Jübek Open Air : Zurück zu den Wurzeln

Die Kulisse des Open-Airs zu Glanzzeiten. Tagsüber nur mäßig gefüllt, aber gigantisch groß. Foto: ecg
1 von 4
Die Kulisse des Open-Airs zu Glanzzeiten. Tagsüber nur mäßig gefüllt, aber gigantisch groß. Foto: ecg

Vor 15 Jahren wurde das Jübek-Open-Air eingestellt. Nach einer Revival-Party wird das Rock-Festival jetzt wiederbelebt.

shz.de von
10. April 2011, 01:51 Uhr

Die Organisatoren des Jübek-Open-Air wollten es nicht nur bei ihren Aussagen belassen, sondern auch Taten folgen lassen. Die Revival-Party sollte nicht der Touch eines Klassentreffens anhaften. Ihr Auftritt nach 15 Jahren musikalischer Ruhe im Sandbahnstadion ist ihnen gelungen. Eintragungen auf ihrer Homepage sind Beleg: "Liebes Jübek Team, ich möchte mich jetzt einfach nochmal bei euch... bedanken. Die Veranstaltung war wirklich sehr professionell abgewickelt...Ich wünsche mir, dass sich eure Idee mit den Jahren langsam etabliert und somit wieder eine Institution zurückkehrt", schrieb der Sänger der Band "Illegal 2001" ins Gästebuch. Doch der Anspruch wurde dadurch auch größer.
Wer soll dieses Jahr auf dem Open-Air auftreten? Soll das Gelände vergrößert werden? Wie viel Geld muss investiert werden? Viele Fragen kreisen in den Windungen der Gehirne der vier Gesellschafter: Maik Frie und Alexander Hansen als Geschäftsführer sowie Marco Sohr und Christoph Tams als zusätzliche Gesellschafter. Seitdem auf dem Dankfest im vergangenen Jahr der Entschluss gefasst wurde, weiter zu machen, sprießen täglich neue Ideen aus dem Boden.
Den vier Gesellschaftern rauchen die Köpfe
Oftmals ist aber der Wunsch Vater des Gedankens. Sie sitzen häufig gemeinsam zusammen. Die Luft im Raum ist verbraucht und dünn. Die Köpfe haben so viel Rauch produziert, dass eine Qualmwolke unter der Decke zu hängen scheint, als hätten sie eine Zigarette nach der anderen geraucht. Doch der Aschenbecher ist nicht zum Bersten voll – keiner der vier Gesellschafter raucht. Zwei Verträge liegen unterschrieben auf dem Tisch. Die beiden Top-Acts. "Einer für die jüngeren Zuschauer und einer für die älteren", erklärt Maik Frie. Bei einer Band aus Dänemark warteten sie auf die Rückkehr des unterschriebenen Vertrages. "Jetzt ist er da. Eine Altrocker-Band von damals", sprudelt es aus den Gesellschaftern heraus. Als Nachwuchsbands kommen "Sleven", "die beim Dithmarscher-Rockband-Contest im Finale gespielt haben", erklären sie, und "Lukas & Helge". "Das sind unsere örtlichen Newcomer", fügen sie hinzu. Die hätten sich beim Team beworben.
Damals stellten die Gesellschafter Kontakte nur über Agenturen her. "Wir hatten zum Schluss vier Bühnen und für jede Stage eine Agentur", erinnert sich Arthur Peter, der früher für fünf Jahre Geschäftsführer der Gesellschaft Jübek-Open-Air war. Dann musste die Standverteilung bestimmt, die Bühnen bestellt und die Werbetrommel gerührt werden. "Ein großer Kostenfaktor ist die Werbung" unterstreicht Peter. Da gäbe es auch Ordnungsgelder, wenn "schwarz" plakatiert würde, mahnt er an.
"Wir treffen uns unter der Woche, telefonieren aber täglich."
Auf dem Tisch stapelt sich das Papier turmhoch. Dahinter kauern die vier Gesellschafter – konzentriert lesen und blättern sie, machen sich Notizen. Arbeit, die in diesem Jahr leichter von der Hand geht – aber noch immer endlos scheint. "Wir treffen uns unter der Woche, telefonieren aber täglich", sagen sie. Ihr Themen: das Festival-Gelände, die Schank-Wirtschaften, die Sichtung und Auswahl der Bands für das Jübek-Open-Air 2011 im Sommer. Sie sitzen um einen Tisch. Tausende Eindrücke des vergangenen Jahres werden gesammelt und bewertet, um es in diesem Jahr noch besser zu machen. "Für die 100 Schritte vom ersten Mal brauchen wir jetzt nur noch 20", sind sich die Geschäftsführer sicher. "Das Feedback und die Kritik waren sehr gut", wissen sie zu berichten. Denn dieses Mal gibt es Bier einer bekannten Hamburger Brauerei und Spültoiletten.
Die vier sind stolz, dass sich für das zweite Festival unter ihrer Regie einige Bands beworben haben. Das hatten die Organisatoren nicht erwartet. Doch in diesem Jahr gibt es keine "Cover-Bands", sind sich die "Jübeker Jungs" einig. Es bleibt aber auch eine Tagesveranstaltung, "bei der wieder nicht gezeltet werden darf." Es sind zwei so genannte Headliner gefunden worden, um am 20. August das Jübeker Sandbahnstadion für jung und alt zu rocken. Und so sitzen die Organisatoren vor ihren Zettelstapeln. Immer neue Vorschläge: blättern, lesen, zwischendurch untereinander abstimmen, weiterblättern. "Mehrere Tage sahen in der Vorbereitung so aus", beschreiben sie mit leidgeprüfter Miene.
Vergangenes Jahr kamen mehr als 3000 Besucher
"Wir hatten früher zwei Festangestellte für die Büroarbeit", unterstreicht Arthur Peter den hohen Aufwand mit Worten. "Als geringfügig Beschäftigte", fügt er hinzu. Er selbst war zwei bis drei Stunden täglich für die Gesellschaft unterwegs. Gespräche mit den Ordnungsämtern, Behörden und Unternehmen für Sanitäranlagen.
Vergangenes Jahr kamen mehr als 3000 Besucher. Jetzt sollen viel mehr Gäste kommen, hoffen die Vier augenzwinkernd. Dass die Zahl der Besucher beim zweiten Anlauf gesteigert werden soll, ist klar. Doch über die genaue Zahl können sie keine Auskunft geben. "Auf jeden Fall mehr. Vielleicht das doppelte", hoffen sie.
Fünf Acts sorgen für eine gute musikalische Mischung
Am Ende des Tages haben die "Jungs" schließlich das Feld sondiert und ihre Auswahl getroffen. Die Mischung zwischen Musik für Jung und Alt sowie für die Nachbarn aus Dänemark ist bunt. Fünf Teilnehmer gibt es. Genau wie bei der Revival-Party. Gepaart aus Heimvorteil und der Möglichkeit des Geldbeutels sind auch diesmal die Acts ausgewählt worden. Kein Gold, aber Silber, da sind die Organisatoren zuversichtlich.
"Die Happy", "DAD" und "Wingenfelder & Wingenfelder" – in der Reihenfolge von oben. "Martha, die Sängerin von ,Die Happy’, hat ihre eigenen Fans. Sie singt mit ,Revolverheld’ einen Song, der in den Top-Ten ist, und ist Jurorin bei ,Popstars’", stellen die vier Jübeker "Jungs" ihren Top-Act für die jüngeren Besucher vor. "DAD" ist der dänische Musik-Part für die Nachbarn und Nostalgiker "und "Wingenfelder & Wingenfelder" sind nicht ,Fury in the Slaughterhouse’", stellen sie fest. Sie würden zwar Lieder wie "Time to wonder" spielen, aber hauptsächlich eigene, erklären sie. Jetzt geht es für die Vier an die konkrete Festivalplanung. "Die Bühnen- und Lichttechnik ist verbessert worden und auch die Ausleuchtung des Platzes", verraten sie.
"Bands sind den Besuchern nicht so wichtig, sondern die Atmosphäre"
Eine Konstante ist die Musik, "aber Bands sind den Besuchern nicht so wichtig, sondern die Atmosphäre". Jedoch wollen die Festival-Besucher auch unterhalten und bewirtet werden – "und wir wollen für Jübek etwas Kulturelles auf die Beine stellen", sagen sie. "Es ist ein Ganzjahres-Job", weiß Arthur Peter aus langjähriger Erfahrung. Und doch: "Nach dem Festival ist vor dem Festival."
(ecg, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen