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„Wildtierhilfe Fiel“ : Zweite Chance für Rehkitze und Exoten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ob Amsel oder Zaunkönig, Wasserschildkröte oder Rehkitz: Dirk Fußbahn kümmert sich um alle Tiere, die verletzt oder verwaist sind. Die „Wildtierhilfe Fiel“ ist eine anerkannte Wildtier- und Exotenauffangstation.

shz.de von
erstellt am 13.10.2013 | 09:00 Uhr

Nordhastedt | Dirk Fußbahn hat ein Herz für Tiere. Auf seinem Hof in Nordhastedt im Kreis Dithmarschen pflegt der 46-Jährige verletzte oder verwaiste Wildtiere und kümmert sich um exotische Haustiere, die niemand mehr haben will. Auch Tiere, die von der Polizei beschlagnahmt wurden, nimmt er auf. „Bei uns bekommen alle eine zweite Chance“, sagt er.

Ein Rundgang über das Areal der „Wildtierhilfe Fiel“ weckt tatsächlich Assoziationen an die Arche Noah: Eine zahme Ringeltaube hockt in einer Voliere zwischen Wellensittichen und Nymphensittichen, das Gehege nebenan gehört dem Dachs „Frieda“ und „Chakra“, dem Rotfuchs. „Die Arten leben auch in freier Wildbahn oft zusammen“, erklärt Fußbahn. Daneben leben Nasenbär, Steinmarder, Frettchen und eine Würgeschlange. „Alles, was die Leute nicht mehr haben wollen. Der Besitzer der Heiligen Ibisse zum Beispiel wollte nach Spanien auswandern“, erzählt Fußbahn.

In einer Voliere pflegt Fußbahn verletzte Wildvögel. Eine Amsel, die gegen eine Scheibe flog, eine Eule, die sich mit einem Flügel im Stacheldraht verdrehte, ein Graureiher, der als halb verhungerter Jungvogel bei ihm abgegeben wurde - Schicksale von Tieren, die hier ihre zweite Chance bekommen: „Wenn sie sich erholt haben, kommen alle wieder raus“, sagt er. „Das Schönste ist, wenn man ein Tier nach gelungener Handaufzucht in die Freiheit entlassen kann und sieht: Es ist bereit für das Leben. Das ist toll, da geht die Sonne auf.“

Das gilt auch für die „angemähten“ Reh-Kitze, die Tierfreunde ihm jedes Jahr bringen. Acht Rehbabys hat er in diesem Sommer mit der Hand aufgezogen. „Die sind alle überm Berg, kriegen nur noch einmal am Tag die Flasche“, erzählt Fußbahn. Und räumt gleich auf mit dem heimlichen Traum vieler Tierfreunde: Handaufzucht bedeutet auf keinen Fall, dass ein wildes Tier zum Freund des Menschen wird. Auch wenn „Bambi“ noch so niedlich ist, hängt Fußbahn das Milchfläschchen so früh wie möglich an einem Brett auf. „Damit das Rehkitz mit möglichst wenig menschlichem Kontakt aufwächst. Es ist gewollt, dass die Tiere ihre natürliche Scheu behalten“, erklärt Fußbahn.

Sonst kann es ihnen ergehen wie der Krähe Onk. „Onk bedeutet 'ohne nennenswerte Kenntnisse'“, sagt Fußbahn: Er habe sie so getauft, weil sie vom Leben wilder Krähen keine Ahnung hat. Ein Spaziergänger fand sie als Küken und päppelte sie in seiner Wohnung auf. „Sie wuchs alleine ohne Artgenossen auf, war also völlig fehl geprägt.“ Der halb zahme Vogel hackte alles kaputt und wurde zum Schrecken der Nachbarschaft, bis seine Zieh-Eltern ihn schließlich in die Auffangstation brachten. „Er fliegt hier auf dem Hof frei herum, aber so richtig Krähe wird der nicht mehr“, sagt Fußbahn traurig.

Ein großer Teil des Areals erinnert an einen Bilderbuch-Bauernhof.

Dabei mussten viele der Bewohner vor ihrer Ankunft ein schlimmes Schicksal erdulden. Die Polizei hatte bei einem „Tier-Messi“ die Wohnung leer geräumt: Dutzende Hunde und Katzen hatte sie von der Straße geholt und aufgenommen, auch Hühner, Pferde, Waschbären, Schweine und ein Schaf. „Die Frau hatte es gut gemeint , aber irgendwann wuchs ihr alles über den Kopf“, erzählt Fußbahn. Dem Schaf habe er mittlerweile „zwei Mädels“ gekauft, damit es nicht allein auf seiner Koppel grasen muss. Denn Fußbahn kümmert sich auch um die Seele der Tiere: „Das ist ganz wichtig.“

So hat er sich auch bemüht, seiner Affenfamilie ein schönes Heim zu schaffen. Die Polizei hatte vor einigen Jahren ein halbes Dutzend Rhesusaffen in einem Getränkegroßmarkt beschlagnahmt: Dort hockten die Tiere zur „Belustigung“ der Kunden in einem engen Käfig.

„Als sie bei uns ankamen, waren sie sehr verstört und aggressiv“, erinnert sich Fußbahn. „Mittlerweile haben sie begriffen, dass sie hier sicher sind.“ Die Äffchen leben jetzt in einem Gehege mit Kletterbäumen und einem Hochseilgarten. „Sie haben sogar einen eigenen Swimmingpool, denn sie lieben das Baden,“ sagt Fußbahn - und grinst: „Ich würde gerne so schön wohnen wie diese Affen.“

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