"Karibik-Verfahren" in Flensburg : Zeugenaussage wegen Aktenlücke abgebrochen

Diese Segelyacht aus Wyk auf Föhr wurde in der Karibik vom französchischen Zoll gestoppt. Foto: BKA
Diese Segelyacht aus Wyk auf Föhr wurde in der Karibik vom französchischen Zoll gestoppt. Foto: BKA

Drogenschmuggel per Jacht: Vor dem Flensburger Landgericht sagte am Mittwoch die erste Zeugin im "Karibik-Verfahren" aus. Die Vernehmung der BKA-Kommissarin wurde aber unterbrochen.

Avatar_shz von
31. Mai 2012, 09:29 Uhr

Flensburg | Der Prozess gegen drei mutmaßliche Drogenhändler, die tonnenweise Kokain von Südamerika nach Europa geschmuggelt haben sollen, ist am Mittwoch vor dem Landgericht Flensburg unterbrochen worden. Der Verteidiger des niederländischen Angeklagten beantragte, die Akten durch dem Bundeskriminalamt (BKA) vorliegende Schriftstücke zu ergänzen. Erst dann könne das Verfahren fortgesetzt werden. Zuvor hatte eine Hauptkommissarin des BKA zu dem Fall ausgesagt.
Der Verteidiger beklagte unter anderem, dass sich Schreiben von Verbindungsbeamten, etwa in Caracas (Venezuela), nicht in den Akten befänden. "Ich möchte Sie nicht weiter hören. (...) Die Akte ist nicht vollständig." Das Gericht ordnete daraufhin an, entsprechende Unterlagen den Akten hinzuzufügen oder Vermerke über die Quellen der entsprechenden Ermittlungsergebnisse zu fertigen.
BKA-Kommissarin berichtete über einen anonymen Hinweis
Die Angeklagten, die von der Insel Föhr, aus den Niederlanden und Südafrika stammen, sollen Kokain von Südamerika nach Europa gebracht haben. Laut Anklage haben sie seit 2008 mit weiteren Beteiligten regelmäßig Rauschgift eingeführt. Eine Segeljacht war im Juli 2011 auf Sint Maarten in der Karibik von der französischen Küstenwache durchsucht worden, sie entdeckte etwas mehr als eine Tonne Kokain.
Die BKA-Kommissarin berichtete über einen anonymen Hinweis, durch den die Behörde 2009 auf den deutschen Angeklagten aufmerksam wurde. Dem Hinweis zufolge soll der Föhrer Drogen über den Ärmelkanal transportiert haben. Ein Niederländer sei der Auftraggeber gewesen.
Den Männern droht eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren
Laut der Zeugin vom BKA bestätigten sich die Vorwürfe, von März 2010 an wurden deshalb Telefongespräche überwacht. Es sei dabei etwa um den Verkauf einer präparierten Segeljacht gegangen. Der Niederländer habe die Jacht kaufen und der Deutsche sie auf seinen Namen anmelden sollen.
In der vergangenen Woche hatte der Anwalt des deutschen Angeklagten ein Verwertungsverbot französischer Vernehmungsprotokolle beantragt, dem sich die anderen Verteidiger anschlossen. Dem Deutschen soll demnach keine Gelegenheit zu einer anwaltlichen Beratung gegeben worden sein. Dem Südafrikaner sei von Beamten auf Martinique mit der Verhaftung seiner Frau gedroht worden, wenn er nicht aussage. Vor Gericht äußerte sich bislang nur der Südafrikaner, der seinen Werdegang schilderte, aber nichts zu den Vorwürfen sagte.
Den Männern droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren. Insgesamt sind acht Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen