FSME und Borreliose : Zecken vermehren sich explosionsartig in SH

Experten warnen: Immer mehr Zecken tragen lebensgefährliche Krankheitserreger in sich.

Margret Kiosz von
28. Juli 2014, 19:47 Uhr

Kiel | Sie sind nur wenige Millimeter groß – trotzdem kann der Biss von Zecken lebensgefährliche Folgen haben. In diesem Sommer ist die Gefahr akut, denn wegen des milden Winters explodiert bundesweit die Zeckenpopulation. „Wir haben reichlich Zeckenfälle in der Praxis“, erklärte am Montag Thomas Maurer, Vorsitzender vom Hausärzteverband Schleswig-Holstein.

Besonders gefährlich sind Zecken, die die Erreger für Hirnhautentzündung (FSME) und für Borreliose in sich tragen. „Das sind deutlich mehr geworden“, bestätigt Regina Fölster-Holst, Professorin an der Kieler Uni-Hautklinik. Laut Robert Koch-Institut gilt Schleswig-Holstein zwar nicht als Zeckengefährdungsgebiet – ein erhebliches Zeckenrisiko wird allerdings für die Kreise Pinneberg, Segeberg, Stormarn und das Herzogtum Lauenburg gemeldet. Noch vor zwei Jahren war nur die unmittelbare Grenzregion zu Mecklenburg-Vorpommern betroffen.

Dass sich aktuell die Meldungen über Zeckenbisse häufen, liegt laut Fölster-Holst daran, dass viele Bürger wegen der Hitze Schatten suchen und Waldspaziergänge machen. Dort stürzen sich die Parasiten mit Vorliebe auf nackte Waden, Kniekehlen, Achseln und Oberarme.

„Borreliose kann zu Nervenentzündungen führen“, heißt es in der Uniklinik. Wer gestochen wurde, sollte die Einstichstelle zwei bis drei Wochen aufmerksam beobachten und bei auffälliger Rötung zum Arzt gehen. Bei rechtzeitiger Diagnose sei die Behandlung mit Antibiotika gut möglich. Da die Achtbeiner in den ersten Stunden nach dem Biss kaum Erreger übertragen, gilt es, die Haut regelmäßig zu kontrollieren und die Zecke zeitnah zu entfernen.

2013 mussten in Schleswig-Holstein 140 Patienten wegen einer Borreliose stationär behandelt werden. Die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) trat nur einmal auf. Bundesweit gilt etwa jede fünfte Zecke als Träger des Bakteriums Borrelia burgdorferi, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Für den Süden wird die Quote mit 35 Prozent, für den Norden mit sieben Prozent angegeben.

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