaschinen-Ausstellung in einem Laden - was soll das? Hier soll nicht verkauft, hier soll nur gestaunt werden. Dieser Laden ist ein Museum. Und wem will Winkler damit eine Freude machen? Großen Jungs, denen als Kinder nie der heiße Wunsch nach einer kleinen Dampfmaschine erfüllt wurde? Nein, Gustav Winkler erklärt mit einem Strahlen ganz offen: Er habe sich diese Freude selbst machen wollen. Diese Freude, das sind alle Dampfmaschinen, die der Fachmann in seinem Leben gesammelt hat. Jetzt sind sie raus aus Schränken und Schachteln und runter vom Speicher. Alles steht nun säuberlich aufgebaut in ausgemusterten Vitrinen. Für Gustav Winkler ist es eine helle Freude, dass seine Schätze einen schönen Platz gefunden haben, dass er sie Gleichgesinnten zeigen kann und dass er mit ihnen über die alte Technik ins Gespräch kommt.

Und wie kam der 75-jährige zu all diesen Schätzen? Die Basis der Leidenschaft wurde gelegt durch ein Geschenk seines Vaters: eine gebrauchte Doll-Dampfmaschine. Seine Schwester hatte an dem Ding kein Interesse - das war dem Jungen nur recht. Bis heute erinnert sich Winkler daran, dass sein Lehrer es ihm erlaubte, das Modell mit in die Schule zu nehmen, anzuheizen und vorzuführen. Nach dem Studium führte das Berufsleben den Techniker nach England. Ein Antiquitätengeschäft in England war voll mit Modellen von Lokomotiven und Dampfmaschinen. Eine Dreifach-Expansions-Dampfmaschine zog das Interesse des Technikfreaks auf sich. Ein halbes Jahr später war Winkler ihr Besitzer. "Ich habe sie zu einem Spottpreis erworben", erinnert er sich. Diesen Schatz hat er einem Freund verkauft, arbeitet aber daran, dass das Modell auch einen Platz in dem Museum bekommt.

Gute Adresse für den sammelfreudigen Techniker war auch ein Auktionshaus im englischen Bath. Dort hat er immer zugeschlagen, wenn es ihm verlockend und preiswert erschien. Natürlich bauen sich über diese Leidenschaft Kontakte zu anderen Sammlern auf. Und dann wechselte so manches Exponat seinen Besitzer. Manche Maschinen hat der Experte auch selbst gebaut.

Und wie geht es mit dem gerade eröffneten Museum nun weiter? Der Laden Norderstraße 81 öffnet seine Türen zunächst am kommenden Sonntag, 14. Juli, von 10 bis 12 Uhr zum Flensburger Dampf Rundum. Ab August können Besucher dann an noch zu bestimmenden Sonntagen kommen. Dann werden auch einzelne Maschinen unter Dampf vorgeführt. Die Eintrittspreise nennt der Museums-Chef eher mit Zurückhaltung: fünf Euro für eine oder zwei Personen, Kinder umsonst. Damit möchte er gern die Miete für den Laden finanzieren.

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