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Geburtenkontrolle durch Ranger : Zu clever: Nandus lassen sich beim Eierlegen nicht überlisten

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Die Nandus im Norden nehmen überhand. Deshalb gehen Experten ihnen an die Eier – mit mäßigem Erfolg.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2017 | 17:00 Uhr

Schaalsee | Die einzige freilebende Nandu-Population Europas mit rund 220 Tieren in Norddeutschland lässt sich vom Versuch der Geburtenkontrolle durch den Menschen offenbar nicht beeindrucken. In den vergangenen gut zwei Wochen haben Bauern und Ranger des Biosphärenreservates Schaalsee Eier in den versteckt liegenden Nestern der großen Laufvögel angebohrt, um sie so unfruchtbar zu machen.

Die Zahl der flugunfähigen Vögel, die an Strauße erinnern, aber etwas kleiner sind, ist im Norden stark angestiegen. Bauern in der Grenzregion von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein klagen wegen der Exoten über massive Verluste auf ihren Raps- und Rübenfeldern.

Die Idee, dass die Tiere das Anbohren der Eier nicht bemerken und weiter brüten, ist nicht aufgegangen. Petra Böttcher vom Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg berichtete am Dienstag, dass die an der Aktion beteiligten Landwirte zwar sieben Nester mit jeweils acht bis 26 Eiern darin gefunden haben und auch einen Teil anbohrten - allerdings hätten die brütenden Hähne die Nester daraufhin verlassen. Das könne zur Folge haben, dass die Tiere neue Nester anlegen und erneut brüten. „Sie tun das bis in den Juni hinein“, sagte Böttcher. Die Aktion sei aus Sicht der beteiligten Bauern kein Erfolg gewesen.

Die Landwirte sowie die Ranger des Bioshärenreservates Schaalsee durften bis einschließlich Montag Nandu-Eier anbohren. Die Eingriffe mit dem Akkubohrer waren in diesem Jahr zum ersten Mal genehmigt worden.

Männliche Tiere kümmern sich bei den Nandus um den Nachwuchs - und der wird gut beschützt.
Männliche Tiere kümmern sich bei den Nandus um den Nachwuchs - und der wird gut beschützt. Foto: Stefan Weißenborn
 

Die Reservatsranger haben nach Worten von Sprecherin Ulrike Müller nur zwei Nester mit zusammen fünf Eiern gefunden und diese auch angebohrt. Ein Nest sei verlassen gewesen, bei dem anderen sei das Schicksal unklar. „Ein durchschlagender Erfolg ist das nicht“, räumte sie ein. Die Aktion sei jetzt zu Ende. Bei der nächsten Zählung im Herbst werde man sehen, wie sich der Bestand entwickelt hat. „Wir sammeln Erfahrungen“, sagte Müller. Schließlich handele es sich um die einzige wilde Nandu-Population in Europa.

Ihre natürliche Verbreitung haben Nandus (Rhea americana) in Südamerika. Der Bestand in der Schaalseeregion geht auf einige wenige Tiere zurück, die 1999 aus einem Gehege in Groß Grönau in Schleswig-Holstein entlaufen sind.

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