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Telekom-Flatrates : Zuletzt lacht, wer trotzdem drosselt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Gericht untersagt der Telekom Pläne für eine Geschwindigkeitsbremse bei Internet-Flatrates. Am Ende lacht trotzdem der Bonner Konzern. Ein Kommentar von Till H. Lorenz.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 08:06 Uhr

Bonn | Wo Flatrate draufsteht, muss auch eine Flatrate drin sein. So lässt sich das Urteil des Kölner Landgerichts zusammenfassen. Eine Internet-Mogelpackung ist bei Festnetz-Leitungen nicht zulässig. Für die schon als „Drosselkom“ verspottete Telekom mag das nach einer Schlappe aussehen. Am Ende wird es aber trotzdem der Bonner Konzern sein, der lacht – und seinen Kunden beim Erreichen bestimmter Verbrauchsgrenzen den Datensaft abdreht. Denn einer Drosselung der Surfgeschwindigkeit hat das Gericht eben gerade nicht widersprochen. Die Richter fordern nur, dass die Bezeichnung im Werbeprospekt stimmt.

Für die Telekom wird der Weg zur Daten-Drosselung nun komplizierter und teurer als geplant. Altverträge müssen gekündigt und Kunden mit kräftigen Rabatten in die neuen Verträge gelockt werden. Doch die Zwänge sind zu groß, als dass die Telekom darauf verzichten könnte. Um einen permanenten Ausbau der Netzinfrastruktur, der Millionen verschlingt, kommt sie nicht herum. Dafür wachsen das Internet und der weltweite Datenverkehr zu rasant. Allein durch den Knotenpunkt in Frankfurt wird täglich das Datenvolumen von 2,7 Millionen DVDs gejagt. Tendenz steigend.

Dies allein wäre für die Bonner am Ende womöglich noch verschmerzbar. Dass es aber vor allem andere sind, die mit Telekom-Leitungen – oder vielmehr dem Internet – dann das große Geld verdienen, ist es nicht. Online-Dienste wie Youtube, Google und Co. fressen Bandbreite und scheffeln Milliarden, doch bei der Telekom – die vergangenes Jahr einen Verlust von mehr als fünf Milliarden Euro eingefahren hat – kommt kein Cent davon an. Vor einigen Jahren hatte Telekom-Chef René Obermann noch versucht, eine Gebühr von den Online-Diensten einzutreiben und ist gescheitert. Jetzt wird eben bei den Nutzern gedrosselt, um mehr Geld für das eigene Online-Angebot zu erpressen. Ob die Telekom damit erfolgreich ist, wird kein Gericht klären können, sondern nur der wechselwillige Nutzer.

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