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Bundesweiter Wettbewerb : Zugführer aus SH punktet mit Herzlichkeit

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Der Zugführer Lazarus Tomdio aus Schleswig-Holstein ist für den bundesweiten Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ nominiert.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 20:01 Uhr

Husum | Lazarus Tomdio strahlt, als er morgens um 6.30 Uhr seine Arbeit als Zugführer der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) in Husum beendet. Der gebürtige Westafrikaner arbeitet im Schichtbetrieb, ist aber trotz seines wechselnden Arbeitsrhythmus stets eine Frohnatur. Der 48-Jährige aus Kamerun besticht als Verantwortlicher in den Waggons – unter anderem auf der Strecke von Hamburg nach Westerland – nicht nur durch seine Hilfsbereitschaft, sondern nach Feierabend und am Wochenende auch durch sein außergewöhnliches Engagement als ehrenamtlicher Entwicklungshelfer. Daher wurde er für Kay Goetze, Marketing-Leiter der NOB, zu Recht aus mehr als 300 Einsendungen als „Eisenbahner mit Herz“ ausgewählt.

Lazarus Tomdio ist vom Verband „Allianz pro Schiene“ für den gleichnamigen bundesweiten Wettbewerb nominiert. Am 29. April wird der Sieger in Berlin gekürt. Eine siebenköpfige Jury muss zwischen bundesweit 30 Nominierten und ihren außergewöhnlichen Geschichten entscheiden. Zum vierten Mal stehen dabei die schönsten Reisegeschichten aus dem Alltag der Bahnkunden im Fokus.

Tomdios Familienname ist zu seiner Aufgabe geworden. „In unserer Landessprache bedeutet es ,Rausgehen‘“, übersetzt der 48-Jährige, der seit 1990 in Deutschland lebt. Zunächst kam er aus Jaunde (Kamerun) nach Wuppertal. Der Schwarzafrikaner studierte Chemie und lernte Deutsch. Doch der gläubige Katholik merkte, dass er weitergehen muss – nach Kiel. Dort studierte Tomdio Pharmazie, um später seiner Familie in der Heimat helfen zu können. Parallel dazu kam er allerdings in Kontakt mit der Deutschen Bahn. Er brach das Studium ab und nahm einen Job beim European Railservice in Hamburg an. Der mittlerweile verheiratete Familienvater reiste quer durch Europa – mit dem Nachtzug oder Urlaubsexpress.

Er lernte italienisch, wollte nach Italien, blieb dann aber doch in Deutschland. Dann folgte niederländisch. Der Umzug nach Holland stand kurz bevor, aber er blieb in Kiel. „Mein Vater hat mich auch nach Deutschland geschickt. Nicht nach Italien, Holland oder England“, verweist der mittlerweile deutsche Staatsbürger auf die Intention seines Vaters, der in Kamerun praktizierender Arzt ist. Aber auch seine Ehefrau hat ihn „geerdet“, sagt er. Sie stammt ebenfalls aus Kamerun. Lazarus Tomdio muss nicht mehr „rausgehen“. Seine drei- und anderthalbjährigen Töchter geben seiner Familie Wurzeln. „Heimweh hab‘ ich nur im Winter“, unkt der Zugführer lachend.

Tomdio hat 17 Geschwister, die in aller Welt verteilt leben. Die Großfamilie hat einen gemeinnützigen Verein gegründet: „Perspectives Kamerun“. Seit 2010 ist Kiel der Organisationssitz, Lazarus Tomdio der Vorsitzender. Der Verein betreibt Entwicklungshilfe in Kamerun und lässt Wasserleitungen in Dörfern entstehen. „Für die vergessenen Leute“, beschreibt Tomdio die Situation der 12.000 Menschen, die derzeit einen Weg von sechs Kilometern bis zur nächsten Wasserstelle zurücklegen müssen. Auch Waisen werden von „Perspectives Kamerun“ unterstützt. „Wir wollen für sie ein Haus bauen“, skizziert der Kieler ein Vorhaben. Seine Geschwister fungieren schon jetzt als Lehrkräfte, der Verein plant ein Ausbildungszentrum.

Als Zugführer hat Lazarus Tomdio seinen Weg gefunden. Ob seiner freundlichen und hilfsbereiten Art ist er auch für den NOB-Betriebsrat nominiert. Die Wahl ist im Mai. Bis dahin wird der gebürtige Westafrikaner auf der Strecke von Westerland nach Hamburg weiterhin für eine gute Atmosphäre sorgen. „Wir freuen uns sehr über die Nominierung für den 29. April und drücken Herrn Tomdio für die Verleihung ganz fest die Daumen“, sagt die NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow.

www.perspektives-kamerun.com; www.bei-sh.org

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