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Ermordete Joggerin : Zeugin beschreibt widersprüchliches Bild von Norman L.

vom

Er soll die junge Mutter Anna-Lena U. beim Joggen nahe Lübeck umgebracht haben. Norman L. schweigt weiter vor Gericht. Verschiedene Zeugen sollen den Richtern Aufschluss über die Persönlichkeit des Angeklagten geben.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 19:29 Uhr

Schwerin/Lübeck | Die Familienhelferin wunderte sich, als sie am 11. Juli gegen 17 Uhr vergebens an der Haustür von Norman L. in Lübeck klingelte. Sie hatte den vierfachen Vater bis dahin als akkurat, nahezu pedantisch und sehr pünktlich erlebt. Sollte er den Termin einfach vergessen haben? Sie schrieb ihm sofort per Handy eine SMS. Eine Antwort erhielt sie nicht mehr. Norman L. war in den frühen Morgenstunden festgenommen worden. Unter Mordverdacht. Er soll das grausame Verbrechen begangen haben, das seit dem 7. Juli die ganze Region aufrüttelte: Norman L. soll im Wald nahe der ehemaligen Grenze die 29-jährige Anna-Lena U. überfallen und erstochen haben. Die junge Mutter war in der beliebten Gegend zum Joggen unterwegs gewesen.

Seit Dienstag sitzt der 45-Jährige wegen Mordes, versuchter sexueller Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz in Schwerin auf der Anklagebank. Er will weder etwas zu den Vorwürfen noch zu seinem Werdegang sagen. Deshalb hat das Schwurgericht auch eine ganze Reihe von Zeugen geladen, die Aufschluss über seine Persönlichkeit geben können.

Den Anfang machte gestern die Psychologin, die im Auftrag des Jugendamtes die Familie des Angeklagten bis kurz nach der Tat betreute. Vor Gericht gibt sie einen widersprüchlichen Eindruck vom Angeklagten wieder. Die damalige Lebensgefährtin des Mannes habe um Hilfe bei der Erziehung der gemeinsamen vier Kinder gebeten, berichtet die Zeugin. Die Mutter habe sich überfordert gefühlt und über fehlende Unterstützung ihres Mannes geklagt. Dem war offenbar das „Chaos“ in der Wohnung auf die Nerven gegangen. Er war in eine eigene Wohnung unweit des späteren Tatortes gezogen. In dieser Wohnung lebte auch eine Zeitlang die älteste Tochter. Die Zeugin besuchte beide: „Wow, habe ich gedacht. So eine aufgeräumte Wohnung. Auch das Mädchen wirkte ausgesprochen adrett und sehr gepflegt. Ich war positiv überrascht.“ Wie die Zeugin schildert, das ganze Gegenteil von der Wohnung der Mutter. Überhaupt habe sie Norman L. als fast pedantisch erlebt. Als gut strukturiert, rhetorisch gewandt. Ein Hartz IV-Empfänger, der mit guten Noten eine Ausbildung zum Lageristen abgeschlossen hatte. „Warum machen Sie nicht mehr aus Ihrem Leben?“, habe sie ihn gefragt, aber keine richtige Antwort bekommen. Sie hatte den Eindruck, er liebe seine Kinder, die ihm wiederum respektvoll begegnet seien. „Respektvoll oder ängstlich?“, fragt eine Richterin nach. Die Zeugin überlegt lange. Bei den jüngeren Kindern, sagt sie dann, könne es auch Ängstlichkeit gewesen sein.

Dass er seine Kinder auch geschlagen haben soll, davon sei erst nach der Festnahme die Rede gewesen. Einmal soll er im Zorn eines der Kinder, das noch den Kindergarten besucht, gegen die Wand geworfen haben. Ein Kind selbst habe der Mutter von Schlägen, Tritten und Würgen durch den Vater berichtet, weil es beim Radfahren nicht an einer Ampel wartete. Eifersüchtig sei er gewesen, habe die Mutter berichtet. Die löste dann die Verlobung mit Norman L. auf, wie die Familienhelferin sagt.

Später habe die Mutter sich Vorwürfe gemacht, dass die Tat etwas damit zu tun haben könnte. Sie wolle nun zu ihm halten und ihn auch im Gefängnis besuchen, habe sie ihr versichert. Die Verlobung ist inzwischen wohl wieder erneuert, wie der Verteidiger sagt. Die Kinder sind laut Zeugin derzeit in Einrichtungen des Jugendamtes und in einer Pflegefamilie untergebracht.

Der Prozess wird nächsten Freitag fortgesetzt.

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