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Pinneberg : Zank ums Damenbad

vom

Zoff ums Planschen in Pinneberg: Die einen wollen sonntags gemeinsam mit ihrer Familie baden. Die anderen fordern ein Spezialangebot für muslimische Frauen.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2011 | 03:25 Uhr

Heute müssen die Männer wieder draußen bleiben: Vor zwei Wochen führte das Hallenbad in Pinneberg eine Frauenbadestunde ein. Bis Ende August dürfen sonntags zwischen 8.30 bis 11 Uhr nur Damen ins kühle Nass springen. Was in anderen Hallenbädern lange Tradition ist, sorgt in Pinneberg für Aufregung. Vor vier Wochen hatten die Stadtwerke als Badbetreiber die Badestunde per Aushang angekündigt. Familien beschwerten sich, dass sie ausgerechnet am Sonntagmorgen auf gemeinsames Baden verzichten müssen.
Protest Kurioses Detail: Besonders Frauen, an die sich das Angebot richtet, fühlen sich auf den Plan gerufen. Eine Dame beispielsweise sammelt inzwischen Protestunterschriften. Timo Lagansky gehört als Mann zu den Leidtragenden. Er musste am ersten Frauenbadetag eine Stunde lang darauf warten, zu seiner Frau und seiner Tochter ins Hallenbad zu kommen. "Das ist Schwachsinn", sagt er. Der Bedarf allerdings scheint da zu sein. 115 Schwimmerinnen zogen ihre Bahnen, lediglich 25 Besucher weniger als sonst um diese Uhrzeit. Christine Bergmann aus Appen (Pinneberg) meint: "Es waren viele Frauen da, die sonst ungern schwimmen gehen."
Männerfreies Baden - ein wichtiger Schritt zur Integration?
Schritt zur Integration? Auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Ellen Schülke stürzte sich zur Frauenbadestunde in die Fluten. Sie begrüßte, dass auch muslimische Frauen das Angebot nutzen: "Ein wichtiger Schritt zur Integration." Doch genau das sehen Kritiker anders. Pinneberg versäume es weiterhin, ein richtiges Angebot für Muslimas zu schaffen, heißt es aus dem Hamburger Büro der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Um Muslimas gerecht zu werden, müssten Räume verdunkelt und männliche Bademeister aus der Halle verbannt werden.
"Das können wir nicht leisten", sagt Pinnebergs Stadtwerkechef Henning Fuchs und spricht anderen Hallenbadbetreibern im Land aus der Seele. Dorte Niehus, stellvertretende Direktorin der Lübecker Schwimmbäder: "Wir haben eine muslimische Badestunde gestartet, sie aber wieder eingestellt. Der Bedarf war nicht da. Und da unser Aufsichtspersonal zu einem Großteil aus Männern besteht, konnten wir nicht gewährleisten, dass immer eine Bademeisterin verfügbar ist."
Gleichberechtigung in Flensburg: Hier gibts auch frauenfreie Badetage
Frauenbadestunden werden aber sowohl im Lübecker Zentralbad als auch in der Schwimmhalle Kücknitz angeboten. Und vereinzelt würde man hier auch Muslima im Burkini finden. Im Badepark Elmshorn wurde das Frauenschwimmen 1999 eingeführt. Und: 50 Prozent der Schwimmerinnen kommen mittwochs im Burkini. Gibt es mal keine weibliche Aufsicht, gehen einige Muslima aber nicht ins Wasser.
Dass es weitere Alternativen gibt, zeigt ein Hallenbad in Harrislee bei Flensburg. Hier können muslimische Frauen ungestört jeden zweiten Sonnabend eine Stunde schwimmen.
Ein muslimischer Verein aus Flensburg hat die Halle zu diesem Zweck gemietet – und bringt dann gleich eine weibliche Rettungsschwimmerin mit. An den anderen beiden Sonnabenden im Monat gibt es übrigens auch ein besonderes Angebot: Dann dürfen nur muslimische Männer ihre Bahnen ziehen.
(heg, shz)

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