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Listerien in Fleisch aus Dänemark : Wurst-Kontrolleure heftig in der Kritik

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum warteten die Lebensmittelkontrolleure nach den ersten Krankheitsfällen drei Wochen mit einem Besuch beim Wursthersteller Jørn A. Rullepølser? Die Kliniken in SH sind auf Listerien-Patienten vorbereitet.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 20:02 Uhr

Im dänischen Wurst-Skandal steht neben dem Hersteller Jørn A. Rullepølser nun auch die staatliche Lebensmittelaufsicht am Pranger: Bereits am 16. Juni erhielt sie Kenntnis davon, dass Patienten nach dem Verzehr von Produkten der Firma an einer Listerien-Infektion litten – doch es vergingen drei Wochen, bis die Kontrolleure den Betrieb besuchten.

Der Sprecher der Behörde, Kim Sigsgaard, bestätigte dies auf Anfrage, wollte aber nicht Stellung nehmen, wie es dazu kommen konnte. Die Prüfung der Vorgänge für einen Bericht an den Ernährungsminister dauere an. Ausgewachsen hat sich ebenfalls der Umfang der von Rückrufen betroffenen Produkte. Auch Erzeugnisse der Firma Delika aus Vamdrup bei Kolding wurden inzwischen vom Markt genommen.

Delika hatte Wurst von Jørn A. Rullepølser zur Weiterverarbeitung aufgekauft. Auf Delikas Schneidemaschinen können weitere Produkte des Unternehmens mit Listerien kontaminiert worden sein. Deshalb wurden auch diese aus dem Verkehr gezogen. Bei den Waren, die in dem Harrisleer Grenz-Supermarkt Fleggaard aufgetaucht waren, handelte es sich laut Sigsgaard um derartige Delika-Produkte. Die Weiterverarbeitungskette sei auch der Grund, weshalb die Behörden erst spät auf Delika und den Grenz-Shop aufmerksam wurden. Auch auf den „Scandlines“-Fähren zwischen Puttgarden und Rødby sind laut Sigsgaard Lebensmittel aus Betrieben verkauft worden, die Wurst von Jørn A. Rullepølser weiterverarbeitet haben. Außerdem betroffen ist laut Landwirtschaftsministerium eine Fähre, die zwischen dem dänischen Gedser und Rostock verkehrt.

Ob es sich um Delika-Ware handelt oder solche aus den ebenfalls betroffenen weiterverarbeitenden Betrieben „Mester Pålaeg“ oder „Mad & Smag“, konnte der Behörden-Sprecher nicht eindeutig sagen. Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen versicherte, es gebe keine Hinweise, dass mit Bakterien belastete Produkte an Bord verkauft oder verwendet worden seien.

In Dänemark sind nach Angaben des Ministeriumssprechers inzwischen fünf Produzenten von Waren-Rückrufen wegen möglicher Bakterien-Verseuchungen betroffen. Sind von den Weiterverarbeitern über Fleggaard hinaus Exporte nach Deutschland gelangt? Darauf gebe es keine Hinweise, so Sigsgaard. Völlig ausschließen wollte er es nicht, hält es aber für „unwahrscheinlich“. Bei Exporten dänischer Fleischwaren nach Deutschland bestünden wegen der üblichen Sicherheitsstandards und Kontrollen aber keine Risiken, versicherte Sigsgaard.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit habe aus Dänemark eine Mitteilung erhalten und sie nach Schleswig-Holstein weitergeleitet, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums am Freitag in Kiel. Scandlines habe vermutlich Rullepølser mit Petersilie geliefert bekommen. Diese könnten mit Listerien belastet sein. Das Ministerium bat über das Bundesamt die dänischen Behörden um nähere Informationen, in welchem Umfang und in welchem Zeitraum Scandlines beliefert worden sei.

Aus Sorge, dass Schleswig-Holsteiner in Dänemark mit Listerien verseuchte Wurst gekauft haben könnten, hat das Kieler Gesundheitsministerium die Kliniken im Land für Infektionen durch das Bakterium sensibilisiert: Wenn Patienten mit grippeähnlichen Symptomen auftauchen, sollten die Ärzte auf jeden Fall nachfragen, ob die Betroffenen dänische Speisen verzehrt haben.

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