Bredstedt : Zirkusartisten prügeln sich mit Anwohnern

Der Zirkus Granada in Bredstedt. Foto: Bandixen
Der Zirkus Granada in Bredstedt. Foto: Bandixen

Kampfhund, Knüppel, Kettensäge: Es war eine Vorstellung der besonderen Art, die Artisten des "Circus Granada" sich in Bredstedt mit Anwohnern und Polizei lieferten. Zwei Hunde hatten angefangen, dann mischten Männer mit.

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22. Oktober 2008, 09:04 Uhr

Bredstedt | Alles begann ganz harmlos mit einem Abendspaziergang: Ein Bredstedter und seine Lebensgefährtin führten am Sonnabend den Hund Gassi. Pech nur, dass der Wachhund des "Circus Granada", der auf dem benachbarten Bolzplatz gastiert, sein Terrain verteidigen wollte. Die beiden Herrchen mischten sich in die Rauferei der Vierbeiner ein und gerieten in Streit. Zuerst flogen nur Worte, dann die Fäuste: Der Anwohner verpasste dem Seniorchef des Zirkusses ein blaues Auge.
Die alarmierte Polizei war gerade dabei, die Kontrahenten zu befragen, als zwei Bredstedter aus dem Dunkel auftauchten. Sie hatten sich mit Knüppeln und einer Motorsäge bewaffnet. Vom Zirkusplatz näherten sich vier Gestalten drohend mit Holzknüppeln. Den beiden Beamten gelang es zunächst jedoch, die Situation zu entschärfen. Der Anwohner hatte die Körperverletzung zugegeben, die Anzeige war aufgenommen.
Als die Beamten die Personalien aufnehmen wollte, weigerten die Artisten sich
Doch den in ihrer Ehre verletzten Zirkusleuten reichte das nicht. Kaum waren die Polizisten weg, machten sich fünf Männer mit ihren Frauen, bewaffnet mit Baseball-Schlägern, Knüppeln und Brettern, auf die Suche nach dem Bredstedter. Der rief die Polizei zu Hilfe, als die Truppe in seinem Garten stand. Wortführer war der Juniorchef. Als die Beamten die Personalien aufnehmen wollte, weigerten die Artisten sich. Die Situation drohte zu eskalieren. Wüste Beschimpfungen und Provokationen gipfelten darin, dass ein Beamter auf den Kopf geschlagen wurde. Eine Verstärkung von neun Polizisten rückte an. Strafanzeigen wurden gefertigt, die Parteien getrennt.
Doch die Zirkusleute ließen nicht locker. Sie fühlten sich ungerecht behandelt und wollten die Justiz selbst in die Hand nehmen. Als elf Beamte gegen 2.30 Uhr noch einmal für Ruhe sorgen wollten, wurden sie mit Schlägen und Tritten traktiert. Die beiden Zirkus-Chefs mussten die Nacht in einer Zelle verbringen. Gestern zog das Unternehmen, das seit acht Generation in Familienhand ist, nach Handewitt weiter. Kuriosum am Rande: 1992 hatten die Bredstedter den "Circus Granada" aus großer Not gerettet. Nach einem Feuer war das Familienunternehmen in seiner Existenz gefährdet. In einer großen Spendenaktion kamen über 20.000 Mark für ein Zelt und eine Zugmaschine zusammen.

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