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Kappeln : Yacht-Diebstähle beunruhigen Segler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein in Kappeln gestohlenes 200.000-Euro-Segelboot wird in Dänemark gefunden. Von den Dieben fehlt aber jede Spur.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 07:08 Uhr

Kappeln | Da hing nur noch der Tampen zum Festmachen am Anleger. Das Schiff aber war weg. „Der Schock sitzt mir noch in den Knochen“, sagt der Eigner. An die 14-Meter-Segelyacht war er durch Zufall günstig gekommen. Die „Louise“ hatte ihren Liegeplatz in Kappeln an der Schlei. Mit seiner Familie war er am vergangenen Wochenende angereist, wollte mit ihr ein schönes Segelwochenende an der Ostsee verleben. Doch nun blieb die Familie an Land, und er wäre am liebsten sofort wieder nach Hause gefahren. Gestern dann der erlösende Anruf von der Wasserschutzpolizei: Die Yacht tauchte in Dänemark vor Apenrade wieder auf – an Bord war niemand.

Yachtendiebstahl ist keine Seltenheit. Nach Angaben des Kompetenz-Zentrums Bootskriminalität (KBK) in Konstanz am Bodensee sind bundesweit im vergangenen Jahr 246 Boote gestohlen worden, davon allein 41 in Schleswig-Holstein.

Der Betreiber des Yachthafens in Kappeln, Hauke Steckmest (36), selbst Segler, sagt: „Die Anlage gibt es seit den 60er Jahren. Und es ist das erste Mal, dass hier ein Boot entwendet wurde.“ Allerdings: Anfang August war ebenfalls eine Yacht in Kappeln entwendet worden, wenn auch aus einem anderen Hafen. Auch sie wurde schnell wiederentdeckt, dank Augenzeugen und Fahndungsdruck der Wasserschutzpolizei. Die Täter konnten dingfest gemacht werden. Wie dagegen die „Louise“, eine Bavaria 46, Baujahr 2008, Wert 200.000 Euro, in dänische Gewässer gelangte, war gestern noch völlig unklar. In den kommenden Tagen will die Wasserschutzpolizei die von den dänischen Kollegen gesicherten Spuren auswerten.

Auch diesmal war es aufmerksamen Passanten zu verdanken, dass das Segelboot so schnell wieder da war, sagt der Flensburger Revierleiter Lutz Carstensen. „Sie haben die Yacht am Ufer vertäut gesehen und dank der Öffentlichkeitsarbeit der Wasserschutzpolizei wiedererkannt.“ Sein dringlicher Appell: „Es ist stets wichtig, als allererstes und sofort die Wasserschutzpolizei zu informieren.“ Das ist im Fall der Kappelner Yacht geschehen. Und ihr Eigner fühlte sich gut aufgehoben. „Man wurde nicht nur als bloße Nummer behandelt“, lobt er die Ermittler.

Überdies war die „Louise“ beim „Marine Claims System“ (MCS), einem Hamburger Such-Unternehmen für gestohlene Boote, gelistet. Insgesamt aber gehe in Deutschland der Bootsdiebstahl eher zurück, sagt MCS-Geschäftsführer Peter Siegfried. „Wir waren auch schon mal bei 500 – derzeit eben bei rund 250“, sagt Siegfried. Nur in Belgien seien im europäischen Vergleich die Zahlen noch niedriger. Um rund das Vierfache höher etwa sei die Zahl der gestohlenen Boote in den Großräumen von Kopenhagen oder Stockholm. „Hier sind es 1000 im Jahr.“ Aber Siegfried sagt auch: „Ein viel größeres Problem ist der Anstieg der Diebstähle bei den Außenbordmotoren.“

Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität bestätigt seine Einschätzung. Die Zahl der gestohlenen Motoren ist 2013 gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 25 Prozent auf 1257 gestiegen, davon 137 allein in Schleswig-Holstein. Und die Motoren können sehr teuer sein: „Der ‚billigste‘ gestohlene Motor hatte einen Wert von 1000 Euro, der teuerste lag bei 25 000 Euro“, heißt es denn auch beim KBK. Bei den gestohlenen Booten dagegen handelte es sich überwiegend um kleinere, trailerbare Sportboote. „Hier kann man ‚gemittelt‘ eine Schadenssumme von etwa 20.000 Euro annehmen“, so das KBK.

Bei den Seglern der Region hinterlässt der Diebstahl „ein ungutes Gefühl“, wie Yachthafen-Betreiber Steckmest sagt. Klaus Peter Boltz (54), Vorsitzender des Arnisser Segel-Clubs, dem größten in der Kappelner Umgegend, will dennoch deutlich machen, was sich die Skipper keinesfalls nehmen lassen wollen: die Freiheit. „Ich will auf einen Steg gehen und mir die Schiffe angucken können“, sagt Boltz. Vom Zusperren halte er nichts, von einer Nachtwache, die einige Clubs eingeführt hätten, auch nicht. „Wir sollten uns das maritime Flair nicht vermiesen lassen.“

Der Eigner der „Louise“ hingegen plädiert für eine Video-Überwachung. „Das wäre angesichts der engen Zufahrt zur Schlei kein Problem – wir sollten uns darüber Gedanken machen.“ Jetzt will er seine Yacht erst einmal an einem sicheren Liegeplatz unterbringen.


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