Bilanz : Zoll: Die Spürnasen gegen den Erfindergeist

Drogen-Spürhund Billy in Aktion: Für den Kleinen Münsterländer (10) ist die Suche nach Rauschgift ein vergnügliches Spiel. Foto:  Staudt
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Drogen-Spürhund Billy in Aktion: Für den Kleinen Münsterländer (10) ist die Suche nach Rauschgift ein vergnügliches Spiel. Foto: Staudt

Das Hauptzollamt zieht Bilanz 2010: Die Beamten haben den Schmuggel von elf Tonnen Rauschgift verhindert und mehr als eine Million Zigaretten sichergestellt.

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19. März 2011, 09:22 Uhr

Kiel | Die Fähre aus Oslo hat vor wenigen Minuten angelegt. Jetzt drängeln die Menschen von Bord und werden in den Terminal vom Norwegenkai in Kiel geschleust. Stichprobenartig greifen sich die grün gekleideten Zöllner den einen oder anderen heraus. Die Taschen werden durchleuchtet, zum Teil geöffnet und untersucht. An diesem Tag finden die Beamten nichts, doch das ist nicht immer so. Am Donnerstag stellte das Hauptzollamt (HZA) Kiel seine Jahresbilanz 2010 vor. "Ein insgesamt gutes Jahr", nahm Hauptzollamtsleiter Michael Kramer vorweg.
Schwerpunkte seien die Bekämpfung des Rauschgifthandels auf den Transitrouten Schleswig-Holsteins im Schiffs-, Schienen- und Straßenverkehr sowie die Bekämpfung der illegalen Beschäftigung gewesen, erklärte Kramer. Insgesamt stellten die Beamten dabei rund elf Tonnen Rauschgift sicher und verhinderten einen finanziellen Schaden von rund 13 Millionen Euro durch Schwarzarbeit.
Zigaretten-Verstecke immer ausgefeilter

"Beim Zigarettenschmuggel ist die Zahl der Aufgriffe etwas zurückgegangen", sagte Kramer. Dennoch wurden über eine Million Zigaretten sichergestellt. Thomas Spiegel, stellvertretender Leiter des Sachgebiets Kontrollen, erklärte: "Die Ware wird immer intensiver versteckt. Da gibt es nichts, was es nicht gibt." Ob eine Dose innerhalb einer Cola-Dose, Müsli-Packungen, eingezogene Wände in Kühl-Containern oder doppelte Böden in Lkw-Wechselaufbauten, dem Erfindergeist der Schmuggler seien keine Grenzen gesetzt. Dagegen helfe nur die gute Spürnase des Beamten, so Spiegel.
Gute Nasen haben auch die Spürhunde des Hauptzollamtes. Billy stellte sein Können am Donnerstag auch unter Beweis, allerdings nur bei einer fingierten Durchsuchung. Zielsicher fand der Kleine Münsterländer das "Schmuggelgut" hinter dem Rücksitz.
117 Kondome mit Kokain im Körper
Neben den Häfen von Kiel und Lübeck und den Autobahnen kontrollieren die Zöllner auch den grenzüberschreitenden Zugverkehr, beispielsweise auf der Strecke Hamburg-Kopenhagen. Dort wird vor allem ein Auge auf Körperschmuggler geworfen, die päckchenweise Drogen in Kondomen oder so genannten Body-Packs schlucken. Zollamtsrat Carsten Lampe erinnert sich an einen besonderen Fall im abgelaufenen Jahr: "Da hatte einer 117 Kondome mit Kokain im Körper. Immerhin knapp 1,2 Kilogramm."
Die Beamten wissen zwar, dass sie lange nicht alle Schmuggelwaren entdecken, nicht jeden Fall von Schwarzarbeit aufdecken können. Dennoch mache auch der Kampf gegen Windmühlen Sinn. Thomas Spiegel erklärt: "Unsere Kontrollen sind Präventionsarbeit. Würden wir nicht kontrollieren, was glauben Sie, wie viele Leute das zum Schmuggeln animieren würde?"
Das Hauptzollamt Kiel hat 911 Mitarbeiter und mit der Landeshauptstadt und Lübeck zwei Standorte. Außerdem sind 24 Spürhunde im Einsatz. Zuständig ist das Hauptzollamt Kiel für das östliche Schleswig-Holstein.
(os, shz)

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