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Böller-Unfall in Handewitt : Zoll sucht jetzt illegale Sprengkörper

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Einem Kind in Handewitt hat er die Hand zerrissen: Ein Böller, verboten in Deutschland. Der Zoll entdeckt momentan immer mehr der gefährlichen illegalen Sprengkörper.

„Es ist jetzt natürlich die Zeit“, sagt Michael Rietz vom Hauptzollamt Kiel. Jedes Jahr im Dezember suchen Zollbeamte intensiv nach illegalen Böllern. Und werden fündig. Bei der Einreise in den Häfen von Kiel und Lübeck oder bei Kontrollen auf der Autobahn hinter der Grenze. Mal sind es Privatpersonen, die sich eingedeckt haben, mal aber auch ganze Lkw-Ladungen. So wie am 24. November, als Polizisten in Berlin einen mit sieben Tonnen illegalen Knallkörpern beladenen Laster stoppten. In Deutschland verbotene Silvesterböller aus Dänemark, Polen oder China sind beliebt – der große Knall fürs kleine Geld.
Die Gefahren werden verdrängt. „Niemand weiß, was drin ist, teilweise wurde schon Industriesprengstoff in den Knallkörpern gefunden“, erklärt ein Experte. Oft sind die Zündschnüre zu kurz, ist die Verarbeitung mangelhaft. Zudem sind die Böller häufig mit Gips-Propfen verschlossen, die beim Explodieren wie Geschosse herausgeschleudert werden. „Das alles macht diese Dinger zu einer unkalkulierbaren Gefahr für den Nutzer und für Unbeteiligte.“ Manchmal braucht es nicht einmal ein Feuerzeug, sondern nur eine leichte Erschütterung, um die Chemikalienmischung zu zünden.
Finn verlor Finger seiner linken Hand
Immer wieder gibt es schwere Verletzungen, so wie jetzt im Handewitter Ortsteil Weding (Kreis Schleswig-Flensburg). Der zehnjährige Finn verlor Finger seiner linken Hand, drei weitere Kinder (8 und 9 Jahre alt) wurden durch Splitter und Verbrennungen schwer verletzt. Bereits zwei Wochen vor dem Unglück wurde die beschauliche Wohngegend immer wieder von ohrenbetäubenden Explosionen erschüttert, offenbar hatten Kinder oder Jugendliche schon zuvor illegale Böller gezündet. „Das ist ein Problem, das wir in der Nähe der dänischen Grenze immer wieder haben“, sagt Uwe Keller, Sprecher des Landeskriminalamts.
Im Jahr 2008 wurde ein junger Mann festgenommen, der illegale Böller auf dem dänischen Schwarzmarkt erworben hatte, und damit in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) parkende Autos schwer beschädigte.
In Deutschland sind nur Feuerwerkskörper erlaubt, die das Zulassungszeichen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) tragen. Die Einfuhr von Böllern ohne dieses Prüfzeichen ist ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und wird mit Geldstrafen oder Haft von bis zu drei Jahren bestraft.

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erstellt am 14.Dez.2009 | 09:01 Uhr

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