Pilgern : Zu Fuß den Norden neu entdecken

Unsere Redakteurin Kathrin Emse ist auf dem Weg. Mit mehr als 20 Kilo Gepäck geht sie quer durch Schleswig-Holstein.
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Unsere Redakteurin Kathrin Emse ist auf dem Weg. Mit mehr als 20 Kilo Gepäck geht sie quer durch Schleswig-Holstein.

Unsere Redakteurin Kathrin Emse bereist das Land zwischen den Meeren. Zu Fuß. Drei Wochen nimmt sie sich für ihre Wanderung Zeit.

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16. September 2008, 05:27 Uhr

Flensburg / sh.z | Angeblich waren die Inka technisch in der Lage, ein Rad zu bauen - doch sie weigerten sich. Es sei nicht gesund: Der Mensch würde mit Hilfe des Rades ein Tempo erreichen, bei dem die Seele nicht mehr mitreisen könne. Wenige Legenden - seien sie richtig oder falsch - haben mich je so fasziniert wie diese. Jedesmal wenn ich an einem Ferienort aus dem Flieger steige, aber auch nach mancher Bahn- oder Autofahrt kommt mir dieser Satz in den Sinn: "Zu schnell für die Seele!" Darum träume ich seit Jahren von einer Fuß-Reise. In meiner Fantasie kann ich mir wenig vorstellen, was so eindrücklich sein dürfte. Wie eine Reise zu sich selbst. Oder, um noch eine berühmte Quelle zu bemühen: "Der Weg ist das Ziel", Mahatma Ghandi.
Santiago de Compostella hat mich gereizt, doch ich fand niemanden, der mitgehen wollte. Und als ich endlich so weit war, alleine wandern zu wollen, brachte Hape Kerkeling sein Buch "Ich bin dann mal weg" auf den Markt. Seitdem ist der Jakobsweg in Spanien völlig überlaufen. Von Ruhe keine Spur.
Warum so weit?

Aber noch einmal zehn Jahre warten? Auf dem Gendarmenstien zwischen dem dänischen Pattburg und Höruphafen dachte ich plötzlich: Warum so weit Reisen? Zum Wandern! Wenn ich doch einmal im Tempo meiner Seele fortschreiten will? Ich laufe einfach durch Schleswig-Holstein!

Nun ist es so weit. Das Reisefieber hat mich voll erwischt. Am Montagmorgen ging es los. Jetzt heißt es endlich: "Ich bin dann mal hier!" Und das für drei Wochen. Auf dem Rücken werde ich alles dabeihaben, was ich in der Zeit brauche: Zelt, Matte, Schlafsack - Blasenpflaster, Regenzeug. Ernähren werde ich mich vornehmlich von Brot; Kochzeug ist zu schwer. Einen dicken Schmöker (Harry Mulisch, "Die Entdeckung des Himmels") für die Abende habe ich mir erlaubt, ins gesamt acht topografische Landkarten, Kompass, Entfernungsmesser, Fernglas. Und natürlich einen Fotoapparat und Handy. Denn ich werde an dieser Stelle täglich von meiner Tour berichten.

Also: Ich bin dann mal hier!

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