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NSU-Prozess : Zschäpe war die „Mama“ beim Fehmarn-Camping

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Sie trafen sich im Campingurlaub auf Fehmarn – und ahnten nicht, mit wem sie es zu tun hatten. Mehrere Urlaubsbekannte des NSU-Trios sind sich vor Gericht einig: Beate Zschäpe habe die anderen nicht nur bemuttert, sie habe auch die Kasse verwaltet.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 18:37 Uhr

München | Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe ist am Mittwoch von mehreren Urlaubsbekannten als eine Art „Mama“ des NSU-Trios beschrieben worden. Zschäpe, die unter dem Namen „Liese“ aufgetreten sei, habe beim Camping auf Fehmarn auch die Urlaubskasse verwaltet, sagten die drei Zeugen im Münchner NSU-Prozess. Für die Bundesanwaltschaft ist dies ein Indiz für die wichtige Rolle der Hauptangeklagten in der Gruppe. Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) aus Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wird die Ermordung von neun griechisch- und türkischstämmigen Einwanderern und einer Polizistin zur Last gelegt.

Auch ein Mechaniker, bei dem Zschäpe und einer der Männer 2011 einen Bootsmotor reparieren ließen, beschrieb Zschäpe am Mittwoch als diejenige, die die Entscheidungen getroffen und am Ende bezahlt habe. Die drei Urlaubsbekannten beschrieben Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt, die sie im Sommer 2011 als „Liese“, „Max“ und „Gerry“ kennenlernten, übereinstimmend als sehr nett, offen und hilfsbereit – und liebevoll zu den Kindern. Die drei seien „wie eine Familie“ gewesen, sagte Matthias R. vor dem Oberlandesgericht. „Liese war so ein bisschen die Mutti, die halt nach dem rechten geschaut hat.“ Auch Caroline R. sagte: „Ich würde sie als Familie beschreiben.“ Die „Liese“ als Mutter, den „Gerry“ als Vater und den „Max“ als Kind, dem immer ein Scherz eingefallen sei. Über „Liese“ sagte die Zeugin: „Sie hat dafür gesorgt, dass immer Essen für alle da ist, hat sich auch um die Wäsche gekümmert - was man eigentlich als Mama macht.“ Zwischen den Dreien habe es auch nie Streit gegeben. „Wir fanden es schon bewundernswert, dass die so gut miteinander ausgekommen sind. Das schien ein eingespieltes Team zu sein“, sagte Rita K..

Die Familien verbrachten viel Zeit zusammen: beim gemeinsamen Grillen und Essen, beim Joggen, beim Surfen, bei gemeinsamen Ausflügen oder bei Spieleabenden. Über politische Dinge habe man aber nie gesprochen. Und nur sehr wenig über Privates. Die Nachrichten im Herbst 2011, als herauskam, wer die drei wirklich waren, sei für alle erschreckend gewesen. „Wir waren natürlich alle geschockt - auch die Kinder“, sagte Rita K. – da habe man Zeit zum Verarbeiten gebraucht.

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